Stargast Waldemar Hartmann zeigte sich gewohnt jovial

Burgthanner Dialoge: Medienmacher zeigen Menschliches

Stargast Waldemar Hartmann erklärt Modertorin Alexandra Hildebrandt, wie der Hase, der Ball oder auch das Leben so läuft. | Foto: Kai Kappes2015/10/burgthann-waldemar-hartmann.jpg

BURGTHANN – Medien, Menschen, Machbarkeit: Mit diesem Dreiklang waren die diesjährigen Burgthanner Dialoge überschrieben. Für ausgelassene Wirtshausstimmung sorgte der Stargast: Weißbier-Waldi.

Bekannt ist er aus Funk und Fernsehen: Sportmoderator Waldemar Hartmann. Gewohnt jovial erzählte der Journalist aus seinem Leben, Moderatorin und Nachhaltigkeitsexpertin Alexandra Hildebrandt hatte da kaum eine Chance. Comedy-Talent Waldi machte die Dialoge kurzerhand zu Monologen. Stattgefunden hatten diese am Freitagabend im Haus der Musik in Unterferrieden, veranstaltet von der Gemeinde Burgthann.

Zu berichten hatte Hartmann viel: Wie er eigentlich zu dem Spitznamen Weißbier-Waldi gelangt ist, zum Beispiel. Schuld an der Bezeichnung ist Rudi Völler. In einem Interview hatte er in einem seiner berühmten Wutausbrüche Hartmann angeblafft, er könne über das Unentschieden der Nationalelf locker berichten. Er habe schließlich drei Weißbier getrunken. „Das war der Millionen-Dollar-Satz“, so Hartmann. Auf dem Silbertablett habe er sich bei der Brauerei Paulaner präsentiert, um die Werbung an Land zu ziehen, die ihm viel Geld und größere Bekanntheit einbrachte.

Gehört zum deutschen Mobiliar

Er gehöre zum deutschen Wohnzimmermobiliar wie die Schrankwand, hatte Hildebrandt den Gast vorgestellt. Schließlich habe sein Gesicht über 35 Jahre lang aus dem Fernseher geschaut. Angefangen hatte er als DJ, lernte in einer Kneipe seine erste Frau kennen, wurde freier Mitarbeiter beim Radio und schließlich Moderator.

Über sein Leben hat der geborene Nürnberger viel zu erzählen. Nicht nur über die Liebe zum ledernen Rund, auch zu den Frauen. Sein Herz zum Schlagen brachte zum ersten Mal Renate Rostalski, der er mit zwölf Jahren im Fernsehen einen Gruß schickte und die ihm daraufhin den ersten Liebesbrief schrieb. Jahrzehnte später trafen sich die beiden in einer Kuppelshow von Frank Elsner wieder. Auch eine Hommage an Franz Josef Strauß darf nicht fehlen. „Ich bin ein Fan.“

Eigene Kneipe war Mauschelstation

Seine eigene Kneipe, die er in den 70ern betrieb, bezeichnet er als Mauschelstation. „Es war eine tolle Zeit. Bei mir ist eigentlich alles immer in Kneipen passiert.“ Mit seinen Spitzen und derben Pointen brachte er das Publikum immer wieder zum Lachen.

Einen klaren Kontrast zu Hartmanns Vorstellung lieferte Extremsportlerin Nadine Wolff. Ganz verrückt laufe sie durch Wald und Schlamm, hatte Bürgermeister Heinz Meyer bei der Begrüßung gesagt. Das konnte Wolff nur bestätigen. Die 33-Jährige ist Personal-Trainerin: Sie macht auch den Lahmsten fit. Für einen Triathlon zum Beispiel oder wenn es am Laufen, Radeln oder Schwimmen hakt. Alles kein Problem für die selbst ernannte Optimistin. Mit Mitte 20 ließ sie sich zum Skilehrer ausbilden, stellte Kurse in Entenberg auf die Beine. Auch das kein Problem.

Fünf Kniebeugen für jeden

Wie sie die Medien für ihre Selbstständigkeit nutzt, stand im Fokus ihrer Präsentation zu „Medien, Menschen, Machbarkeit.“ Sie habe sich alles selbst angeeignet und erreiche mittlerweile viele Menschen über ihre Facebookseite und ihren Internetauftritt. Dass Sport ihr Ding ist, merkten auch die Zuhörer: Zum Abschluss mussten sie fünf Kniebeugen absolvieren.

„Drastisch verändert“

Jörg Howe konnte viel über die Veränderung der Medienlandschaft berichten. Als gelernter Journalist ist er mittlerweile Kommunikationschef bei der Daimler AG. Früher, so erzählt der Medienexperte, hätten die Journalisten bei Redaktionsschluss auch mal betrunken auf dem Schreibtisch gelegen. Die Zeiten sind längst vorbei.  „Die Geschwindigkeit hat sich drastisch verändert.“ An sieben Tagen in der Woche, 24 Stunden lang, sei seine Abteilung erreichbar. Jede Minute entscheidet im digitalen Zeitalter. Eine Falschmeldung kann sich rasend schnell verbreiten und ist kaum mehr zurück zu holen. „Die Medien zu steuern, ist fast unmöglich.“ Denn aus den Massenmedien sind mittlerweile Medienmassen geworden. Jeder kann seine Texte und Fotos ins Netz stellen. Dank der Globalisierung gelange eine Nachricht in zehn Minuten um die Welt. Die sozialen Medien könnten einen zudem komplett zerstören.

An zahlreichen Beispielen machte er seine Medienschelte fest. Seinen Wechsel in die Presseabteilung habe er nicht bereut, sagt der ehemalige N24-Chefredakteur und Pressesprecher des Jahres 2014. Die Bedingungen für Journalisten würden immer schwieriger

N-Land Kai Mirjam Kappes
Kai Mirjam Kappes