Lauf steigt aus Plänen aus

Nur zwei Raiffeisenbanken halten an Fusion fest

Durch die Verschmelzung von nur zwei Banken wird Hersbruck als einer der beiden dezentralen Hauptsitze bestehen bleiben. | Foto: Pitsch2021/03/IMG-8159.jpg

NÜRNBERGER LAND (ab/ap) – „Wir hatten nur einen Plan A und wurden nun zu Plan B gezwungen“, gibt Swen Heckel zu. Denn aus der großen Fusion zur Raiffeisenbank Nürnberger Land wird vorerst nichts werden: Es wird nur eine Duo-Version geben.

Vor rund einem Dreivierteljahr hätte sich das der Chef der Hersbrucker Raiffeisenbank nicht vorstellen können. Doch nun ist die Raiffeisenbank in Lauf aus dem Verschmelzungsprozess ausgestiegen. „Die Kollegen spüren weniger Schnittmenge zu uns als wir zur Raiffeisenbank Altdorf-Feucht“, versucht Heckel den Schritt zu erklären.

Den einen Grund für den Rückzug der Laufer gibt es laut Heckel nicht. „Es gab sogar in allen Häusern viel positives Feedback von Mitarbeitern und Kunden für das Vorhaben“, erzählt Heckel. Aber natürlich handle es sich um drei eigenständige, erfolgreiche, gesunde Unternehmen mit gewachsenen Strukturen. Eine Vereinigung ziehe daher „tausend zu regelnde Dinge“ nach sich – und das in einem sehr engen zeitlichen Rahmen: „Da haben sich auch technische Herausforderungen aufgestaut.“

Von Mensch zu PC

Zudem erschwerten die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie die Rahmenbedingungen. „Wir dürfen eines nicht vergessen: Hier agieren Menschen und da wären persönliche Gespräche extrem wertvoll gewesen.“ Doch seit dem Vorantreiben des Projekts in den drei Banken hätte es nur Videokonferenzen gegeben. „Wenn man dann merkt, dass der Plan so nicht mehr funktioniert, muss man ihn eben ändern“, sagt Heckel.

Und zwar von einem Dreier- in ein Zweierbündnis: „Die Kollegen in Altdorf-Feucht und wir hatten keinen Zweifel, die Fusion in diesem Jahr nicht zusammen durchzuführen.“ Die Verschmelzung sei ein erster, fester Teilschritt, der Optionen offen halte – für die Laufer und Burgthanner, die bei der Sondierung vergangenes Jahr bereits abgesagt hatten. „Die Bereitschaft zu einer Erweiterung in der Zukunft ist bei allen da“, betont Heckel.

Mehr Leistungen

Den meist mit Firmenfusionen einhergehenden Abbau von Arbeitsplätzen soll es bei den Genossenschaftsbanken im Landkreis nicht geben. Das betonen neben Heckel auch die beiden Vorstandsmitglieder der Raiffeisenbank Altdorf/Feucht, Manfred Göhring und Walter Engelhardt. Für den Bankkunden soll die Fusion eine ganze Reihe von Vorteilen bringen.

Engelhardt verweist auf das Leistungsspektrum der Bank, hier könnten technische Innovationen schneller umgesetzt und Kunden noch individueller beraten werden. Für Kreditnehmer von Bedeutung: Die neue Größe der Bank gebe auch einen Spielraum für höhere Kreditgrenzen.

Doch zunächst mussten und müssen die Aufgaben sowie die Strukturen auf die Ausrichtung als Duo gebündelt und ausgetüftelt werden. „Es wird bei zwei dezentralen Hauptsitzen in Hersbruck und Feucht sowie den Vorständen dort bleiben.“ In der Dreier-Variante wäre Lauf zur Zentrale geworden.


Vertreter haben Votum

Geführt werde die neue Landkreisbank von Volker Matschke aus Feucht und den Hersbruckern Bernd Strauß sowie Heckel als Sprecher des Gremiums. „Der juristische Sitz wird in Feucht sein“, erklärt Heckel.

Für die Hersbrucker Kunden ändere sich trotzdem nichts: „Wir stellen die technische Plattform.“ Daher müssen sich die Altdorfer und Feuchter nach der technischen Verschmelzung im September an eine neue Kontonummer gewöhnen, die Hersbrucker nicht, so Heckel.

Vorher, nämlich im Juni, müssen die Vertreterversammlungen der beiden Banken jeweils über die Fusion abstimmen. Fällt das Votum positiv aus – 75 Prozent müssen jeweils für die Verschmelzung votieren –, können die Geldinstitute sich gemeinsam den vielen Herausforderungen rund um Bürokratie, Kundennähe, Digitalisierung und Niedrigzins stellen.

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