Große Ausgaben, keine Einnahmen

Hotel-Umbau in Corona-Zeiten

Jürgen Haas steht an der Stelle, wo in den nächsten Monaten die neue Rezeption entstehen soll, wie er am Bauplan zeigt. | Foto: Pitsch2021/06/IMG-20210525-183824.jpg

HÖGEN – Monate ohne Gäste: Zeit, um Hotels und Gaststätten in Ruhe und ohne Einschränkungen für die Urlauber auf Vordermann zu bringen. Doch manche renovieren nicht nur ein bisschen, sondern investieren – wie das „Dormero“ in Hersbruck oder der „Sternwirt“ in Högen – in großem Stil in Umbauten. Ein mutiger Schritt in dieser unsicheren Zeit?

„Mit Mut hat das nichts zu tun“, macht Jürgen Haas klar. Im September 2019 startete der Rohbau der Hotelerweiterung. Als im vergangenen Frühjahr der erste Lockdown über Deutschland hereinbrach, stand gerade einmal die Hälfte. „Wir mussten das Projekt weiter durchziehen“, erklärt der Chef des „Sternwirt“.

Damals habe er sich auch keine so großen Gedanken gemacht, gibt er zu. „Wir hatten ja keine Ahnung, was da noch auf uns zukommt.“ Daher beschreibt er die Gefühlslage von März 2020 so: „Wir machen sechs Wochen zu und dann wieder auf.“ So ähnlich kam es dann auch: „Ab Juni lief unser Geschäft wieder relativ normal.“

Höhere Kosten

Bis dahin konzentrierte sich Haas erst einmal auf Instandhaltungsarbeiten – zunächst. Nach den ersten paar Wochen ohne Betrieb reifte die Entscheidung, auch gleich im Altbau Veränderungen anzupacken. „Ohne den Lockdown hätten wir diesen Schritt wohl nicht gewagt.“ Denn so seien jetzt alle Erneuerungen aus einem Guss und man habe keine Rücksicht auf Gäste nehmen müssen. Beispielsweise riss Haas die Toiletten für den Gastraum heraus, um sie komplett neu zu machen. Im normalen Alltagsgeschäft kaum denkbar.

„So konnten wir in der Zeit den Fokus ganz auf den Altbau legen“, sagt Haas. Die Arbeiten auf der großen Baustelle („Ab November haben wir jeden Tag genutzt, um fertig zu werden“) liefen derweil einigermaßen normal weiter: „Corona hat den Baufortschritt schon verlangsamt.“ Das habe aber nicht an Problemen mit verzögerten Materiallieferungen gelegen, sondern unter anderem an Ausfällen durch Quarantäne bei den Handwerkern. Die Rohstoffknappheit macht sich bei Haas jedoch an anderer Stelle bemerkbar: „Die Preise sind angezogen.“ Und das treibt ihm durchaus die Sorgenfalten auf die Stirn.

Reagieren auf Virus

Denn das ist nicht der einzige Punkt, der für Mehrkosten sorgt. Klar habe ein Neubau jetzt den Vorteil, dass man gewisse Corona-Aspekte gleich berücksichtigen könne. So werden die Kojen beziehungsweise Liegen im Wellness-Bereich weiter auseinander geplant und das Lüftungskonzept wurde überarbeitet. „Das kostet jetzt das Vierfache.“

Haas glaubt, dass Hotellerie mit Abstand und Hygienekonzept funktionieren kann – „aber nicht gewinnbringend“. Denn dadurch würde die Auslastung limitiert werden, was den Businessplan durcheinander werfe. Und das in einer Zeit ohne wirkliche Einnahmen. „Die Banken sind vorsichtiger geworden“, weiß Haas. Sie wollen Bilanzen sehen; für ihn gehe es aber darum, wie viel Geld er noch für die Fertigstellung brauche. Einen mittleren einstelligen Millionenbetrag hat der aufwendige Bau bereits verschlungen, verrät Haas.


Auch wenn bei solchen Summen und der derzeitigen Lage ab und an Existenzängste im Hinterkopf auftauchen, ist sich Haas sicher, auf dem richtigen Weg zu sein: „Corona ist eine Chance für den Inlandstourismus und damit für Urlaubs- und Familienhotels. Geschäftsreisende werden weniger werden.“ Daher gehe die Ausrichtung des „Sternwirt“ genau dahin: An einer belebten Rezeption soll es Billard, Brettspiele und Rutsche für die Kinder geben. Dazu kommen Fitness-Raum, Wellness und Sky Spa, zählt er begeistert auf.

Hoffen auf Urlaub

Um das betreiben zu können, brauche es Personal, vor allem Köche für Bistro und modernisierte Küche. „Ich hätte vor Corona nie gedacht, dass Gastronomie so verzichtbar ist und so lange dichtgemacht wird.“ Dass sich Mitarbeiter da nach Perspektiven fragen, das mache ihm schon Angst. Doch er habe den Neubau auch gewollt, um den Angestellten mehr Komfort bieten zu können, wie Büros und Umkleiden. „Ich wünsche mir ein Team, das Lust hat, in einer coolen Atmosphäre zu arbeiten.“

Denn Jürgen Haas ist überzeugt, dass sich die Speise-Gastro wieder erholen wird. Events würden zwar noch dauern, aber „Urlaubsreisen wird es wieder wie vor der Pandemie geben“.

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