Infoveranstaltung zu Unverpacktladen

Haben die Laufer genug vom Verpackungsmüll?

Sogar auf der Bühne des PZ–Kulturraumes standen Stühle, um den rund 140 Besuchern am Mittwochabend einen Sitzplatz zu bieten. Sie alle kamen, um dem Besitzer des Nürnberger Unverpacktladens „Zero Hero“ Thomas Linhardt (2. v. r.) zuzuhören und anschließend Fragen zu stellen. | Foto: Beck2019/03/InfoAbend-Unverpackt-PZ-Kulturraum-abe2.jpg

LAUF — Einkaufen in einem Laden, in dem alles in eigene Behälter statt in Plastikbeutel gepackt wird. Diese Vorstellung scheint vielen Laufern zu gefallen. Beim Infoabend über einen Unverpacktladen in der Kreisstadt füllten rund 140 Besucher den PZ–Kulturraum in Lauf. Am Ende der Veranstaltung stand die Frage im Raum: Wer nimmt den Staffelstab in die Hand?

„Wir hatten doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze“, erzählte die Initiatorin des Abends, Cosima Adebar. Sie geht im Nürnberger Unverpacktladen „Zero Hero“ regelmäßig einkaufen und fasste den Entschluss, einen Infoabend zu veranstalten, um nach möglichen Betreibern eines Unverpacktladens in Lauf zu suchen.

Dafür bat sie Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping um Unterstützung und wurde von seiner schnellen Reaktion überrascht. Bisping bot seine Hilfe an und bezog den Beauftragten für Wirtschaftsförderung der Stadt Lauf, Uwe Zwick, mit ein. Laut Bisping gebe es in Lauf eine Hand voll Eigentümer, die ihre Fläche für einen Unverpacktladen vermieten würden. Jetzt müsse sich nur noch ein Betreiber finden.

Referent des Abends war der Besitzer des „Zero Hero“ in Nürnberg, Thomas Linhardt (wir berichteten). In seinem Vortrag gab er einen Überblick über die stetig wachsende Müllproduktion in Deutschland sowie über Möglichkeiten, Müll, insbesondere Plastik, zu vermeiden. Anschließend zeigte Linhardt den Gästen Bilder von seinem Laden und beschrieb, wie sich die Kunden dort Essig und Öl zapfen, ihre Nudeln im Glas mit nach Hause nehmen und ihr Mehl selbst mahlen.

Ein weiteres Thema waren die Vorurteile gegenüber Unverpacktläden, wie etwa, dass sie übertrieben teuer seien. „Als Einkäufer muss man die Tricks der Verpackungsindustrie bedenken. Denn die Hälfte einer Cornflakespackung ist Luft. Wenn dann Leute bei uns ein ganzes Glas Nüsse kaufen, stutzen sie schon mal über den Preis. Aber die reichen auch länger aus als verpackte Lebensmittel, denn sie sind nicht mit Wasser, Luft oder Zucker vermengt“, sagte Linhardt.

Neues Konzept boomt

Nach dem Vortrag hatten die Gäste die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wie viele Läden aktiv bleiben und nicht nach einem halben Jahr wieder zumachen, wollte eine Besucherin wissen. Eine genaue Zahl wusste Linhardt nicht, nur, dass es inzwischen mehr als 100 Unverpacktläden in Deutschland gibt. „Natürlich herrscht ein gewisses Risiko, aber das Interesse der Kunden besteht. Wir haben seit der Gründung unseren Umsatz verdreifacht“, so Linhardt. Er selbst sei von der Wirtschaftlichkeit seines Ladens vollkommen überrascht gewesen. „Wir haben schon im ersten Monat mehr Umsatz gemacht als erwartet und seitdem geht die Kurve stetig nach oben.“, so Linhardt.

Mehrere Besucher forderten den Laufer Bürgermeister Benedikt Bisping als Vertreter der Stadt Lauf dazu auf, Umweltprojekte stärker zu unterstützen. Projekte zur Müllvermeidung wie das eines Unverpacktladens müssten immer vom „kleinen Bürger“ ausgehen, kritisierte eine Besucherin.

Unverpackt in Schnaittach

Unter den Besuchern war auch die Schnaittacherin Christina Müller–Maul, die vor Kurzem das Geschäft „Mein grüner Laden“ in Schnaittach eröffnet hat. Dort verkauft sie unverpackte, regionale Lebensmittel aus biologischem Anbau, Naturprodukte und Saatgut. Für Müller–Maul stellt sich das Problem, dass ihr Laden zu klein ist, um von Großhändlern Lieferungen zu erhalten. Das erschwert ihre Suche nach Lebensmitteln, die nicht in Plastik verpackt werden. Allerdings konnte sie gute Beziehungen zu regionalen Bauern aufbauen.

Auch Erika Vogel, Besitzerin des Laufer Biomarktes, kann das Unverpackt–Konzept nicht vollständig umsetzen. „Unsere Lagerfläche ist nicht groß genug, für die Säcke und Bündel der Großhändler und wir wollen nicht, dass Lebensmittel deswegen verderben. Da hätten wir sofort wieder Müll produziert“, berichtete Vogel den Gästen. Allerdings würde sie sich sehr über einen Unverpacktladen in Lauf freuen und werde das Konzept in ihrem Biomarkt weiter vorantreiben.

Am Ende der Veranstaltung konnten sich die Gäste in Zwicks Listen zur Findung möglicher Laden–Betreiber eintragen. Acht der Gäste boten sich an, einen Unverpacktladen zu führen, möglicherweise auch gemeinsam. Zehn weitere würden im Laden mitarbeiten.

Zurück zu Tante Emma

Für Linhardt hat das Konzept des unverpackten Einkaufens Zukunft. „Natürlich gehört Mut dazu, so einen Laden zu eröffnen, aber ich denke, in Lauf besteht Potenzial“, sagte Linhardt. Bleibt nur die Frage, wer in Lauf die Getreidemühle in die Hand nimmt und das Risiko eingeht. Denn ob genügend Laufern der Sinn nach Unverpacktem steht, weiß keiner. Vielleicht ist das rege Interesse an diesem Info–Abend ein Zeichen dafür, dass im Landkreis genügend Kundschaft für einen Unverpackt-Laden existiert, der auch Gewinn bringt. 

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck