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Stunde der Wintervögel: weniger Vögel, weniger Vielfalt

Bei der Stunde der Wintervögel ist die Kohlmeise traditionell im vorderen Drittel zu finden. In diesem Jahr landet sie auf Platz zwei, hinter dem Haussperling auf Rang eins und vor dem Feldsperling auf Platz drei.
Bei der Stunde der Wintervögel ist die Kohlmeise traditionell im vorderen Drittel zu finden. In diesem Jahr landet sie auf Platz zwei, hinter dem Haussperling auf Rang eins und vor dem Feldsperling auf Platz drei. | Foto: Norbert Vetter/LBV2026/02/5a7098a5a7cd708070c2054040810b0b08db67da_max1024x.jpg

NÜRNBERGER LAND – An der 21. Stunde der Wintervögel des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und NABU nahmen rund 29.600 Menschen in mehr als 21.300 Gärten und Parks teil – insgesamt wurden dabei 626.600 Vögel gezählt.

„Das winterliche Wetter erschwerte einigen Vogelarten die Futtersuche im Freiland und brachte auch ungewöhnliche Besucher an die Futterstellen und in die Nähe der Menschen“, sagt die LBV-Biologin Dr. Angelika Nelson. „Der große Einflug von Wintergästen aus dem Norden blieb heuer aus. Dafür zogen manche der daheimgebliebenen Vögel wie Kraniche über Bayern fluchtartig nach Süden auf der Suche nach schnee- und eisfreien Flächen.“

Zahlen wieder leicht rückläufig

Die durchschnittliche Vogelzahl pro Garten lag in diesem Jahr leicht unter dem Vorjahreswert. Im Mittel wurden etwa 29 Vögel pro Garten gezählt – rund zwei Individuen weniger als im Vorjahr. „Anders als im vergangenen Jahr blieben große Einflüge von Bergfinken und anderen nordischen Wintergästen wie Erlenzeisigen aus. Solche großen Vogelschwärme können die Durchschnittswerte deutlich nach oben treiben und hatten 2025 vermutlich einen maßgeblichen Einfluss auf das Ergebnis“, erklärt Angelika Nelson.

Unabhängig davon lasse sich jedoch ein schleichender, aber kontinuierlicher Rückgang der Vogelzahlen in den Gärten nicht von der Hand weisen. „Ein Blick auf die vergangenen 20 Jahre zeigt klar, dass sowohl die Vielfalt als auch die Anzahl der Vögel im Garten abnimmt“, so die Ornithologin. Die Ursachen für diese Entwicklung seien vielfältig und komplex. Vor allem fehle es vielen Vogelarten zunehmend an geeigneten Lebensräumen und genügend Insekten zur Jungenaufzucht.

Top Ten der Wintervögel

Die Spitze der Rangliste der häufigsten Wintervögel ist schon seit Jahren stabil mit nur geringfügigen Verschiebungen: Auch heuer führt der Haussperling die Liste an, gefolgt von Kohlmeise und Feldsperling. Dahinter tauschten Amsel und Blaumeise die Plätze – die Amsel rückte auf Rang vier vor. Als Bodenfresser benötigt sie schneefreie Stellen, die sie heuer hauptsächlich an Futterstellen fand.

Davon profitiert auch das Rotkehlchen und schafft es auf Rang 9. Vor ihm liegen Buchfink (6.), Elster (7.) und Grünfink (8.). Den Abschluss bildet die Rabenkrähe (10.). Der Bergfink, der im vergangenen Jahr auf Platz sieben lag, ist wieder aus den Top Ten verschwunden. Er ließ sich heuer kaum in Bayern blicken.

Spannende Beobachtungen gab es auch über die häufigen Wintervögel hinaus. Fliegende Formationen laut rufender Kraniche überraschten einige Teilnehmende. „Vermutlich handelte es sich bei diesen Vögeln um eine Winterflucht infolge des deutlichen Kälteeinbruchs am Zählwochenende: Kraniche versuchen zunehmend, in Norddeutschland zu überwintern, bei anhaltender Kälte ziehen sie jedoch rasch entlang ihrer üblichen Route weiter nach Südwesten“, ordnet Angelika Nelson ein.

Da die wichtigste Zugroute über Hessen führt, konnten nur Teilnehmende in Nordbayern dieses Naturschauspiel, das man sonst aus dem Herbst kennt, genießen. Auch Kormorane sammelten sich und suchten gemeinsam nach eisfreien Flüssen und Seen, um dort Fische zu fangen. Dabei wurden sie im Vorbeifliegen oft von Teilnehmenden gemeldet.

Überraschende Überwinterer

Für Staunen sorgten zudem einzelne Meldungen von Wiedehopf, Bekassine, Zippammer und Brachvogel. Bei allen handelt es sich nämlich um Zugvögel, die normalerweise die kalte Jahreszeit in südlichen Gefilden verbringen und zudem als selten und scheu gelten. Ob auch sie versuchten, die im Schnitt milder werdenden Winter in Bayern zu verbringen oder als Irrgäste hier gelandet sind, lässt sich nicht klären. Durch Schnee und Frost wurden sie an leicht erreichbare Nahrungsquellen in die Nähe von Siedlungen und oft direkt an die Futterstellen getrieben.

Bemerkenswert waren insbesondere die Beobachtungen des Wiedehopfs: Bereits vor der Stunde der Wintervögel gingen beim LBV entsprechende Meldungen mit Fotobeweis aus dem Landkreis Forchheim in Oberfranken ein. „Der Wiedehopf ist eine wärmeliebende, auf größere Insekten angewiesene Art und zählt zu den Langstreckenziehern, die normalerweise südlich der Sahara überwintern“, sagt LBV-Biologin Nelson. 

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