Sozialwohnungen auf Nordschul-Areal

Schwaig nimmt das Heft in die Hand

Schwaig will auf dem Gelände der ehemaligen Nordschule selbst ein soziales Wohnbauprojekt umsetzen. | Foto: Braun2018/11/nordschulareal-schwaig-zaun-tib.jpg

SCHWAIG — Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Auch im Nürnberger Land. Die Gemeinde Schwaig will dem entgegen wirken und auf dem Areal der ehemaligen Nordschule ein Mehrfamilienhaus mit Sozialwohnungen bauen. Nachdem kein passender Investor für das Projekt gefunden werden konnte, hat der Gemeinderat nun mehrheitlich beschlossen, selbst tätig zu werden.

Den Beschluss hat der Gemeinderat mit 11:7 Stimmen gefasst – gegen die Räte der CSU und einen Rat der FWG. Damit ist die Verwaltung nun beauftragt, ein Konzept für ein soziales Wohnbauprojekt zu erstellen, das die Gemeinde in Eigenregie auf dem Nordschul-Areal bauen will. Geplant ist ein Mehrfamilienhaus mit einer Nettofläche von mindestens 1900 Quadratmetern, mit 25 bis 35 Ein- bis Sechszimmerwohnungen, einer Tiefgarage und weiteren oberirdischen Stellplätzen.

„Es ist nicht so, dass wir den Bedarf für sozialen Wohnraum nicht sehen“, sagt CSU-Sprecherin Petra Oberhäuser, die gegen den Beschluss gestimmt hat. Doch 2019 soll in Schwaig ein Ortsentwicklungskonzept erstellt werden. „Wir fänden es schade, wenn das Nordschul-Areal in diesen Plänen nicht berücksichtigt wird“, sagt sie. Die CSU hatte deshalb vorgeschlagen, alternativ in der Warthestraße Sozialwohnungen zu bauen. Das Grundstück gehört, ebenso wie das der Nordschule, der Gemeinde, ist aber deutlich kleiner. „Das reicht nicht aus“, sagt Bürgermeisterin Ruth Thurner, die lieber die große Lösung möchte.

Konditionen sind günstig

Wie teuer das Vorhaben genau wird, muss noch ermittelt werden. Sicher ist, dass Schwaig dafür Zuschüsse aus dem Kommunalen Wohnraumförderprogramm (KommWFP) beantragen könnte. Dann gäbe es einen Zuschuss von 30 Prozent zu den Baukosten und besonders günstige Kredite der BayernLabo. Außerdem würde die Sozialbindung für das Projekt (siehe unten „Zum Thema“) bereits nach 20 Jahren enden. Private Bauherren, Bauträger oder Genossenschaften sind für 25 Jahre an die günstigen Mieten gebunden.

Trotz der guten Konditionen haben bisher nur wenige Kommunen die KommWFP in Ansbach beantragt, wie Harald Fromm von der Regierung von Mittelfranken weiß. Aktuell werde in Thalmässing und Ammerndorf (Landkreis Fürth) gebaut. Auch Weißenburg, Uffenheim und Rothenburg haben bereits Mittel aus dem Fördertopf bekommen.

15 Millionen Euro stehen den Städten, Märkten und Gemeinden in Mittelfranken jährlich zur Verfügung. Doch die Summe werde nicht ausgeschöpft, sagt Fromm. „Es könnten ruhig noch ein paar mehr sein.“ Neben Schwaig habe auch der Markt Feucht bereits Interesse bekundet.

Dabei sind Sozialwohnungen dringend nötig, wie die Zahlen des Landratsamts belegen. So sank der Bestand im Nürnberger Land von 1400 im Jahr 2003 auf aktuell 634. Und die Prognose sieht noch düsterer aus. In 20 Jahren könnte ein weiteres Drittel der mietpreisgebundenen Wohnungen wegfallen. Und das obwohl immer mehr Menschen von Alters­armut betroffenen sind. Ihre Zahl stieg im Landkreis seit 2012 von 243 auf 565.

Schwaig ist begehrt

Das ist vor allem im Speckgürtel um Nürnberg ein Problem, wo die Mietpreise in den vergangenen Jahren geradezu explodiert sind. „Schwaig ist ein begehrter Ort, der kaum günstigen Wohnraum anbietet“, sagt Bürgermeisterin Ruth Thurner. „Uns ist aber wichtig, dass auch Menschen mit einem weniger großen Geldbeutel bei uns eine Wohnung finden oder dass Senioren, die eine kleine Rente haben, bei uns bleiben können“, erklärt sie.

Und deshalb hatte die Gemeinde – trotz einiger Anwohnerproteste – zunächst nach einem Investor für das Nordschul-Areal gesucht. Doch das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Auf die Ausschreibung im Juli hin meldete sich nur ein ernsthafter Interessent, der Sozialwohnungen umsetzen wollte. Und auch der wollte in zwei Punkten nachverhandeln. „Dem konnte der Gemeinderat aus rechtlichen Gründen nicht folgen – und wollte es auch inhaltlich nicht“, erklärt Fabian Ebeling von der Gemeindeverwaltung.

Deshalb will Schwaig nun selbst bauen und kann damit zum Vorbild für andere Kommunen werden. (Lesen Sie hierzu den Kommentar von PZ-Redakteurin Tina Braun).

ZUM THEMA

Als sozialer Wohnungsbau wird der Bau von staatlich geförderten Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen bezeichnet. Die gesetzlichen Richtwerte unterscheiden zwischen drei wohnberechtigten Einkommensstufen. Bei einem Einpersonenhaushalt darf das Nettojahreseinkommen demnach 14 000 Euro (Stufe I) bzw. 22 600 Euro (Stufe III) nicht überschreiten.

In Sozialwohnungen sind die Mieten günstig. Im Nürnberger Land liegen sie aktuell bei 5,50 Euro pro Quadratmeter. Diese Mietpreisbindung endet für Privatleute, Bauträger und Baugenossenschaften nach 25 Jahren; für Kommunen schon nach 20 Jahren. Danach können die Wohnungen verkauft oder teurer weitervermietet werden.

Im Rahmen des Wohnungspakts Bayern stellt der Freistaat für Mittelfranken jährlich 60 Millionen Euro zur Wohnraumförderung zur Verfügung und noch einmal 15 Millionen Euro für das Kommunale Wohnraumförderprogramm. Der Wohnungspakt läuft 2019 aus. Eine Fortführung bis 2025 ist geplant.

N-Land Tina Braun
Tina Braun