Kommentar zum Sozialen Wohnungsbau

Baut endlich!

Auf dem ehemaligen Nordschul-Areal will die Gemeinde Schwaig Sozialwohnungen errichten und wird damit zum Vorbild für andere Kommunen. | Foto: Braun2018/11/nordschule-schwaig-uberblick-tib.jpg

Die Gemeinde Schwaig will auf dem Nordschul-Areal selbst Sozialwohnungen bauen und könnte damit zum Vorbild für andere werden, findet PZ-Redakteurin Tina Braun. Ein Kommentar.

Was Schwaig auf dem Nordschul-Areal plant, hat Vorbildcharakter. Auf dem Filetstück mitten im Ort will die Gemeinde Sozialwohnungen bauen. Eine mutige, richtige und hoffentlich wegweisende Entscheidung, die der Gemeinderat da gefällt hat.

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, auch im Nürnberger Land. Diese fatale Entwicklung ist keine Überraschung. Sie war seit langem absehbar. Jahr für Jahr fallen mehr Wohnungen aus der Sozialraumbindung (siehe „Zum Thema“) und werden danach teurer weitervermietet. Gleichzeitig werden kaum neue Sozialwohnungen gebaut, denn Investoren verdienen an Luxusimmobilien mehr.

Eine fatale Entwicklung. Vor allem vor dem Hintergrund, dass immer mehr Menschen ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken müssen und immer mehr Senioren in die Altersarmut abrutschen.

Die Zuwanderung anerkannter Asylbewerber hat die Lage noch verschärft. Sie konkurrieren auf dem angespannten Wohnungsmarkt mit Geringverdienern und Senioren. Eine Tatsache, die im Bayern-Wahlkampf die AfD für sich zu nutzen wusste, als sie die Betroffenen gegeneinander ausspielte und Ängste schürte.

Alle sollen eine Bleibe finden

Das will Schwaig verhindern. Deshalb sieht der Entwurf für das Nordschul-Areal ein Viertel der Wohnungen für anerkannte Asylbewerber vor, der Rest ist für einkommensschwache Einheimische gedacht. Alle sollen eine Bleibe finden. Von der alleinstehenden Witwe bis zur Großfamilie.

Nun mag mancher argumentieren, dass Schwaig sich ein solches Projekt auch leisten kann. Als eine der reichsten Kommunen im Nürnberger Speckgürtel hat die Gemeinde sicher die nötigen Mittel. Trotzdem: Schwaig ist begehrt. Es wäre lukrativer und einfacher, ein weiteres Projekt für wohlhabende Bürger zu realisieren und noch mehr Einkommensteuer zu kassieren.

Doch die Gemeinde hat sich für einen anderen Weg entschieden. Weil die Kreditlage günstig ist. Weil es Zuschüsse zu den Baukosten gibt. Weil die Verwaltung ohnehin aufgestockt wurde. Vor allem aber aus Überzeugung. Weil jeder in der rund 8900-Einwohner-Gemeinde seinen Platz finden soll, wie Bürgermeisterin Ruth Thurner betont.

Der Mangel an Sozialwohnungen ist nicht allein auf lokaler Ebene zu lösen. Der Bund muss schleunigst eingreifen und nachbessern. Mehr Bauland, günstigere Grundstücke für Länder und Kommunen, Steuererleichterungen für Investoren – das sind nur einige der Forderungen von Politik, Wirtschaft und Wohlfahrtsverbänden.

Der Druck auf die Regierung darf nicht nachlassen. Aber nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, hilft nicht weiter. Schwaig handelt – und ist deshalb ein Vorbild. Das Projekt auf dem Nordschul-Areal muss ein Erfolg werden und Nachahmer finden. Sonst werden die sozial Schwachen immer weiter an den Rand gedrängt. Das schadet am Ende der ganzen Gesellschaft.

N-Land Tina Braun
Tina Braun