Diskussionsabend der Bürgerinitiative

Nordschulareal treibt die Schwaiger weiter um

Der Veranstaltungsraum im Schwaiger Schloss war bis auf den letzten Platz gefüllt. Martin Riederer (rechts) sprach im Namen der Bürgerinitiative die Bedenken in Bezug auf die Bebauung des Nordschulareals an. | Foto: Brinek2017/01/burgerinitiative-infoabend-nordschulareal-bebauung.jpg

SCHWAIG — Auf viel Interesse  bei den Bürgern stieß der Diskussionsabend über die künftige Bebauung des Schwaiger Nordschulareals, zu dem die örtliche Bürgerinitiative eingeladen hatte. Der Veranstaltungsraum im Schwaiger Schloss platzte aus allen Nähten.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Schwaiger Schlosses stellten die Köpfe der Bürgerinitiative – Martin Riederer, Wolfgang Klaiber, Günter Rüllkötter und Lothar Kraft – die Initiative und deren Bedenken gegen die vom Gemeinderat bereits grundsätzlich abgesegnete Bebauung des Nordschulareals vor.

Die Initiatoren des Abends hatten sich gut auf die Diskussion mit dem Schwaiger Gemeinderat vorbereitet. Sie hatten gründlich recherchiert und formulierten ihre Fragen zu dem geplanten Bauvorhaben sehr präzise. Auf diese präsentierten sie dem interessierten Publikum ihre Sichtweise, erläuterten ihre Argumente und machten Vorschläge für ein mögliches weiteres Vorgehen.

Die derzeit 30 Mitglieder der Bürgerinitiative haben eine Unterschriftenaktion gegen die geplante Bebauung mit Sozialwohnungen und für eine bessere Informationspolitik durch die Gemeinde gestartet. Bereits über 200 Bürger haben diese Petition unterzeichnet, die eine hochwertige Bebauung anstrebt, die sich im Sinne einer nachhaltigen Ortsentwicklung harmonisch in die Umgebung einfügen und den Siedlungscharakter des historischen Baugebiets westlich des Schlosses bewahren soll.

Die Redner bemängelten die „Geheimnistuerei“ des Gemeinderats. So hätten sie ihr komplettes Wissen über die vorgesehene Bebauung nur durch die Berichte in der Pegnitz-Zeitung erlangt. „Die Anwohner wissen nur unvollständig und zum Teil widersprüchlich, was auf dem Areal entstehen soll“ so Riederer.

Architekt Wolfgang Klaiber bemängelte die baurechtlichen Vorgaben der Gemeinde für den möglichen Investor. Insbesondere die Idee von drei Vollgeschossen mit einer Wandhöhe von 9,5 Metern und einer Firsthöhe von maximal zwölf Metern, wobei die Dachform bewusst offen gelassen wurde, stieß auf Kritik. Auch der Plan einer Tiefgarage für mindestens 50 Prozent der erforderlichen Stellplätze sorgte für zum Teil heftigen Diskussionsstoff. Nach Meinung der Bürgerinitiative und einiger anwesender Bürger genehmigt sich die Gemeinde hier Sonderrechte. Denn in der Umgebung sind ansonsten nur zwei Vollgeschosse zulässig. Auch die vorgesehene Änderung der Stellplatzsatzung durch die Gemeinde, weniger Plätze als gefordert zu verlangen, ist höchst umstritten.

Diese Neuerungen hätten auch Einfluss auf die zukünftige Bebauung in der Umgebung, sodass dort höchstwahrscheinlich generell höhere Häuser entstehen werden. Dazu komme, dass die Parksituation rund um die Parkstraße sowieso schon katastrophal sei und deshalb eine Lockerung der Stellplatzsatzung nicht nachvollziehbar sei, so der Tenor.

Die Befürchtungen der Initiative, dass durch einen konzentrierten sozialen Wohnungsbau in diesem Umfang ein sozialer Brennpunkt in Schwaig entstehen könnte, konnten im Laufe des Abends entkräftet werden. Am Ende waren sich fast alle einig: Grundsätzlich sind Sozialwohnungen in Schwaig dringend notwendig, denn es gibt in der Gemeinde kaum noch bezahlbaren Wohnraum für sozial Schwache. Es müsse jedoch ein sich harmonisch in den Baubestand einfügender Bau entstehen.

Neben den Fraktionsvorsitzenden und einigen Gemeinderäten ging vor allem Bürgermeisterin Ruth Thurner auf die Fragen und Anregungen der Bürger ein. Sie alle betonten, dass sie sich die Idee mit dem sozialen Wohnungsbau nicht leicht gemacht und letztendlich auch noch gar nichts entschieden sei. Man sei gerade erst dabei, die Voraussetzungen für eine Ausschreibung zur Vergabe des Projekts an einen möglichen Investor zu bearbeiten.

In Voranfragen hätten sich „eine Handvoll“ Bewerber gemeldet, so Thurner. Weiter sei ein Bebauungsplan für das Neubaugebiet geplant, bei dem die baulichen Vorstellungen der Gemeinde eingearbeitet sind. Die Vorarbeiten werden sich laut Thurner mindestens noch ein Jahr hinziehen, so Thurner. Deshalb sei noch genug Zeit, über das Projekt zu diskutieren und als Bürger Einspruch zu erheben. Die Bürgermeisterin unterstrich aber auch, dass die Beschlüsse zur Bebauung des Nordschulareals im Gemeinderat fast einstimmig erfolgten und deshalb nicht ohne weiteres revidiert werden könnten.

Verschiedene Bürger fragten sich, ob die Politik ihre Vorschläge und Anregungen überhaupt ernst nehme. Diese Bedenken konnten die Räte zerstreuen und wiesen darauf hin, dass bei der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans, der die baurechtlichen Grenzwerte festlegt, jeder einzelne Einspruch geprüft und darüber entschieden werde. Man versprach aber auch jetzt schon, bei der Gestaltung der Ausschreibung die Gedanken und Anliegen der Bürger zu berücksichtigen und mit der Bürgerinitiative so weit wie möglich zusammen zu arbeiten.

Bemerkenswert waren zum Schluss die Ausführungen von Axel Paetzke, erster Vorsitzender des Geschichts- und Kulturkreises Schwaig-Behringersdorf, der erklärte, das einzige dreigeschossige Gebäude in Schwaig sei das Schloss. Ein zweites, gleichhohes Gebäude vertrage Schwaig nicht, damit werde das Zentrum entwertet. Er wies – wegen der etwas angespannten Atmosphäre zwischen Befürwortern und Gegnern des Projekts – auch darauf hin, dass Menschen ihre Meinung sagen dürften, denn das sei das Fundament der Demokratie.

Die Bürgerinitiative trifft sich jeden dritten Dienstag im Monat. Nächster Termin: 21. Februar, 19 Uhr im Restaurant Pegnitztal. Interessierte sind herzlich eingeladen.

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N-Land Hans Brinek
Hans Brinek