Geringe Resonanz trübt die Veranstaltung

Pflicht zum Widerstand?

Moderiert wurde die Gesprächsrunde in der Reichswaldhall von Max Dettenthaler (links), neben ihm Feuchts Bürgermeister Jörg Kotzur, dann Hans Schuierer, Krabat Ernst und Leonhard Pfeiffer. | Foto: Alex Blinten2021/10/Feucht-Podiumsdiskussion-scaled.jpg

FEUCHT – Die Abschlussveranstaltungen zur Woche der Demokratie in der Reichswaldhalle finden vor kleinem Publikum statt. 
Stargast ist der ehemalige Landrat von Schwandorf und WAA-Gegner Hans Schuierer. Kinder erläutern, warum sie Schulsprecher werden wollen.

Eine „Lange Nacht der Demokratie“ bildete die Abschlussveranstaltung einer Aktionswoche in Feucht, die „lange Nacht“ war dann ein langer Abend mit viel Musik und einer Podiumsrunde, die mit Hans Schuierer einen Stargast in ihrer Mitte hatte. Der 90-Jährige hat in den 80er Jahren maßgeblich mit dazu beigetragen, dass die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf (WAA) nicht fertig gestellt werden konnte. 1985 begann der Bau, nach heftigsten Protesten wurde er 1989 eingestellt. Brennstäbe aus deutschen Atomkraftwerken wurden in der Folgezeit in Frankreich und Großbritannien aufbereitet. Schuierer hat also etwas verändert in der deutschen Energiepolitik.

Politisch engagierte Familie

Von Moderator Max Dettenthaler darauf angesprochen, was ihm Demokratie bedeutet, sagt der Ex-Landrat einen bemerkenswerten Satz: „Wenn wir damals die Demokratie nicht verteidigt hätten, dann hätten wir eine andere Situation.“ Leider wird das nicht weiter ausgeführt. Eine andere Situation in der Oberpfalz, wo die WAA vielleicht gebaut worden wäre? Oder in der deutschen Energiepolitik, die sich vielleicht mit der Atomenergie arrangiert hätte? Oder wäre gar andernorts noch eine WAA geplant und gebaut worden? Schuierer lässt seinen Satz von der anderen Situation im Raum stehen, betont aber, dass Demokratie ihm alles bedeutet.

Wer wie er die NS-Zeit bewusst miterlebt habe, der fühle sich verpflichtet, für die Demokratie zu kämpfen. Zudem kommt Schuierer aus einer politisch engagierten Familie, deren Widerstand gegen den Nationalsozialismus ihn prägte. „Was in Wackersdorf passiert ist, darf eigentlich in einem Rechtsstaat nicht passieren“, sagt er im weiteren Verlauf des Gesprächs.

Bürgerkrieg in Wackersdorf

Bürgerkriegsähnliche Zustände gab es damals, der Polizei wirft Schuierer auch heute noch massive Fehler vor. Weil er selbst als Landrat vor einem Vierteljahrhundert im Widerstand gegen die WAA stand, geriet er schnell in Konflikt mit der Staatsregierung, in einen Konflikt, den er gerne aufnahm. Die Kommunalpolitik habe ja für das Wohl und Wehe der Bevölkerung zu sorgen – und genau dieses Wohl und Wehe habe er als Landrat in Gefahr gesehen. Es würde den Abend sprengen, wenn er erläutern solle, was in Wackersdorf alles an Unrecht geschehen sei.

Welchen Rat hat Schuierer für die Feuchter, die sich gegen ein mögliches ICE-Werk am Jägersee bzw. in der Muna stellen? Die von Max Dettenthaler gestellte spannende Frage versteht der 90-Jährige zunächst falsch und kann dann nur ein allgemeines Statement abgeben: Es sei wichtig, sich für Politik zu interessieren. Bürgermeister Jörg Kotzur hat hier mehr zu sagen. Er spricht von einem „windelweichen Rechtsstaat“, der Schutzgüter wie Bannwald und Naturschutz einfach aushebele. Wenn sich dann Ministerpräsident Söder in das Verfahren einmische, dann fühle man sich wie in einem anderen politischen System. Damit holt Kotzur sich Applaus im Publikum ab.

Warum es sich lohnt, zu kämpfen

„Warum lohnt es sich, für Demokratie zu kämpfen“, will Max Dettenthaler am Ende von den Gesprächsteilnehmern wissen, neben Kotzur und Schuierer sind auch Krabat Ernst von Fridays for Future und Leonhard Pfeiffer von den Jungen europäischen Föderalisten in der Runde. Ernst will für Demokratie kämpfen, „weil wir unser System nicht nur erhalten, sondern jeden Tag neu verbessern wollen“. Für Pfeiffer lohnt sich der Kampf für Demokratie, „weil es das einzige System ist, für das man auch kämpfen darf“. Jörg Kotzur stellt kurz und bündig fest, dass es kein besseres politisches System als die Demokratie gibt. Und Hans Schuierer verweist auf sein Erleben der NS-Zeit und zitiert Brecht: „Wenn aus Recht Unrecht wird, dann wird Widerstand zur Pflicht.“ Das knapp 40-köpfige Publikum applaudiert heftig.

Der langen Nacht der Demokratie vorausgegangen war eine Veranstaltung mit Kindern und Jugendlichen in der Reichswaldhalle, in deren Rahmen Grundschulkinder interviewt wurden, warum sie sich als Schülersprecher beworben haben. Viele verschiedene Antworten gab es da, die häufigste war aber: „Ich will anderen Kindern helfen.

Projekte in der Grundschule

Die Lehrerinnen Sophia Dirnberger und Annemarie Hummel-Schart haben mit ihren Klassen verschiedene Projekte in der Woche der Demokratie durchgeführt. Projekte gab es auch an der Realschule, erläuterte Schulleiter Christian Schütz im Gespräch mit Max Dettenthaler. Eine der wichtigen Erkenntnisse: Zu einer lebendigen Demokratie gehört unbedingt Toleranz. Eingeladen zu einer Sport-Talkrunde waren Charline Schwarz, die von ihrer Teilnahme an den olympischen Spielen in Tokio berichtete, und Ralph Stefan, der von der Jugendarbeit im Verein mit Kindern und Jugendlichen aus vielen verschiedenen Nationen erzählte.

Zwei Stunden Musik von „Julie and the Banned“, „Signal from the Noise“, dem „Duo Michali“ und den „Franconian Swingers“ umrahmten die Veranstaltungen in der Reichswaldhalle, zu denen jeweils 128 Personen zugelassen waren, für die sich aber nachmittags und abends nur jeweils rund 40 Zuhörer interessierten

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren