„Mehr Öko geht nicht“

Neue Messstation in Feucht kontrolliert  radioaktive Belastung von Wildbret

So sieht die Messstation in Feucht aus.
So sieht die Messstation in Feucht aus. | Foto: Michael Kraus2026/04/feuchtwildbretmessstation__1.jpg

FEUCHT – Nach Auskunft des Landesjagdverbands Bayern (BJV) gibt es bayernweit rund 70.000 Jägerinnen und Jäger, die dafür sorgen, dass das ganze Jahr über Wildbret auf die Teller gelangt. Neben dem Verbrauch im eigenen Haushalt vermarkten die Jägerinnen und Jäger als Lebensmittelunternehmer Wildbret überwiegend an Privatkunden.

Um zu gewährleisten, dass nur einwandfreies Wildbret auf den Teller kommt, hat der BJV ein flächendeckendes Netz an Messstellen eingerichtet. Dort wird das Fleisch – insbesondere vom Schwarzwild – kontrolliert, bevor es in den Handel kommt. Für diese Kontrollen stehen in Bayern über 130 Messstationen zur Verfügung. Sie werden vom BJV mit seinen Kreisgruppen in Eigenregie unterhalten. „In Peunting bei Burgthann, Lauf und Henfenfeld gibt es bereits je eine solche Messstation hier im Landkreis“, sagt Michael Kraus, der 1. Vorsitzende der BJV-Kreisgruppe Nürnberger Land, „und jetzt gibt es eine zusätzliche qualifizierte Messstelle im Markt Feucht.“

In dieser Woche erfolgte die Anerkennung durch das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Zuvor gab es eine Begehung und Überprüfung durch die Fachstelle Verbraucherschutz und Lebensmittelüberwachung des Landratsamtes zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt aus Augsburg.

Reaktorkatastrophe wirkt nach

Noch immer wird über die radioaktive Belastung von Wildbret, im speziellen vom Schwarzwild, gesprochen. Bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 wurde radioaktives Material in die Atmosphäre geschleudert, das bis heute weite Teile Russlands, Weißrusslands und der Ukraine verseucht. Die radioaktive Wolke zog bis nach Mitteleuropa und zum Nordkap. Der Fallout nach dem Unglück hat in den einzelnen Ländern zu einer sehr unterschiedlichen Strahlenbelastung geführt. „Insgesamt wurde eine Fläche von 200.000 Quadratkilometern verseucht. Starker Regen sorgte dafür, dass sich die Radionuklide auch über dem Süden Deutschlands auswuschen“, teilt Michael Kraus mit.

Wenn die Proben mit mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm belastet sind, darf das Wildbret nicht in den Handel gelangen. Die Jäger müssen es dann entsorgen und erhalten dafür gemäß dem Atomausgleichsgesetz Entschädigungen vom Bundesverwaltungsamt. „Was auf dem Teller landet, ist also unbedenklich“, betont Umweltingenieur Michael Kraus. Im Nürnberger Land würde der Grenzwert beim Schwarzwild ohnehin nur selten erreicht. Die untersuchten Proben des Rehwildes seien bisher sogar gänzlich ohne nennenswerte Belastung.

Diese Pilze reichern Cäsium 137 an

Dies liege an den unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten: Die Belastung bei Wildschweinen sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass sie sich von Hirschtrüffeln und Maronenröhrlingen ernähren, die als Radionuklidsammler gelten. Das heißt, diese Pilze reichern strahlendes Cäsium 137 stärker an als andere Pilze. Allerdings müsse ergänzt werden, dass die Strahlung von einer Portion mit 600 Becquerel Cäsium ungefähr ein Tausendstel von dem Wert sei, den ein durchschnittlicher Bundesbürger im Jahr an Radioaktivität zu sich nimmt. Jeder Flug oder ein Röntgenbild sei vergleichsweise um ein vielfaches belastender, heißt es dazu vom Jagdschutz- und Jägerverein Nürnberg-Land (JJV). Ob Reh, Rotwild, Wildschwein, Feldhase und Co.: Das Wildbret vom örtlichen Jäger sei gefragt wie lange nicht mehr. Insbesondere in den kalten Monaten stünde heimisches Wildbret auf dem Speiseplan ganz weit oben.

Wer sich über schlechte Haltungsbedingungen von Stalltieren oder Futtermittelskandalen Gedanken macht und deshalb auf seinen Braten oder manches Schnitzel verzichtet, der könne bedenkenlos zum heimischen Wildbret greifen, erklärt Vorsitzender Kraus vom JJV: „Der kritische Verbraucher, der zunehmend mehr Augenmerk auf die Herkunft seiner Nahrungsmittel legt, ist mit Wildfleisch aus heimischen Revieren bestens bedient. Das vom Jäger erlegte Wild kommt nicht aus der Massentierhaltung, sondern ernährt sich, wie es ihm gefällt, von Kräutern und Gräsern, und landet ohne lange Transportwege in der Küche. Das Wild ist dabei ‚echt wild‘ aufgewachsen, ohne mit Medikamenten und Hormonspritzen Bekanntschaft zu machen. Es ist nicht Bio. Wildbret ist besser – es ist bayerische Natur pur. Mehr Öko geht nicht.“

Wo gibt es Wildbret?

Bayerns Jägerinnen und Jäger erzeugen jährlich rund 5000 Tonnen Wildbret. „Pirschen Sie sich einfach an ihren Wildbret Lieferanten vor Ort heran“, rät Kraus, „Wildbret kauft der Kenner nämlich am besten direkt frisch beim Jäger seines Vertrauens.“ Wildbret gebe es nicht nur im Winter kurz vor Weihnachten, sondern nahezu das gesamte Jahr über. Nach einer Änderung im Bayerischen Jagdgesetz Ende März 2026 beginnt die Jagdzeit für das Rehwild nun sogar schon Mitte April.

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