Wertvolle Lebensräume

LBV warnt vor Schottergräbern

Eulen wie der Waldkauz nutzen hohe und ältere Bäume als Brutstätten und Schlafplätze.
Eulen wie der Waldkauz nutzen hohe und ältere Bäume als Brutstätten und Schlafplätze. | Foto: Julia Moning2026/09/Waldkauz-in-Baumstumpf-Julia-Moning-komp.jpg

NÜRNBERGER LAND – Anlässlich der diesjährigen Tage des Friedhofs am 19. und 20. September hat der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) dazu aufgerufen, Friedhöfe als wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schützen.

Alte Bäume, Hecken, Mauern, Wiesen und eine ruhige Atmosphäre bieten zahlreichen Vogel- und Insektenarten, aber auch Igeln, Eichhörnchen und Fledermäusen Nahrung, Nistplätze und Rückzugsräume. „Vor allem alte Friedhöfe sind wahre Hochburgen der Artenvielfalt. Diese besonderen Lebensräume gilt es zu erhalten und naturnah zu gestalten“, appelliert Dr. Angelika Nelson, Biologin beim LBV. Denn es zeichne sich, wie auch bei Gärten, zunehmend ein Trend zu naturferner Gestaltung mit Schotter und wenigen oder exotischen Pflanzen ab.

Brutplätze und Verstecke

Besonders in Städten sind Friedhöfe vergleichsweise ruhige Orte, die lange erhalten bleiben. Waldkäuze nutzen Baumhöhlen und alte Bäume als Brutplätze oder Tagesverstecke. Waldohreulen finden auf Friedhöfen im Spätherbst und Winter Schlafplätze in hohen Bäumen, wo sie laut LBV oft in Gruppen mit bis zu 20 oder 30 Tieren rasten. Auch Spechte, Meisen, Amseln, Fledermäuse, Igel und zahlreiche Insektenarten profitieren von der Kombination aus Nahrung, Rückzugsort und Ruhe. „Friedhöfe sind oft über Jahrzehnte gewachsene grüne Inseln und wertvolle Trittsteine, die andere Naturräume verbinden“, erklärt Nelson.

Umso problematischer sieht der LBV deshalb den Trend zu stark versiegelten und mit Schotter gestalteten Flächen. Was pflegeleicht wirkt, biete Tieren und Pflanzen fast keinen Lebensraum. Wo kaum noch heimische Pflanzen wachsen, fehlt den Insekten Nahrung – und damit wiederum Vögeln und anderen Tieren eine wichtige Nahrungsgrundlage. Verdichtete oder versiegelte Böden können auch schlecht Regenwasser aufnehmen und bieten den im Boden lebenden Kleintieren schlechte Lebensbedingungen. „Ein ordentliches Grab muss nicht naturarm sein. Pflegeleichte Gestaltung lässt sich auch mit heimischen Pflanzen, offenen Bodenflächen und mehr Grün verbinden“, sagt die LBV-Biologin. „Auch für Menschen sind summende, grüne Friedhöfe wohltuend. Sie bieten eine Gedenkstätte, wo man gerne zur Ruhe kommt und Zeit verbringt.“

Für das Stadtklima haben grüne Friedhöfe ebenso Vorteile. Pflanzen und offene Böden können Wasser speichern, Schatten spenden und zur Kühlung beitragen. Der LBV empfiehlt deshalb, alte Bäume und Hecken möglichst zu erhalten, heimische Blühpflanzen zu säen und unnötige oder übermäßige Versiegelung zu vermeiden. Auch Totholz, weniger häufig gemähte Bereiche und der Verzicht auf Pestizide könnten einen wichtigen Beitrag leisten. Dabei gehe es nicht darum, Friedhöfe verwildern zu lassen. „Naturschutz und Pflege schließen sich nicht aus. Oft reichen schon kleine Veränderungen, damit Friedhöfe auch in Zukunft Orte der Erinnerung und zugleich ein Gewinn für die Artenvielfalt sein können“, so Nelson. 

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