Bauernverband setzt auf seinen Vorstand

„Ein Zeichen hoher Geschlossenheit“

Die aus den Reihen der Ortsobmänner gewählten Mitglieder der Vorstandschaft (v.l): stellvertretender Kreisobmann Siegfried Schmidt, BBV-Kreisgeschäftsführer Helmut Wolf, Andreas Geistmann, Karl-Heinz Lämmermann, Kreisobmann Günther Felßner, Hermann Waiz, Kreisbäuerin Betty Schmidt, Jochen Gerstacker, Karl-Heinz Gottschalk und Direktor Rudolf Fähnlein. | Foto: Märtl2017/01/bbv_vorstand_neu_nl.jpg

NÜRNBERGER LAND – „Eine klasse Truppe, mit der wir unsere gesteckten Ziele gut umsetzen können,“ bezeichnete der wiedergewählte BBV-Kreisobmann für das Nürnberger Land, Günther Felßner, die neue „alte“ Vorstandschaft. In den nächsten fünf Jahren wird sie an der Spitze des Kreisverbandes stehen. 

Felßner gratulierte den wieder- und neugewählten Ortsobmännern, die in den 100 Ortsverbänden den wichtigen Part haben, die Meinung der rund 2000 Betriebe, die BBV-Mitglied sind nach „oben“ zu geben. Angesichts der Tatsache, dass es in Bayern 150.000 Mitgliedsbetriebe gibt, die rund 600.000 Menschen repräsentieren sei jeder 20. Bayer Mitglied im Bauernverband „und das treibt uns an.“ Die eindeutige Bestätigung durch die Ortsobmänner, die im Saalbau Hupfer in Offenhausen tagten, wertete er als ein Zeichen hoher Geschlossenheit.

Lob für den Kreisverband kam vom Direktor des Bezirksverbandes Mittelfranken, Rudolf Fähnlein. Dass das Nürnberger Land trotz Strukturwandels und damit verbundener Betriebsaufgaben nur 1,35 Prozent Mitgliederschwund zu verzeichnen habe und nach wie vor der mitgliederstärkste Kreisverband in Mittelfranken sei, wertete er als das Ergebnis der guten Arbeit von Vorstandschaft und Geschäftsstelle.

Problematische Preisfront

In seinen Ausführungen skizzierte Günther Felßner die nach wie vor problematische Situation der Landwirtschaft an der Preisfront, bezeichnete aber auch „die öffentliche Meinung, die nicht ausschließlich an der Sache orientiert ist“ als ein großes Problem. Er kritisierte in diesem Zusammenhang vor allem die NGOs (Nichtregierungsorganisationen), deren Geschäftsmodell der Skandal sei. „Und das nimmt vor allem der Teil der Medienwelt auf, dessen Geschäftsmodell auch der Skandal ist.“

Das Thema Flüchtlinge habe sich einigermaßen beruhigt, Atomkraft ziehe nicht mehr, „aber Ernährung, Tiere und Umwelt, das ist hoch emotional.“ Darauf müsse man sich im Wahljahr 2017 einstellen, schwor Felßner die Ortsobmänner ein. Mehr denn je sei es wichtig, mit belastbaren Fakten zu arbeiten und die Menschen emotional zu erreichen.

Der Kreisobmann hatte eine klare Botschaft für den Weg des Bauernverbandes: „Wir stehen für eine qualitative Entwicklung, mit dem Ziel der Erhöhung der Wertschöpfung und Steigerung der Lebensqualität der Bauernfamilien.“ Durch Diversifizierung sollte man die vorhandenen Potentiale besser nutzen.

Ausführlich setzte sich Felßner mit der Preissituation auseinander. Trotz der Tiefstpreise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sei die Spanne für den Lebensmitteleinzelhandel, dessen Konzentration voran schreite, gewachsen.

Den Vorwurf, die moderne Landwirtschaft sei am Hunger in der Welt schuld, ließ Felßner nicht gelten. „Im Gegenteil, ohne moderne Landwirtschaft gebe es noch mehr Hunger in der Welt.“ Dass zwischenzeitlich die vier Großen des Lebensmitteleinzelhandels wie ein Gesetzgeber die Standards regeln, sei bedenklich.

Als Beispiel nannte er die Forderung nach Abschaffung der Anbindehaltung in den Milchviehställen. Die Grünen in Hessen hätten diese Forderung schnell wieder fallen lassen, aber der Lebensmitteleinzelhandel habe sie aufgenommen. „Wenn schon Mehrwert durch zusätzliche Standards, dann müssen die auch entsprechend bezahlt werden“, forderte Felßner.

Die Frage Regionalität oder Export stelle sich nicht, in beiden Bereichen gehe es um höchst qualitative Ware. „Das sind Produkte aus Deutschland, die die höchsten Standards erfüllen. Und wenn dadurch ein billigeres Produkt verdrängt wird, dann ist das eine Verbesserung der Nachhaltigkeit.“

Knallharte Meinung

Felßner bezog klare Position zur bäuerlichen Nutztierhaltung: „Laufställe fordern und Anbindeställe weiterentwickeln wo es nicht anders geht und das betrifft 80 Prozent der Nutztierhalter.“ Hier vertrete der Bauernverband eine „knallharte Meinung“, die er kürzlich bei einem runden Tisch im Ministerium erneut bekräftigt habe. „Wir lassen unsere 17.000 Milchbauern nicht zurück“, war seine klare Aussage. Staffelmilchpreise für Laufstall- und Anbindehaltung lehnte er kategorisch ab.

Kritik auch an Brüssel, denn statt der zugesagten Vereinfachungen kämen ständig neue Erschwernisse dazu. Viel erhoffe man sich von der nun gestarteten PR-Aktion „Für alle nah. Unsere Bayerischen Bauern“.

Direktor Rudolf Fähnlein forderte die Ortsobmänner dann dazu auf, sich aktiv für die anstehenden Sozialwahlen zu engagieren, streifte die Themen Nitratbelastung, Flächenverkauf, Steuerfragen und Strompreise.

Kreisgeschäftsführer Helmut Wolf kündigte an, dass man nun auch im Landkreis die Gemeindekoordinatoren bestimmen müsse, was bedeutet, dass die einzelnen Ortsverbände einen Ansprechpartner für die Gemeinden bestimmen.

Neu besetzt werden muss auch der Jagdbeirat, für den der Bauernverband Thomas Fiedler, Karl-Heinz Lämmermann, Andreas Geistmann und Erwin Britting benennen wird.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl