Raiba-Weihnachten

Flugzeug stürzte vor 81 Jahren am Moritzberg ab

Filmreifer Absturz

Das Wrack des Flugzeugs am Moritzberg | Foto: airliners.net2017/11/Weihersberg-Flugzeugabsturz.jpg

WEIHERSBERG – Die Ereignisse am 17. November 1936 Jahren am Moritzberg könnten Teil eines Hollywood-Films sein: Eine Passagiermaschine stürzte vor 81 Jahren am Nordhang des Moritzberges auf seinem Weg von Berlin nach München ab, ein kleiner Junge kommt als erstes an die Unglücksstelle und wie in jedem Blockbuster gibt es am Ende eine Liebesgeschichte.

Eine Junker Ju 52/3m, ein Flugzeug mit dem bereits Gebirge, wie die Alpen oder die Anden überquert wurden, stürzte am 17. November 1936 unterhalb der Moritzberg Kapelle ab. Georg Ertel, der damals neun Jahre alt war, kam zusammen mit seinem Vater als einer der Ersten zum Absturzort.

Motorengeräusche verstummten plötzlich

Vor 20 Jahren berichtete Ertel das letzte mal über den Tag des Unglücks: Der Weihersberger wusch an einem nebligen Tag mit seinem Vater Steckrüben, als er gegen 15 Uhr Motorengeräusche über dem in Wolken gehüllten Moritzberg vernahm, die plötzlich mit einem lauten Schlag verstummten. Sofort machten sich beide auf den Weg.

Als sie an die Absturzstelle gelangten, bot sich ihnen ein Bild der Zerstörung: Kahle Baumstümpfe, umgerissene Bäume und die Passagiermaschine schräg im Boden steckend. Zwei Waldarbeiter waren bereits vor Ort und versuchten mit ihren Äxten die Seitentüren des Wracks zu öffnen.

Polizeipräsident mit an Bord

An Bord der dreimotorigen Maschine, die nach dem Weltkriegspiloten Hans Berr benannt wurde, befand sich der damalige Nürnberger Polizeipräsident Martin, der um einen Zwischenstopp in Nürnberg bat. Außerdem stieg in Berlin eine junge Frau in den Flieger, um ihren Geliebten in der bayrischen Landeshauptstadt zu besuchen.

Der Grund dieses Besuchs sollte tragisch sein: Die Eltern der jungen Passagierin untersagten der Berlinerin die Beziehung zu dem Münchner, sodass das unglückliche Paar die Entscheidung traf, sich gemeinsam das Leben zu nehmen. Die Passagierin besorgte sich vor dem Flug eine Waffe, telegrafierte ihrem Freund und trat mit der Pistole im Gepäck die Reise nach München an.

Außerplanmäßiger Stopp

Der Nürnberger Polizeipräsident Dr. Martin bat den Piloten vor dem Start um einen außerplanmäßigen Zwischenstopp in Nürnberg. Der Pilot musste aufgrund des starken Nebels an jenem Novembertag den Moritzberg zwei Mal umfliegen, um die Einflugschneise des Nürnberger Flughafen Marienberg anpeilen zu können. Dabei streifte die linke Tragfläche die Baumwipfel und das Flugzeug wurde zum Hang gerissen.

Die Maschine zerbarst entlang des Cockpits in zwei Hälften und der Funker wurde aus dem Flugzeug geschleudert. Er überlebte den Absturz, der Pilot jedoch nicht. Trotz der harten Landung überlebten 14 der 16 Passagiere, wenn auch mit teils schweren Verletzungen.

Streit um Taschenlampen

Der Abtransport der Verletzten gestaltete sich aufgrund der Boden- und Wetterverhältnisse schwer, sodass die Verunglückten einzeln zu einem nahe gelegenen Feldweg getragen werden mussten. Eine Woche lang, so erinnerte sich der vor 13 Jahren verstorbene Ersthelfer Ertel, dauerten die Aufräumarbeiten am Moritzberg an.

Kurios der Streit danach um verschollene Taschenlampen, denn die Stadt Lauf besorgte kurzfristig 20 elektrische Lampen um die Bergungsarbeiten zu erleichtern; nach dem Bergungseinsatz waren 8 der Taschenlampen spurlos verschwunden. Einige der freiwilligen Helfer nahmen diese vermutlich als Andenken an die Geschehnisse im November 1936 mit nachhause.

Der Absturz der Maschine sollte sich für die junge Berlinerin bald als Glücksfall herausstellen, denn als ihre Eltern von ihren Suizidabsichten und dem Unfall erfuhren, stimmten sie der Verbindung mit dem Münchner zu. „So stiftete der Unfall am Moritzberg ein glückliches Münchner Ehepaar“, sagte Ertel.

Robin Walter

N-Land Der Bote
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