Konzert in Ottensoos

Kammerchor Neunkirchen zeigt beeindruckende Präsenz

Bekannt für seine ausgewogene Vielstimmigkeit – der Kammerchor Neunkirchen beim Dreikönigskonzert in Ottensoos. | Foto: Spieß2018/01/dreikonigskonzert-ottensoos-kammerchor-neunk.jpg

OTTENSOOS — Unter dem Motto „Lieb Nachtigall wach auf“ hatte der Kammerchor Neunkirchen zu seinem jährlich stattfindenden Dreikönigskonzert in die katholische Kirche St. Johannes in Ottensoos eingeladen. Zur Aufführung kamen Weihnachtskantaten, die von Trompeten, Streich­instrumenten und Pauke begleitet wurden, und A-cappella-Weihnachtslieder aus verschiedenen Jahrhunderten.

Schon im November war der Chor mit seiner langjährigen Leiterin Veronika Lasser zu einem intensiven Probenwochenende nach Kopanina ins tschechischen Bäderdreieck gefahren, um sich intensiv vorzubereiten. Beim traditionellen Dreikönigskonzert – die Veranstaltung gibt es jetzt bereits seit 27 Jahren – konnten nun die Konzertbesucher das Ergebnis genießen.

Wie in jedem Jahr wurde kein Eintritt verlangt, sondern um eine Spende für ein soziales Projekt gebeten. Dieses Mal kamen die Gelder armen Kindern in Indien zugute, die von der Kinderstiftung „Hoffnungsstrahl“ betreut werden.

Dass den 13 Frauenstimmen immerhin acht Tenor- und Basskollegen zur Seite stehen, zeigte sich im harmonischen, weichen Gesamtklang, der für den ambitionierten Chor typisch ist. Mehr als 200 Besucher, die teilweise keine Sitzgelegenheiten mehr gefunden hatten, waren deutlicher Ausdruck für das große Ansehen, dass der Kammerchor zu recht genießt.

Ausgewogen und intensiv

In teilweise bis zu achtstimmigen Chorsätzen bewies das Ensemble, dass es bestens vorbereitet war. Es beendete die Zeit der Advents- und Weihnachtslieder mit einer wohl überlegten Auswahl von Liedern, die die 22 Sängerinnen und Sänger mit ihrer fein abgestimmten Stimmenverteilung immer klar artikuliert, in bester Chortradition präsentierten.

Sie begannen mit den unterschiedlich interpretierten Vertonungen von „Es ist ein Ros entsprungen“ – ausgewählt hatten sie die Varianten von Carl Orff, Hugo Distler und Michael Praetorius – und zwei zeitgenössischen Kompositionen: „Salve regina“ von Javier Busto, hier war der Frauenchor andächtig-sakral aktiv, und dem mystisch-schwebenden „Lux aurumque“ Erich Whitacres.

Mit Unterstützung von sechs Musikern (Mike Schüttrich und Katharina Heniger, Violine, Michael Strauß, Cello, Rainer Weber, Pauke, und Philipp Gottschalk und Alexander Granzer, Trompete) folgten zwei Kantaten von Johann Sebastian Bach: mit barocker Festlichkeit „Gelobtet seist du, Jesu Christ“ und mit stimmungsvoller Violinunterstützung „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.

Einen stimmigen Kontrast zu den Werken Bachs lieferte der Chor mit einem anonymen, fränkischen Weihnachtslied aus dem 17. Jahrhundert: „Lieb Nachtigall, wach auf“ gelang überzeugend sanft und zurückhaltend.

Doch der Kammerchor kann auch dynamisch-strahlend. In Mendelssohn-Bartholdys achtstimmigem „Heilig, heilig“ steigerten sie sich am Ende zum mächtigen „Hosianna“, bei John Rutters „Quem pastores“ glänzten sie mit ausgewogener Intensität, um bei zwei Hirtenliedern die schlichten Melodienbögen freudig und spielerisch-leicht zu intonieren.

Feierlicher Abschluss

„Uns ist ein Kind geboren“ des in Nürnberg tätigen Christoph Stoltzenberg brachte noch einmal feierliche Atmosphäre in den Kirchenraum. Auch wenn sich einige Trompetentöne in den Engelssphären verirrt hatten, tat dies dem barocken Glanz der Interpretation keinen Abbruch.

Mit dem alten Volkslied „Es wird scho glei dumpa“ bedankten sich die Sängerinnen und Sänger für den lang anhaltenden Schlussapplaus, ehe der Männerchor zuletzt noch gesanglich alles Gute für das neue Jahr wünschte.

N-Land Erich Spieß
Erich Spieß