Neuer Bildband aus dem Fahner-Verlag

Geschichten am Fluss: Eine Reise entlang der Pegnitz

Fotograf Chandra Moennsad und Autor Andreas Hessenauer, hier an der Pegnitz in Lauf, erzählen von „Menschen am Fluss“. | Foto: Krieger2017/09/Menschen-am-Fluss-HessenauerMonnsad.jpg

NÜRNBERGER LAND — Wasser besteht aus Molekülen, gebildet aus je zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. So lautet die nüchterne Definition der Wissenschaft. Das Leben spendende Element hat zu allen Zeiten die Menschen inspiriert. Ob in der Bibel oder in der griechischen Mythologie – stets wurde dem Wasser eine große Bedeutung zugeschrieben. Der Fluss als fließendes Gewässer ist Teil dieser Symbolik. Er steht für Fruchtbarkeit und Wachstum. Doch er kann auch Leben vernichten. Sturmfluten und Überschwemmungen haben zu allen Zeiten Menschen, die am Fluss leben, herausgefordert. Nicht zuletzt beschreibt das Fließen eines Gewässers auch die Vergänglichkeit des Lebens. Wo ein Fluss oder Strom die Seele berührt, ist der Menschen Teil des Strebens und Sterbens einer Welt.

Menschen, die am Fluss und mit Flüssen leben, haben oft ein besonderes Verhältnis zum Wasser. Manchmal entsteht die Bindung schon in der Kindheit. Der Fluss als selbstverständlicher Bestandteil der Heimat und der Jahreszeiten, als Wasserspielplatz, Ruheort. Manchmal passiert die Verbindung aber auch zufällig. Ein Ausflug, ein besonderes Erlebnis – und der Fluss, der Jahrzehnte in aller Stille vorbeifloss, ist plötzlich ganz präsent. So ging es Andreas Hessenauer, dem Autoren des Bildbandes „Menschen am Fluss. Eine Reise entlang der Pegnitz“, der jetzt im Fahner-Verlag erschienen ist.

„Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.“    Aus Goethes Faust

Hessenauers Liebe gilt der Pegnitz. Jahrzehnte hatte der Autor, im Hauptberuf in der IT-Branche tätig, ihre mäandernden Bewegungen nicht mehr wahrgenommen, als viele andere Menschen auch. Sie war einfach da, in Rückersdorf, dem Ort, wo der 48-Jährige seit seiner Kindheit lebt. Bis zu diesem denkwürdigen Sommer 2012, als er mit seinem Sohn gemeinsam zu einer Kanutour aufbrach. Vier Tage mit und auf dem Fluss wollten sie sein. Von der Quelle in Pegnitz bis nach Fürth. Es wurde eine Reise zu dritt. Denn die Pegnitz entfaltete für Vater und Sohn von der ersten Minute an einen ganz besonderen Sog. Der Charme der Dörfer und der Natur nebendran. Die Hektik der Großstadt, die den Fluss fast verschluckt und am Ende wieder ausspuckt. Die Menschen, denen sie begegneten. Vier Tage, nach denen für Andreas Hessenauer feststand: er wird zurückkommen und die Geschichte der Pegnitz und ihrer Menschen erzählen.

Der Gondoliere von Nürnberg ziert den Titel von „Menschen am Fluss“.2017/09/Menschen-am-FlussCover.jpg

Es wurde ein Abenteuer, das fast zwei Jahre dauerte. So zurückhaltend wie die Pegnitz, die nur selten mit ihren Pfunden wuchert und lieber entdeckt werden will, so zurückhaltend ist Hessenauer auch als Mensch. Er musste sich schon überwinden, einfach loszugehen und den Menschen zu erzählen, was er vorhat. Sie zu gewinnen. Für ein Buch. Über sie und die Pegnitz. Über Menschen am Fluss.

Vielleicht war aber das auch ganz gut so, mit der Zurückhaltung. Denn genau darauf haben sie sich eingelassen. Nicht jeder gleich sofort, aber dann mit großem Vertrauen. In vielen Besuchen und Gesprächen entstanden so 22 Geschichten. Porträts über Handwerker, Künstler, Obdachlose, Menschen wie Du und ich. Sie alle haben eines gemeinsam: ihre besondere Verbindung zur Pegnitz. Fritz Imsch, der Schäfer. Biberflüsterer Horst Schwemmer. Bildhauer Bernd Wagner. Überlebenskünstler Co­bra. Hang-Spieler Albert Coury. Und Florian Schotte, der Gondoliere von Nürnberg, der auch den Titel ziert.

Den Bildband auf die Porträts und die wunderbaren Naturaufnahmen der reichen Kulturlandschaften entlang der Pegnitz zu reduzieren, wäre indes zu wenig. Vieles von der Geschichte des Flusses und ihrer Bedeutung unter anderem als Trinkwasserlieferant für die Bewohner Nürnbergs wird ebenfalls thematisiert. Der Bogen von den persönlichen Geschichten über die Natur bis hin zur Wirtschaft macht das Buch zu einem Nachschlagewerk für jeden, der ein Herz und Interesse für die Region hat.

Zu den 22 Geschichten schoss Chandra Moennsad die Fotos. Wobei der Begriff „schoss“ eigentlich nicht zutrifft, denn der Nürnberger Fotograf ist ein Fotokünstler und erzählt mit seinen Bildern ganz eigene Geschichten.

Die Begegnung zwischen Chandra Moennsad und Andreas Hessenauer ist eigentlich die 23., nicht erzählte Geschichte dieses Bildbandes. Zwei Menschen, mit ganz unterschiedlichen Wahrnehmungen und Biografien, lassen sich auf einander ein bei einem einmaligen Projekt, finden eine gemeinsame Sprache, die sich am Ende in poetischen Texten und geradezu magischen Bildern spiegelt.
Der Bildband „Menschen am Fluss. Eine Reise entlang der Pegnitz“ ist ab heute in den Buchhandlungen sowie im Fahner Verlag erhältlich. Das Buch kostet 29,95 Euro.

Ab 30. September wird die Pegnitz-Zeitung bis Weihnachten alle 14 Tage ein Porträt aus dem Bildband „Menschen am Fluss — Eine Reise entlang der Pegnitz“ in Auszügen abdrucken.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger