Antrag auf Schutzschirmverfahren

Tadano Faun droht Insolvenz

Tadano Faun aus Lauf ist auf All-Terrain und Raupenkrane spezialisiert. | Foto: Fischer2020/10/Tadano-Faun-Lauf-Archiv-kir-1-scaled.jpg

LAUF — Der Laufer Kranhersteller Tadano Faun GmbH hat heute beim Amtsgericht Zweibrücken ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Ein entsprechender Antrag sei auch für die Tadano Demag GmbH in Zweibrücken gestellt worden, so eine Mitteilung des Unternehmens. Das Gericht bestätigte diese Angaben gegenüber der Pegnitz-Zeitung.

Der Kranhersteller, der am Standort Lauf laut Geschäftsbericht 2018 knapp 700 Mitarbeiter beschäftigt, hat nun drei Monate Zeit, dem Amtsgericht einen Sanierungsplan vorzulegen. Erst danach entscheidet dieses über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Der „Schutzschirm“ kommt nur bei drohender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung in Frage. Dieses Verfahren wurde 2012 neu in die Insolvenzordnung aufgenommen.

„Umfassende Restrukturierungsmaßnahme“

Man habe sich zu diesem Schritt „nach umfassender Abwägung entschlossen“, so Tadano in einer Pressemitteilung. Es gehe um die langfristige Sicherung der globalen Wettbewerbsfähigkeit der beiden Unternehmen. Bereits seit geraumer Zeit sehe man sich mit schrumpfenden Märkten und steigendem Wettbewerbsdruck konfrontiert. Diese wirtschaftlichen Herausforderungen hätten sich durch die Coronakrise deutlich verschärft, sie „können trotz Kurzarbeit und weiterer in den vergangenen Monaten getroffener Maßnahmen nicht ausreichend abgefedert werden“. Nun sei eine Neuausrichtung erforderlich. Die Rede ist von einer „umfassenden Restrukturierungsmaßnahme“.

Es sei „leider sehr wahrscheinlich“, dass Arbeitsplätze abgebaut werden müssten, so eine Unternehmenssprecherin zur Pegnitz-Zeitung. Der Standort Lauf solle aber erhalten bleiben. Die Löhne und Gehälter aller Angestellten sind während der ersten drei Monate des Verfahrens gesichert.

Geschäftsbetrieb läuft weiter

Der Geschäftsbetrieb wird unter den Voraussetzungen des Schutzschirmverfahrens weitergeführt. Als Generalbevollmächtigter wurde Rechtsanwalt Martin Mucha bestellt. Er wird dem Management zur Seite stehen. Darüber hinaus hat das Gericht dem Antrag des Unternehmens auf Einsetzung von Arndt Geiwitz als Sachwalter entsprochen. Geiwitz war unter anderem Insolvenzverwalter der Drogeriemarktkette Schlecker.

Das Schutzschirmverfahren betrifft ausschließlich die deutschen Gesellschaften Tadano Demag und Tadano Faun und deren nicht selbständige Niederlassungen. Die japanische Muttergesellschaft der beiden Gesellschaften, Tadano Ltd., „unterstützt die Entscheidung vollumfänglich“, so das Unternehmen.

Die Tadano Demag GmbH mit Sitz im rheinland-pfälzischen Zweibrücken wurde 2019 von der Tadano Ltd. übernommen. Die Tadano Faun GmbH in Lauf gehört bereits seit 1990 zu dem japanischen Konzern. Sie entwickelt und produziert All-Terrain-Krane, also Fahrzeugkrane, die geländegängiger als normale Autokrane sind.

Das Laufer Unternehmen wies 2018 einen Umsatz von rund 313,5 Millionen Euro aus, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings seien gleichzeitig die Herstellungskosten signifikant gestiegen. Insgesamt habe sich die Marktpräsenz „nicht wie geplant entwickelt“, Tadano Faun habe Anteile in nahezu allen Märkten verloren.

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