Fortbestand der Partnerschaften

Sechs Unterschriften für gemeinsame Zukunft

Die Chefs und Chefinnen der Partner-Rathäuser bei der Unterzeichnung der Urkunden. | Foto: Blinten2016/07/Festakt1.jpg

SCHWARZENBRUCK – Partnerschaften zwischen Kommunen funktionieren immer gut, wenn die Chemie zwischen den jeweiligen Rathäusern stimmt und die Bürger mitmachen und sich gegenseitig regelmäßig besuchen. Was das angeht, ist Schwarzenbruck im Landkreis eine Vorbild-Gemeinde: Mit seinen vier Partnern Gufidaun in Südtirol, Kecel in Ungarn, Urretxu in Spanien und Geyer im Erzgebirge pflegen die Schwarzenbrucker seit Jahrzehnten einen für alle Seiten fruchtbaren Austausch. Im Rahmen eines Festakts haben die Bürgermeister in der Bürgerhalle nun Urkunden unterzeichnet, mit denen sie den Willen zur weiteren partnerschaftlichen Kooperation bekräftigen.

Seit 45 Jahren bereits gibt es den Kontakt ins südtirolische Gufidaun, seit jeweils 25 Jahren die Partnerschaften mit Kecel, Geyer und Urretxu – für die Gemeinde Schwarzenbruck Anlass, alle Freunde zu einer großen Feier am Kirchweihwochenende einzuladen.

Fristers Engagement

Vater aller Partnerschaften ist Altbürgermeister Albrecht Frister, der in einer emotionalen Rede an die Anfänge der Partnerschaften erinnerte, daran, wie er vor fast einem halben Jahrhundert mit seinem Kollegen Hans Vorhauser aus Gufidaun zusammen saß, wie er später auf Initiative von Alfonso Cuesta zusammen mit Manfred Schwendner und Manfred Fleischmann eine denkwürdige Reise ins Baskenland unternahm und den Grundstein für die Parnterschaft mit Urretxu legte. Dabei war gerade diese Verbindung nicht unumstritten, es gab viele kritische Stimmen, die darauf hinwiesen, dass das Unternehmen wegen der großen Distanz zwischen den beiden Kommunen zum Scheitern verurteilt sei. Tatsächlich gab es in späteren Jahren zeitweise Funkstille zwischen den Partnern, die man zwischenzeitlich aber abgestellt hat. Der junge Bürgermeister Jon Luqui ist ein erklärter Unterstützer der Freundschaft mit Schwarzenbruck.

Einmalig

„Der 2. Juli wird in die Annalen von Schwarzenbruck eingehen“, ist sich Albrecht Frister sicher. Einmalig ist es, dass so viele Freunde aus ganz Europa in der Bürgerhalle zur Urkundenunterzeichnung zusammen kommen, einmalig auch die rege Beteiligung der eingeladenen Gemeinden am Fest in Schwarzenbruck. Alle reisten mit großen Delegationen an, darunter viele jungen Leute, die ihre Instrumente mitgebracht hatten und die Feier mit ihrer Musik bereicherten. „Die Beziehungen haben sich über die Jahre sehr positiv entwickelt“, sagte Frister und verwies auf die zahlreichen gegenseitigen Besuche. Er wünscht sich, dass „nach uns eine Generation kommt, die den Gedanken der kommunalen Partnerschaft weiter trägt.“

Für die Klausener Bürgermeisterin Maria Grasser Fink, die zum ersten Mal nach Schwarzenbruck kam, waren Albrecht Frister und Hans Vorhauser Ideengeber für eine Bewegung, die erst in den folgenden Jahren in Europa Fahrt aufnahm. Partnerschaften zwischen Kommunen waren vor 45 Jahren noch keine Selbstverständlichkeit.

So fragte man sich in Gufidaun hinter vorgehaltener Hand, ob denn ein Konservativer so ohne Weiteres mit einem Sozi aus Deutschland eine Kommunalpartnerschaft eingehen konnte.

Das hat jenseits aller politischen Unterschiede einwandfrei funktioniert. Die Gufidauner Ortsvorsteherin Daniela Vikoler Pircher erinnert sich noch gut, wie sie sich als Kind auf die gemeinsam mit den Freunden aus Schwarzenbruck durchgeführten Weihnachtsfeiern freute und wie man zusammen Skirennen organisierte – bis heute ist das so, beim Skirennen sind die Gufidauner fanatisch bei der Sache, die Schwarzenbrucker mit Spaß, so Vikoler Pircher mit einem Augenzwinkern.

Alfonso Cuestas Anstoß

Freundschaft und Kooperation – das sind die Werte, die die Partnerschaft aus der Sicht von Urretxus Bürgermeister Jon Luqui ausmachen, außerdem der Austausch kultureller und sozialer Erfahrungen. Allerdings: Ohne die Beteiligung der Bürger hat eine Partnerschaft keinen Erfolg, so Luqui, der an das Engagement von Alfonso Cuesta und vielen anderen Bürgern erinnerte, die die Partnerschaft in den vergangenen Jahren am Leben erhielten.
Regelmäßigen Schüleraustausch, Besuche zu Festen und Schwarzenbrucker Unterstützung vor Ort – das ist prägend für die Freundschaft mit Kecel, so der Bürgermeister der ungarischen Gemeinde, Ferenc Haszillo.

Die über den Partnerschaftsverein organisierten Besuche seien eine Erfolgsgeschichte. Haszillo dankte den Schwarzenbruckern und versprach: „Wir werden diese Freundschaft weiter pflegen.“

Freude über offene Grenzen

Unterstützung nach dem Zusammenbruch der DDR war einer der Grundgedanken zum Beginn der Partnerschaft mit Geyer. „Visionäre der ersten Stunde“ hätten damals das Ganze auf den Weg gebracht, so Geyers Bürgermeister Harald Wendler. Einer dieser Visionäre ist natürlich Albrecht Frister, der bis heute in Geyer ein überaus gern gesehener Gast ist, wenn er dort vorbeischaut.

Schwarzenbrucks Bürgermeister Bernd Ernstberger sieht die kommunalen Partnerschaften von den derzeitigen Problemen Europas unberührt. Ungarn-Bashing wegen der umstrittenen Flüchtlingspolitik Orbans? Auf die Idee wäre in Schwarzenbruck niemand gekommen. Hier freut man sich über die Möglichkeit, die Freunde über offene Grenzen besuchen zu können und nicht wie zu Zeiten des eisernen Vorhangs auf der Urlaubsreise stundenlang im Stau vor der Grenze stehen zu müssen.

„Lassen wir uns nicht verunsichern durch politische Gegner, die unsere Partnerschaften ablehnen“, so Ernstbergers Appell. „Die Urkunden sollen Ansporn sein, dass die Partnerschaften noch viele Jahre gepflegt werden.“ Der Schwarzenbrucker Bürgermeister begrüßte in der Bürgerhalle besonders Hans Schönweiß, den ehemaligen Kämmerer der Gemeinde, der sich über Jahrzehnte als „Außenminister“ um die Partnerschaftsangelegenheiten kümmerte. Als Ehrengäste hieß Ernstberger MdB Marlene Mortler, MdL Norbert Dünkel, MdL Angelika Weikert, Landrat Kroder und dessen Stellvertreter Norbert Reh, Kreisräte, Gemeinderäte, Vertreter des öffentlichen Lebens und Pfarrerin Munzert willkommen.

Übersetzungen

Die Teilnehmer des Festakts mussten sich in Geduld üben, da die Reden jeweils ins Spanische, Ungarische und Deutsche übersetzt werden mussten. In Anbetracht des außergewöhnlichen Zusammenkommens nahmen die Gäste das aber gelassen hin und ließen sich von jungen Musikern aus Urretxu und Kecel sowie von den Acoustic Affairs unterhalten. Nach dem Festakt in der Bürgerhalle trafen sich Gäste und Gastgeber dann im Festzelt zu einem Folkloreabend.

Am Sonntag feierten die Schwarzenbrucker mit den Delegationen einen ökumenischen Gottesdienst im Bierzelt, an den sich ein Frühschoppen anschloss. Nach dem Mittagessen traten die Gäste dann die Heimreise an.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten