Debatte im Kreistag

Möglichkeiten und Grenzen von Schnelltests

Sie sollen die in den nächsten Wochen und Monaten anstehenden Lockerungsschritte absichern: die Schnelltests. Allerdings haben sie auch Schwächen. | Foto: Milos/stock.adobe.com2021/03/AdobeStock-394136533-1.jpeg

NÜRNBERGER LAND Sie gelten als „Brückentechnologie“, bis durch die nach wie vor schleppende Impfkampagne gegen das Coronavirus in Deutschland endlich die Herdenimmunität erreicht ist: Schnelltests. Wie aber muss eine intelligente Teststrategie aussehen? Und was können die von Gesundheitsminister Jens Spahn so gepriesenen Tests überhaupt leisten? Zwei Anträge der FDP und der Ausschussgemeinschaft schoben eine lebhafte Debatte um diese Fragen im Kreistag an.

Zwar fanden beide Anträge – sowohl der auf einen am Inzidenzwert orientierten „Fahrplan“ für die Arbeit im Kreistag als auch der auf die Einführung von kostenlosen Schnelltests im Landkreis nach dem sogenannten „Böblinger Modell“ – keine Mehrheit, als Denkanstoß für eine dringend notwendige Debatte um das Für und Wider neuer Ansätze auf dem Weg aus dem lähmenden Shutdown taugten sie jedoch allemal.

Als „Vorschlag für ein kleines Regelwerk, das uns mehr Handlungssicherheit gibt“, wollte Kristine Lütke den FDP-Antrag „Gremienarbeit in Pandemiezeiten“ verstanden wissen. Darin regen die Liberalen an, die Pflicht- und freiwilligen Ausschüsse des Kreistags weiter in Präsenz – und öffentlich – tagen zu lassen, allerdings nur unter verschärften Spielregeln: Bei Inzidenzen von weniger als 50 pro 100 000 Einwohnern unter den geltenden Hygienevorschriften, bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 ergänzt um den Einsatz „aktuell gültiger Testverfahren“. Bei Inzidenzen jenseits der 100 soll die Sitzung verschoben und „zeitnah“ nachgeholt werden. Arbeitsgruppen, die nicht öffentlich tagen müssen, sollten bis zum Ende der pandemischen Lage über das datenschutzkonforme Videokonferenzsystem des Landratsamtes abgehalten werden.

Gute Alternative

Dr. Otto Wolze (CSU) gewann vor allem dem letzten Punkt viel Positives ab. So habe sich die Arbeitsgruppe, die sich mit dem wichtigen Thema „Gesundheitsregion Plus“ beschäftigt, seit gut eineinhalb Jahren kaum getroffen – hier sei die Weiterarbeit via Videokonferenz eine gute Alternative. Dem pflichtete Landrat Armin Kroder bei, würde die Entscheidung darüber aber gerne dem jeweiligen Gremium überlassen.

Den von Lütke erhobenen Vorwurf, in den seit Beginn der Pandemie meist sehr straff abgehaltenen Sitzungen des Kreistags und seiner Gremien würden sich Räte „unter Zeitdruck“ manchen Redebeitrag verkneifen und die Arbeit nicht mit dem nötigen Herzblut verfolgen, wies Kroder entschieden zurück: „Die Behauptung, wir würden alle das Gleiche sagen, zeichnet in der Öffentlichkeit ein gefährliches Bild und stimmt so auch nicht.“

Als „zunehmend schwer“ beurteilte der Landrat die Orientierung an den Inzidenzwerten, dies sei in der Pandemie „die alte Welt“. Stattdessen müssten auch Aspekte wie die Impfquote oder die aktuelle Belegung der Intensivbetten in den Kliniken als Maßstab herangezogen werden. Interessant sei die von Lütke angesprochene und bereits im Landtag als Gesetzentwurf eingebrachte Alternative der Hybrid-Sitzung: „Darüber sollten wir sprechen, sobald es rechtlich möglich ist.“

Ergebnis bleibt

Für einigen Missmut im Gremium sorgte auch ein Vorwurf von Elisabeth Altmann (Grüne): Die CSU habe sich nicht an die in der Fraktionssprecherrunde vor der Kreistagssitzung am 8. Februar vereinbarte freiwillige Reduzierung ihrer Abordnungen um 30 Prozent gehalten, um am d’Hondtschen Verfahren bei der Ausschussbesetzung festhalten und so ihre fünf Sitze im Kreissauschuss sichern zu können. Dem kam die CSU zwar tatsächlich nicht nach – nur 3 der 19 Räte fehlten damals, bei den Grünen waren es 6 von 14 –, am Abstimmungsergebnis hätte das aber nichts geändert – statt 30:24 hätte es dann 27:24 gelautet.

Wie berichtet, forderten die zwei liberalen Kreisräte zudem im Verbund mit ihren beiden Kollegen von der Bunten Liste und der Linken, jeder Landkreisbewohner solle sich künftig zweimal pro Woche kostenlos und möglichst unkompliziert auf das Coronavirus testen lassen können – wie es der Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg seit 8. Februar vormacht. Fällt das Ergebnis positiv aus, folgt ein als aussagekräftiger geltender PCR-Test. Ziel dabei: möglichst schnell möglichst viele Infizierte ohne Symptome „herauszufischen“.

Nur Impfen hilft

Landrat Armin Kroder bezeichnete Schnelltests als „klugen Baustein“ in der Bekämpfung der Pandemie, will sie aber auch nicht überbewertet wissen: „Nur testen und alles wird gut, so einfach ist die Welt leider nicht“, warnte er. Die Tests könnten zwar für mehr Sicherheit sorgen und asymptomatisch Infizierte früh erkennen, hätten aber auch ihre Grenzen, die bei der Beurteilung nicht unter den Teppich gekehrt werden dürften.

Dazu wies Dr. Hanspeter Kubin, Leiter des Gesundheitsamtes in Lauf, auf den Umstand hin, dass die Schnelltests immer auch einen Anteil an „falsch-positiven“ sowie „falsch-negativen“ Ergebnissen brächten. Während erstere im besten Fall nur ärgerlich seien und eine unnötige Quarantäne nach sich zögen, gäben letztere eine falsche Sicherheit und trügen zur – unerkannten – weiteren Ausbreitung des Virus bei. „Wir bekommen die Pandemie nur mit Impfen in den Griff, nicht mit Tests.“

Einbindung von Freiwilligen

Abschließend informierte BRK-Geschäftsführer Markus Deyhle über die Arbeit des vor kurzem gebildeten Arbeitskreises „Schnelltestkonzept Nürnberger Land“, dem neben ihm Dr. Martin Seitz (Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes), Schulamtsdirektor Joachim Schnabel, Dr. Dane Wildner vom Krankenhaus Lauf und der Laufer IHK-Vorsitzende Johannes Bisping angehören.

Als Zielgruppen haben die fünf Schulen und Kitas, große Betriebe sowie Gemeinden ausgemacht, letztere nicht nur für die kleineren Betriebe vor Ort, sondern auch als geeignete „Bezugsgröße“ für lokale Testzentren. Sie sollten diese Stationen federführend betreiben, unterstützt von Hilfsorganisationen und mindestens einem Arzt. Wie in Tübingen seit Wochen erfolgreich praktiziert, biete sich die Einbindung von Freiwilligen an, die sicher die nötige Motivation mitbrächten – Deyhle erinnerte hier an die vielen Nachbarschafts- und Einkaufsinitiativen zu Beginn der Corona-Krise – und problemlos in zwei Stunden geschult werden können.

Tempo entscheidend

Zur Dokumentation der Ergebnisse wäre eine App oder ähnliches wünschenswert, zunächst aber reiche auch ein handschriftliches „Attest“ – schließlich geht es um eine zeitnahe Umsetzung. Entscheidend sei, möglichst sicher asymptomatische Träger des Virus zu erkennen und so Infektionsketten schnell zu unterbrechen.

„Wir verstehen uns zwar als Dienstleister, hier aber eher als Geburtshelfer“, sagte Deyhle. Die Ehrenamtlichen des BRK im Landkreis seien schon in 27 Einrichtungen – Schulen, Kitas, Seniorenheime – aktiv und kämen an die Grenzen des Leistbaren: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“ Das Rote Kreuz bringe gerne die Teststrategie in den Schulen auf den Weg, ab Ostern aber sollten das die Bildungseinrichtungen selbst in die Hand nehmen. Wie jedes große Unternehmen einen Datenschutzbeauftragten haben müsse, brauche es bald auch Pandemiebeauftragte – schließlich „dürfen wir die Zitrone nicht zu weit auspressen“, warnte Deyhle.

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