SCHNAITTACH – Wie spannend Geschichte sein kann, haben Kinder im Rahmen des Ferienprogramms des Museumsclubs bei einer besonderen Entdeckungstour durch das Heimatmuseum und das Jüdische Museum erlebt, heißt es in einer Pressemitteilung der Museen. Unter der fachkundigen Begleitung von Nicole Brandmüller-Pfeil und Sandra Höfling erhielten die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, Geschichte nicht nur zu hören, sondern selbst zu entdecken, Fragen zu stellen und verschiedene Dinge auszuprobieren.
„Was hat der Rosenkranz eigentlich mit Rosen zu tun?“ – „Ist Weihwasser Zauberwasser?“ – „Warum stellt man Hände, Füße oder Kühe aus Wachs her und legt sie in eine Kirche?“ Und: „Wer sind eigentlich die Heiligen?“ Diesen und vielen weiteren Fragen gingen die Kinder beim diesjährigen Ferienprogramm nach. Unter dem Thema „Gute Wünsche in einer Schatzkiste“ beschäftigten sie sich mit Gebeten, Segenswünschen und den unterschiedlichen Möglichkeiten, im Judentum und im Christentum um Schutz, Hilfe und Beistand zu bitten.
Der Rosenkranz hat tatsächlich mit Rosen zu tun – allerdings nicht mit echten Blumen. Die einzelnen Gebete sind wie ein Kranz aus Rosen, der Maria gewidmet wird. Die Perlen helfen dabei, die Gebete zu zählen und sich zu fokussieren. Weihwasser ist gesegnetes Wasser und erinnert an die Taufe. Wachsvotive wie Hände, Füße oder Tiere wurden als Bitte um Hilfe oder als Dank für eine erfahrene Hilfe in Kirchen und Wallfahrtsorten abgelegt. Sie konnten für einen kranken Körperteil stehen oder für ein Tier, dessen Gesundheit man sich wünschte.
Jüdische Gegenstände, mit denen Menschen Segen, Schutz, Dank und gute Wünsche ausdrücken, durften die Kinder ebenso entdecken und ausprobieren. Wo findet man eigentlich eine Mesusa im Jüdischen Museum? Und was ist in einer Mesusa versteckt? Mit großem Interesse wurde nach dem kleinen Behältnis gesucht, das eine Pergamentrolle mit Versen aus der Tora enthält. Auch die Kippa wurde genauer unter die Lupe genommen. Ist es eigentlich schwierig, eine Kippa zu tragen? Beim eigenen Ausprobieren konnten die Kinder diese Frage ganz praktisch beantworten.
Mikwe als Highlight
Dabei ergaben sich Gespräche über jüdische Bräuche und die Bedeutung der Kopfbedeckung. Das Anlegen der Tefillin, des Gebetsriemen, konnte anhand einer Bildquelle erforscht werden. Der Besuch in der Mikwe, dem jüdischen Ritualbad, beeindruckte die Kinder besonders.
Zum Abschluss überlegten die Kinder, welche Formen guter Wünsche es im Alltag und ganz unabhängig von Religion und Glauben gibt. Dabei kam auch die Giraffensprache der Gewaltfreien Kommunikation nach dem jüdischen Psychologen Marshall B. Rosenberg zur Sprache: Gefühle und Bedürfnisse werden benannt, statt Vorwürfe zu machen. Ihre Gedanken und Wünsche hielten die Kinder schließlich in einer selbst gestalteten Schatzkiste mit Mosaiksteinen fest.
Die Zusammenarbeit von Heimatmuseum und Jüdischem Museum kann Kindern unterschiedliche Zugänge zu Geschichte, Religion und Kultur bieten und zugleich deutlich machen, wie eng die Geschichte von jüdischem und christlichem Leben in Schnaittach miteinander verbunden ist, heißt es in der Meldung.
