Experten rufen zur Wachsamkeit auf

Borkenkäfer auf dem Vormarsch

Wenn die Fichten rot und tot in den Himmel ragen, ist es schon zu spät: Der Käfer ist ausgeflogen. | Foto: Steffen Taeger2019/08/NL-Borkenkaefer-Taeger-1.jpg

NÜRNBERGER LAND – Der Jahrhundert-Sommer vergangenes Jahr und ein knochentrockener Juni lassen den Borkenkäfer dieses Jahr zur Hochform auflaufen. Experten beschreiben die Lage im nördlichen Nürnberger Land als „sehr dramatisch“. Im südlichen Landkreis um Altdorf herum ist die Situation etwas entspannter. Doch auch hier könnte sich der Käfer rasant ausbreiten.

Aus einem einzelnen Weibchen, das 60 befruchtete Eier legt, können in einem Sommer 116 000 neue Käfer entstehen. Übersieht der verantwortliche Waldbesitzer, sei es Staat oder Privatperson, auch nur einen infizierten Baum, verbreiten sich die Schädlinge wie ein Lauffeuer.

Buchdrucker und Kupferstecher – die beiden Borkenkäferarten, die in hiesigen Breitengraden am häufigsten vorkommen – befallen in allererster Linie Fichten. Jeder Waldbesitzer ist daher gesetzlich verpflichtet, sein Gebiet wöchentlich auf Käferbefall zu inspizieren. Steffen Taeger, Abteilungsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth, ruft zur besonderen Wachsamkeit auf.

Spuren aus Bohrmehl

Ist ein Baum befallen, bleiben sechs Wochen Zeit, um ihn zu finden, zu fällen und aus dem Wald zu schaffen. „Leider ist das Identifizieren von infizierten Fichten nicht ganz einfach. Sind die Schäden von Weitem sichtbar und der Baum abgestorben und rot, ist es schon zu spät. Der Käfer ist dann bereits ausgeflogen“, erläutert Taeger.

Das einzige Merkmal, nach dem Verantwortliche Ausschau halten können, ist das bräunliche Bohrmehl, das der Käfer am Fuße der Fichte hinterlässt. „Es ist nicht sehr auffällig, man muss genau wissen, wonach man sucht, besonders nach einem heftigen Regenguss“, erklärt Taeger.

„Er ist tot, er weiß es nur noch nicht“

Der restliche Baum sieht dabei von außen noch völlig gesund aus: grüne Krone, intakte Rinde. Viele Waldbesitzer lägen daher dem Irrglauben auf, er könne sich wieder erholen. Der Abteilungsleiter räumt mit diesem Gerücht auf: „Der Baum ist tot, er weiß es nur noch nicht“, sagt er. „Er kann nicht gerettet werden.“ Sofortiger Einschlag sei die einzige Option. Das Ergebnis sind unschöne Waldbilder und Freiflächen.

Was dem Schutz des Waldes dient, sieht für Laien oft nach willkürlichem Kahlschlag aus, besonders wenn die Bäume äußerlich keine Anzeichen von Befall oder Krankheit zeigen. Taeger freut sich daher besonders über die Unterstützung des Bund Naturschutz.

Problem Klimawandel

Nicht nur Borkenkäfer machen dem heimischen Wald derzeit zu schaffen. Klimawandel, Trockenheit, Hitze gefährden auch andere Baumarten als nur Fichten. Die einzig konsequente Weise, dem zu begegnen und für die Zukunft vorzusorgen sei Waldumbau, so Taeger.

Ideal wäre es, mehr heimische Arten zu pflanzen, die besser mit der Hitze zurechtkommen. Etwa Eichen oder Buchen. Sinnvoll wäre auch, punktuell nichtheimische Bäume mit unterzumischen. Potentielle Kandidaten sind zum Beispiel Esskastanien und Schwarzkiefern.

INFO
Um Waldbesitzern zu zeigen, wie man effektiv Borkenkäferbefall frühzeitig erkennt, bieten die Förster des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Zusammenarbeit mit der Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land Demonstrationstermine an. Symptome, Erkennungsmerkmale und alles, was man über den Borkenkäfer wissen muss, wird vor Ort an befallenen Bäumen erläutert. Die Sammelberatungen finden an folgenden Terminen statt: Dienstag, 13.08., um 18.30 Uhr in Schupf, Treffpunkt am Friedhof und Mittwoch, 14.08., um 18 Uhr bei Ezelsdorf, Treffpunkt am Osterhof zwischen Schwarzenbach und Ezelsdorf.

N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray