Musikalischer Spaziergang

Zu Besuch bei den vier Dackeln in Lauf

Der Eins zu Eins Entwurf des Dietz´schen Dackeldenkmals steht im Laufer Industriemuseum. | Foto: Foto: Weber2022/08/Entwurf_Dackeldenkmal_Industriemuseum-crop-scaled.jpg

LAUF – Der Historische Verein Lauf rückt bei seinen musikalischen Spaziergängen Geschichten und Geschichte rund um Laufer Denkmale in den Vordergrund. Da das Sommerziel 2022, das Original des „Dackeldenkmals“ im alten Naturbad, aktuell nicht an seinem Standort zu sehen ist, wurde kurzerhand das Entwurfsmodell im Garten des Industriemuseums besucht.

Im Jahr 1935 hat der Stadtrat beschlossen, dem Förderer Laufs und und engagierten Bürger Hugo Dietz ein Denkmal auf dem Gelände des damaligen Naturbades zu widmen. Es zeigte vier Dackel aus der privaten Zucht des Ventilkegel-Produzenten.

Spendensammlung für Denkmal

Schon 2013 musste diese Skulptur aufgrund von witterungsbedingten Beschädigungen vom Sockel abmontiert und eingelagert werden. Der Historische Verein Lauf sammelt nun in einer Interessengemeinschaft zusammen mit den Altstadtfreunden und dem Förderverein Industriemuseum Spenden, um den bereits beauftragten Nachguss des Denkmals noch in diesem Jahr an seinem originalen Platz wieder aufstellen zu lassen.

Für den musikalischen Spaziergang, den der Verein jetzt zum „Dackeldenkmal“ geplant hatte, war das Ziel indes keine Frage. Im Garten des Laufer Industriemuseums – die ehemalige Wirk- und Wohnstätte des Hugo Dietz – befindet sich das Entwurfsmodell des Denkmals im Maßstab 1:1. 

Vereinsvorsitzende Susanne Koch-Schächtele begrüßte zum Spaziergang mehr als 20 Besucher mit einem kurzen Überblick zur geplanten Wiedererrichtung des Denkmals. Im Anschluss gab die Leiterin des Industriemuseums, Christiane Müller, einen Einblick in das Leben und Wirken des Hugo Dietz, dessen Fabrikationsareal Bestandteil des heutigen Industriemuseums ist. Im Fokus standen Hugo Dietz als Mensch seiner Zeit, sein Leben als Fabrikant und sein Wirken für die Stadt Lauf. Als zutiefst menschlich deutete Müller dabei dem Umstand, dass sein Denkmal nicht als Industriellenbüste auf hohem Sockel ausgeführt wurde, zu der man ehrfurchtsvoll emporblicken müsse, sondern dass es vier Dackel aus seiner privaten Zucht zeige, die selbst von Kindern auf Augenhöhe in Ruhe betrachtet werden konnten. 

Klarinettenmusik als Rahmen

Umrahmt wurde der Spaziergang mit Klarinetten-Stücken von Gershwin durch den Leiter der städtischen Musikschule, Christoph Grassl, zusammen mit einer Schülerin und einem Schüler. 

Bei der anschließenden Mitgliederversammlung des Historischen Vereins im Stadtarchiv gab die Archivleiterin Ina Schönwald einen Einblick in die stadtgeschichtlichen Zusammenhänge bei der Errichtung des Denkmals und zitierte aus dem Tagebucheintrag eines Laufer Hitler-Jungen zum Tag der Denkmalseinweihung. Auch die Kunsthistorikerin kam nicht umhin, aus der Bauweise des Denkmals Rückschlüsse auf Hugo Dietz zu ziehen. Mit der fest integrierten Sitzbank sei es vielleicht nicht nur das einzige bekannte „Sitzdenkmal“ in Bayern oder darüber hinaus, sondern gebe auch Aufschluss über sein Selbstbild und seine Haltung zu seinen Mitmenschen.

In der Hauptversammlung

Im weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung berichtete die Vorsitzende Koch-Schächtele über die Arbeit des Vorstandes und gab einen Ausblick auf die geplanten Aktivitäten. So sollen auch die musikalischen Spaziergänge im Herbst dieses Jahres noch weiter fortgesetzt werden. 

Das Ziel des Vereins ist es, sich historischen und kulturellen Themen in Lauf zu widmen, sie zu erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies geschieht im engen Kontakt von Vorstand und Vereinsmitgliedern sowie dem Stadtarchiv. 

Dabei ergaben sich bereits spannende Diskurse und Gespräche zum Dackeldenkmal, über Kunst und mögliche Künstler, die Herstellung, die Geschichte von Familie und Firma Dietz und die politischen Verhältnisse zu Beginn des 3. Reiches in Lauf. Offene Dialoge zur Laufer Stadtgeschichte, die der Verein bei den Spaziergängen auch mit der interessierten Öffentlichkeit weiterführen und ausbauen möchte, wie Koch-Schächtele ausdrücklich betonte.

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