Trauer um Wolfgang Wagner

Wolfgang Riedelbauch, der Gründer des Dehnberger Hof Theaters: Auch er trauert um Wolfgang Wagner. Foto: PZ-Archiv/Fischer2010/03/20100322_wolfgangriedelbauchportrae_big.jpg

DEHNBERG – Nicht nur an den großen Opernhäusern wird um Wolfgang Wagner getrauert, sondern auch im kleinen Dehnberg. Denn Wolfgang Riedelbauch, der Gründer des Dehnberger Hof Theaters, hat dem einstigen Leiter der Bayreuther Festspiele viel zu verdanken: »Er hat fast eine Vaterrolle für mich gespielt», sagt der Impresario über Wagner, der am Sonntag gestorben ist.
Wolfgang Riedelbauch erfährt die Nachricht erst am Montagmittag – durch einen Anruf der Pegnitz-Zeitung. Der 70-Jährige stockt für einen Moment, ehe er ein erstauntes »Oh!» hervorbringt. Wolfgang Wagner ist gestorben, der Enkel des berühmten Komponisten. Riedelbauch verbindet viel mit Wagner, viel mit dem Grünen Hügel. Fast 20 Jahre hat der Theatergründer und Festival-Intendant als Assistent bei den Bayreuther Festspielen gearbeitet, deren künstlerischer Leiter Wagner bis vor zwei Jahren war.
So etwas wie eine Vaterrolle habe der 90-Jährige für ihn gespielt, das sagt Riedelbauch gleich darauf. Dann erinnert er sich an seine Begegnungen mit dem Festspiel-Chef: »Ich konnte jederzeit zu ihm kommen.» Nie hat er Wagner als sturen oder gar herrschsüchtigen Mensch erlebt, wie dieser in den Medien oft beschrieben wurde. Im Gegenteil: »Er war sehr mitteilsam.» Außerdem habe in Bayreuth eine Werkstatt-Atmosphäre geherrscht, in der die Künstler gemeinsam gearbeitet hätten.
Dabei war es bloßer Zufall, dass Riedelbauch, der damals noch Musikwissenschaft in Erlangen studiert hat, Anfang der sechziger Jahre zu den Festspielen kam: Weil ein Kollege verhindert war, sprang er ein und begleitete die schwarze Sopranis-tin Grace Bumbry am Klavier.
Wieland Wagner, der Bruder des Verstorbenen, wurde so auf den jungen Mann aufmerksam und ermöglichte ihm zunächst einen Studienaufenthalt auf dem Grünen Hügel. Daraus wurde eine Stelle als Assistent. Riedelbauch sorgte während der Aufführungen dafür, dass kein Beleuchter und kein Statist seinen Einsatz verpasste. Später assistierte er dem Chorleiter.
Engen Kontakt hatte Riedelbauch vor allem zu Gottfried, dem Sohn des Festspielleiters. Dieser übernachtete sogar in seiner Wohnung. Als Riedelbauch vor 34 Jahren dann sein eigenes Theater in einem Dehnberger Bauernhof gründete, ging er mit den Plänen für den Umbau zu Wolfgang Wagner. Und der gab ihm technische Tipps. Das sei seine Stärke gewesen, erinnert sich der 70-Jährige, »er hat das Künstlerische mit dem Technischen verbunden».
Zuletzt gab es zwar nur noch wenig Kontakt zwischen dem Dehnberger Impresario und Wagner, aber aus der Ferne hat Riedelbauch die Geschehnisse in Bayreuth natürlich immer verfolgt. »Strategische Klugheit» habe der 90-Jährige bei seiner Nachfolgeregelung beweisen, attes-tiert er – auch wenn ihm das moderne Regietheater nicht gefällt, das längst auch auf dem Grünen Hügel angesagt ist.

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