CJT-Schüler üben sich in praktischer Physik

Katapultbau als Unterrichtsfach

Das Katapult beim Einsatz am Sonnwendfeuer in Mittelrüsselbach. Aus 80 Metern Entfernung wurde das Feuer mit Pflastersteinen, die mit Heu umwickelt waren, zielgenau in Brand geschossen2014/07/85737_katapulttrebchetgymlaufwurf_New_1405611364.jpg

LAUF — An diesen Physikunterricht werden sich einige Schüler des Laufer CJT-Gymnasiums wohl ihr Leben lang erinnern: Vielleicht auch weil sie mit ihrem Projekt einen Preis der Uni Erlangen gewonnen haben, vielmehr aber wohl, weil sie ein mittelalterliches Katapult, ein sogenanntes Trébuchet, geplant und gebaut haben, das tatsächlich funktioniert und beim Sonnwendfeuer in Rüsselbach im wahrsten Sinn des Wortes seine Feuertaufe mit Bravour bestand.

Schon Anfang Juli hatte eine Gruppe Schüler des Christoph-Jacob-Treu Gymnasiums erfolgreich am Wettbewerb Vision-Ing21 der Universität Erlange teil. Die Gruppe, bestehend aus Schülern der 8. und 10. Jahrgangsstufe, trat mit dem von den Schülern im Wahlkurs des Physiklehrers Rudolf Pausenberger (Physik der Renaissance) gebautem riesigen Trébuchet an und belegte in der Altersgruppe M den 2. Platz. Das Projekt konnte sich gegen sechs andere Gruppen durchsetzen und unterlag am Ende nu der Gruppe aus Höchstadt, die mit einem umweltfreundlichen Solarmodelflugzeug die Jury überzeugen konnte.

Ein Trébuchet ist ein Katapult, das im Mittelalter bei Angriffen auf Festungsanlagen verwendet wurde. Es ist so konstruiert, dass man damit große und schwere Geschosse möglichst weit schießen konnte. Diese Eigenschaften ermöglichten es, dass man von außerhalb der Reichweite der verteidigenden Bogenschützen beispielsweise eine Burg angreifen konnte. Beim Trébuchet setzt ein Gegengewicht einen langen Wurfarm in Gang, an dem das Geschoss hängt.

Zusammen mit einem Zimmermann bauten die Schüler das Katapult nach alten Vorbildern in vielen Stunden Handarbeit selbst. Danach galt es durch Berechnungen und Beobachtungen, unter anderem mit aufwendigen Zeitlupenaufnahmen, die Wurfweite und die Zielgenauigkeit zu optimieren.

Hier war dann echte Physik gefragt und dies, so Pausenberger, sei ja der eigentliche Hintergrund des praktischen Wahlkurses. Dass durch direkte Anwendung die im Lehrplan behandelten Gesezte von der Kraft, dem Hebel oder der Energieerhaltung anschaulich werden und den Schülern so in Fleisch und Blut übergehen.

Tatsächlich unter Beweis stellen konnten die Schüler die Treffsicherheit ihres Katapults bei der Sonnwendfeier der FFW Mittelrüsselbach. Aus 80 Metern Entfernung wurde mit dem Trebuchet ein Holzhaufen mit einem mit brennenden Heu umwickelten Pflasterstein in Brand geschossen.

Dabei fliegen die schweren Geschosse mit dem sechs Meter langen Wurfarm bei richtiger Einstellung sogar bis zu 140 Meter weit und treffen noch zielgenau. Und weil ein Katapult natürlich ein gefährliches Gerät ist, hat die Projektgruppe nicht nur ein Sicherheitskonzept erarbeitet, sondern selbstverständlich wird bei Vorführungen der Einsatzbereich weitläufig abgesperrt.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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