Zeitzeugenprojekt des Laufer Stadtarchivs

Gestern und heute: Flucht und neue Heimat

Alois Scharnagl ist einer der Zeitzeugen, die in der Publikation des Stadtarchivs Lauf zu Wort kommen. Scharnagl stammt aus Franzensbad im Egerland und arbeitet später bei der Firma Stettner in Lauf.
Alois Scharnagl ist einer der Zeitzeugen, die in der Publikation des Stadtarchivs Lauf zu Wort kommen. Scharnagl stammt aus Franzensbad im Egerland und arbeitet später bei der Firma Stettner in Lauf.2016/12/Stadtarchiv-Vertreibung-Zeitzeugen.jpg

LAUF — Zum zu Ende gehenden Projektjahr „Flucht und Vertreibung“ im Stadtarchiv Lauf ist nun eine reich bebilderte Dokumentation erschienen.

Sie gibt nicht nur alle Veranstaltungen und deren Inhalte im Wesentlichen wieder, in dem über 80 Seiten starken Buch im DIN-A4-Format finden sich auch bewegende  Erinnerungen von noch in Lauf und der Umgebung lebenden Zeitzeugen der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Die neue Veröffentlichung wird damit zu einem bleibenden Geschichtsbuch im Landkreis zu Vertreibung und Integration. Die Dokumentation kostet 15 Euro und ist im Buchhandel und im Laufer Stadtarchiv erhältlich.

Einer der Zeitzeugen ist Altlandrat Reich, der aus dem Egerland vertrieben wurde. Neben seinem Aufsatz, der die historischen Hintergründe zur Geschichte der Sudetendeutschen und deren Schicksal im 20. Jahrhundert erläutert, erzählt Stadtarchivarin Ina Schönwald von Ankunft und Integration der aus der Tschechoslowakei vertriebenen Laufer Neubürger. Den Hauptteil aber bilden die in eigenen Worten geschilderten Biografien, die die Vielfalt der menschlichen Schicksale und deren historische Hintergründe erläutern.

Gleichzeitig dokumentiert wird im  Buch der gezeichnete Roman „Alois Nebel“ und die Geschichte dieser Kunstfigur, die als Symbol für die Aufarbeitung dieser Epoche im heutigen Tschechien steht. Autor Jaroslav Rudis hat Lauf im vergangenen Jahr zweimal besucht, um nicht nur den interessierten Schülern und Jugendlichen seine Kunstfigur und damit die deutsch-tschechische Geschichte näherzubringen.

Jung und Alt zusammen

Dem äußerst erfolgreichen Schülerprojekt, das von der Bayerischen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Nürnberg gefördert wurde und mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Bayerischen Rundfunk  prominente Projektpartner vorweisen konnte, ist ein weiterer Teil gewidmet. Aus der behutsamen Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt sind Comics entstanden, die die Erlebnisse der Vertriebenen in ein neues Format bringen. Auch diese „neuen Comics“ und deren jugendliche Autoren kann man im Buch kennenlernen.

Abgerundet werden Projektjahr und Dokumentation jedoch erst durch die aktuellen Schicksale von drei Flüchtlingen aus unsicheren Ländern, die in den letzten Jahren im Nürnberger Land eine neue Heimat fanden.

Die Publikation unter dem Titel „Vertreibung gestern Flucht heute neue Heimat Nürnberger Land“, so die Archivleiterin Ina Schönwald über das Buch, spiegelt die Kernaufgabe eines Stadtarchivs wider: „Die Vergangenheit für die Gegenwart im Dialog aktuell zu erhalten.“

„Spuren der Erinnerung“. Ausstellung im Pfründnerhaus des Laufer Spitals, Spitalstraße 5 vom 13. November 2016 bis Februar 2017. Geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Mitgenommene Objekte aus dem Flucht- und Vertreibungsgepäck erzählen bis Februar 2017 Geschichten ihrer früheren Besitzer.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren