Zweiter Verhandlungstag im Mordprozess

Gehörnter Ehemann im Zeugenstand

Ausgiebig ging es am Donnerstag um die Ehe von Sarah D., die hinter dem Mord an Christian B. stecken soll. Rechts ihr Verteidiger Malte Magold. | Foto: Kirchmayer2020/09/Mordprozess-Nurnberg-Pilzmord-Sarah-D-x-kir-scaled.jpg

Lauf/Nürnberg – Er habe seine Frau ja gefragt, ob alles in Ordnung sei, sagt Horst D. im Gerichtssaal. Sie bejahte, damit war das Thema für den Bäcker durch. Seit 2010 waren die beiden verheiratet, doch im Bett lief seit Jahren nichts mehr, das gibt Horst D. auf Nachfrage seines eigenen Anwalts Peter Roth zu. Sie brauche es nicht, soll sie behauptet haben. Nachts um zehn steht der Bäcker für gewöhnlich auf und geht zur Arbeit. Um seine Frau nicht zu wecken, schlief er seit Jahren auf der Couch in einem anderen Zimmer. Dass sie Affären hat, erst jahrelang mit Michael M., dem mutmaßlichen Mörder, dann mit Christian B., dem späteren Opfer, davon will Horst D. nichts gewusst haben. Auch davon, dass sie ihren Mann selbst aus dem Weg räumen lassen wollte, wovon die Staatsanwaltschaft überzeugt ist, ahnte Horst D. nichts.


Für den 48-Jährigen, der als Nebenkläger auftritt, ist der Termin am Donnerstagmittag eine Tortur, von der ersten Minute an fühlt er sich unwohl. Als er die Fragen der vorsitzenden Richterin Barbara Richter-Zeininger nur einsilbig beantwortet, fährt sie ihn an: „Herr D., so geht’s nicht als Zeuge!“ Schnell steht das Zeugnisverweigerungsrecht im Raum, das Ehepartnern und Verwandten von Angeklagten erlaubt, nicht auszusagen. Denn Horst D. widerspricht vor Gericht immer wieder seinen Angaben, die er gegenüber der Polizei nach dem Auffinden der Leiche von Christian B. gemacht hat, allem voran von der früheren Beziehung seiner Ehefrau mit M., die zwischenzeitlich zusammen wohnten.


Die Scheidung ist schon eingereicht


Mit der Situation ist Horst D. sichtlich überfordert. Wird er dabei ertappt, vor Gericht zu lügen, macht er sich strafbar. Dann hält ihm der Verteidiger seiner Noch-Ehefrau, Malte Magold, die von dem Bäcker mittlerweile eingereichte Scheidung vor. Seit Ende Juli 2019 sitzt Sarah D. in Haft. „Allerdings“, heißt es im von Horst D. unterschriebenen Scheidungsantrag, „war die Ehe bereits vorher zerrüttet und bestand nur noch auf dem Papier“. Nein, widerspricht der Bäcker stur, die Ehe war nicht zerrüttet, „wir hatten ja nie einen Streit“.


Im März dieses Jahres geht der 48-Jährige nochmals zur Polizei, ihm ist eine Episode aus dem Juni 2019 eingefallen, als ihm Michael M. eine Portion Nudelauflauf mitgebracht hat – ein möglicher Giftanschlag? „Extra für dich gemacht“ soll M. gesagt haben, die beiden kennen sich von der Arbeit bei einer Laufer Bäckerei. Doch D. isst den Auflauf nicht, warum, daran kann er sich nicht mehr erinnern.

Durch die Aussage vom März kommt aber heraus, dass Horst D. wieder liiert ist. Bevor Magold näher darauf eingehen kann, zieht der Anwalt des Bäckers die Reißleine. Er bittet um eine Unterbrechung, nach der sein Mandant dann doch von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch macht.

Sarah D. hat geweint


Für Magold ist der Auftritt des Bäckers ein Geschenk, nicht zuletzt die Aussage, dass Sarah D. weinte, als sie vom Tod ihres Liebhabers Christian B. erfuhr.


Wenige Stunden zuvor hat Erwin H. im Zeugenstand Platz genommen. Der Schlosser aus Lauf hatte am Morgen des 14. Juli 2019 beim Pilzesammeln die Leiche von Christian B. gefunden, der in der Nacht erschlagen worden war.

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Pilze gesucht, Leiche gefunden


„Schaust amol in den Wald“, sagt er sich, schließlich hatte es zwei Tage vorher geregnet. Er packt „Pfifferkorb und Taschenmesserle“ ein und macht sich am Sonntag um sieben Uhr morgens auf den Weg, an der Stelle im Wald zwischen Lauf und Schönberg ist er häufiger. Als er parken möchte und einen Schuh neben dem Wegrand erkennt, denkt er sich noch nichts dabei. Doch beim Aussteigen entdeckt der 52-Jährige mehrere Blutlachen. Erst glaubt er, dass da ein Jäger ein Reh ausgenommen hat. Aber in Verbindung mit dem Schuh und einer Schleifspur in den Wald wird Erwin H. stutzig. „Da stimmt doch was net“.


Ein paar Meter entfernt liegt ein Mann, reglos in Bauchlage, seltsam verrenkt gegen einen dünnen Baumstamm gelehnt, das braune T-Shirt blutverschmiert, der Kopf wie mit knallroter Farbe angemalt. Erwin H. steigt in sein Auto, fährt heim, allein will er nicht zur Polizei, die Frau soll mit. Mit einer Streife geht es dann zurück in den Wald.


„Käsweißer“ Polizist


Erwin H. lässt sich vor Gericht nicht anmerken, ob ihn die verstörenden Bilder auch mehr als ein Jahr später noch beschäftigen. Der Polizist, dem er als Erstem die Leiche zeigt, soll bei dem Anblick jedenfalls „käsweiß“ geworden sein. Wer im Gerichtssaal dabei ist, kann das nachvollziehen. Die Fotos der Leiche mit dem eingeschlagenen Schädel sind nichts für Zartbesaitete.


Auch Polizisten sind am Donnerstagvormittag als Zeugen geladen, man sieht Fotos von Schuhabdrücken auf dem Forstweg und Sneakers mit verschmutzter Sohle in der Wohnung von Michael M., der sich in der Tatnacht mit B. verabredet hatte und noch am Abend danach festgenommen wurde.

Sitzbezug hing zum Trocknen im Bad


Eines der Fotos zeigt den Sitzbezug eines Autos, der zum Trocknen in M.s Badezimmer hängt. In seinem Golf Kombi soll M. mehrfach auf B. eingestochen haben, ehe er ihn im Wald erschlagen haben soll.


Möglich war die schnelle Festnahme von M., weil in den Hosentaschen von Christian B. noch dessen Geldbeutel mit Ausweis und Handy samt Nachrichtenverlauf mit M. steckte. Und weil Erwin H. am Morgen nach der Bluttat ausgerechnet dort nach Pfiffern suchen wollte, wo eine Leiche zu finden war. „Manchmal hilft Kommissar Zufall“, kommentierte im Sommer 2019 Antje Gabriels-Gorsolke, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, den raschen Leichenfund.


Der Prozess wird am Dienstag forgeführt.

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