Die Segelflieger sagen ihr Hallenfest ab

LILLINGHOF — Ein Hallenfest statt eines Flugtags hatte der Laufer Segelflugclub im ersten Jahr nach dem Unglück in Lillinghof geplant. Jetzt sagt der Verein die Veranstaltung am 10./11. September ab. Grund sind die Sicherheitsauflagen der Marktgemeinde Schnaittach.

Es wird ziemlich ruhig bleiben am Himmel über Lillinghof, wenn sich das Flugunglück jährt, bei dem eine Frau getötet und über dreißig Menschen verletzt wurden. Eigentlich hatte der Segelflugclub ja Rundflüge veranstalten wollen – doch das für den 10./11. September geplante Hallenfest fällt jetzt aus. Grund dafür sind laut Horst Zuber vom Vereinsvorstand nicht etwa Einwände von Opfern und Augenzeugen, sondern schlicht die Sicherheitsauflagen.

Zwar gibt es ein Rettungsfahrzeug, das im Hangar des kleinen Flugplatzes stationiert ist, doch das war der zuständigen Genehmigungsbehörde, der Marktgemeinde Schnaittach, nicht genug. Ihre Vorgabe: Wenn die Segelflieger ein Hallenfest mit Rundflügen veranstalten wollen, dann muss mindestens ein Feuerwehrauto mit 1600 Liter Wasser an Bord und einer hydraulischen Rettungsschere vor Ort sein. Kostenpunkt für den Einsatz: über 2500 Euro, zu bezahlen vom Verein.

„Das können wir finanziell nicht stemmen“, sagt Zuber, der die Absage „sehr, sehr schade“ findet. Drei Tage lang habe der Vorstand mit den Verantwortlichen gerungen, doch die hätten ihre Meinung nicht geändert. Der Segelflugclub argumentiert damit, dass er an „normalen“ Wochenenden ja auch Rundflüge ohne zusätzliche Sicherheit anbieten dürfe.

„Auf jeden Fall würden bei einem Hallenfest deutlich mehr Flugbewegungen stattfinden“, sagt dagegen Florian Kastner, der Leiter des Schnaittacher Ordnungsamts. Zwar wolle er dem Verein sein Fest nicht kaputtmachen, doch müsse er „wegen der Vorgänge im vergangenen Jahr“ genau hinsehen. Ein Fahrzeug mit einer Rettungsschere sei notwendig, falls es wider Erwarten doch zu einem Unfall komme. Dann müssten Verletzte schnell geborgen werden. „Wir müssen uns absichern“, sagt Karin Müller, die stellvertretende Bürgermeisterin. Das Landratsamt und die Feuerwehr weiß sie in diesem Punkt hinter sich.

Auch wenn das Hallenfest ausfällt: Einen Gedenkstein wollen die Lillinghofer Flieger dennoch aufstellen. Auch sei ein Gottesdienst geplant, sagt Zuber. Das werde eine „interne Veranstaltung“. Wichtig ist ihm die Feststellung, dass damit nicht nur an die getötete 46-Jährige erinnert werde, sondern an die gesamten Ereignisse vor einem Jahr. Damals war ein Doppeldecker beim alljährlichen Flugtag ins Publikum gerast. Die genaue Ursache steht noch nicht fest. Das Unglück nimmt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung im Augenblick zum Anlass, einen Sicherheitsleitfaden für Flugvorführungen zu erarbeiten.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel