In der neuen Schule soll der Unterricht modern werden

Jury wählt Architekten der neuen Waldschule

Die Waldschule ist inzwischen mehr als 50 Jahre alt und ihre Tage sind gezählt. | Foto: Andrea Beck2020/04/Waldschule-Ruckersdorf-Februar-2020-Beck3-scaled.jpg

RÜCKERSDORF – Die Planungen an einer neuen Grundschule für Rückersdorf erreichen bald die nächste Stufe. Bis Ende April soll – so der aktuelle Plan – ein Preisgericht, unter anderem bestehend aus Rückersdorfer Gemeinderäten, der Schul- und Hortleitung, dem Elternbeirat und Vertretern des Bauamts, einen aus insgesamt zehn Architektenentwürfen wählen.

Die finanziellen Einbußen, die auch Rückersdorf aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise erwarten, werden jedoch Planung und Bau der neuen Schule beeinflussen. Haushalt und Finanzplan der Gemeinde müssen – wie andern­orts auch – nach dem Ende des „Lockdowns“ wohl auf den Prüfstand. 

Als im November 2019 noch niemand an Dinge wie Coronaviren dachte, schrieb die Gemeinde mit Beratung des Ingenieurbüros Pfaller europaweit einen Wettbewerb für Architekten aus, wie es die Vergabeverordnung vorschreibt. 30 Tage später hatten 13 Architekten ihren Hut in den Ring geworfen. Zehn von ihnen wurden ausgewählt, die bis Anfang April Zeit hatten, ihre Entwürfe zu präsentieren.

Im März hatten die Architekten Zeit, sich in Rückersdorf ein Bild von der Lage zu machen und ihre Ideen anhand des „Raumfunktionsbuch“, das die zwingenden Bestandteile der neuen Schule auflistet, zu verfeinern.

Eine echte Herausforderung

Die teilnehmenden Architekten  wagen sich an eine schwere Aufgabe.  Die neue Waldschule mit integriertem Hort soll eine Schule der kurzen Wege sein, ohne breite Flure, dafür mit Werkstatt und Kräutergarten (siehe unten). Auch die Platzierung der transportablen Klassenzimmer für die Zeit der Bauarbeiten und das Verkehrskonzept zählen zu den Planungsaufgaben.

Nach der Wahl des Architekten  laufen die langsamen Motoren des Genehmigungsverfahrens an, da der Plan von Landratsamt und der Regierung Mittelfranken bis auf das kleinste Detail geprüft wird. Die Regierung ist laut Bürgermeister Hofmann bereit, bis zu 50 Prozent der Baukosten zu übernehmen.

Erst nach der Genehmigung des Baus und der Kostenschätzung des Architekten sei die Finanzierung realistisch zu planen. Hier spielen auch die jährlich steigenden Baukosten eine Rolle. Corona tut sein Übriges.

Neuer Unterricht in neuer Schule

Kinder, die die Rückersdorfer Waldschule besuchen, gehen auf ihrem Weg zum Klassenzimmer derzeit durch dunkle, breite Gänge, vorbei an Wänden aus grauem Stein. Die Klassenzimmer sind vollständig auf den Frontalunterricht ausgerichtet. Wer die richtigen Geräte für digitale Bildung sucht, muss in den Computerraum aus einer vergangenen Zeit.

Die über 50 Jahre alte Waldschule hat ihre besten Tage hinter sich und bereits 2016 war klar, dass ein Um- oder Neubau nötig ist. Gutachten empfahlen Letzteres. Seit dem Bau der Schule hat sich die Theorie eines sinnvollen Unterrichts in Bayern grundlegend verändert.

Im Bereich „Herz der Schule“ lernen die Schüler kochen, züchten Kräuter, spielen Musik und halten ihre Versammlungen ab. Er ist der zentrale Ort der Begegnung.
Grafik: LernLandschaft Röckingen
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2017 veröffentlichte das bayerische Kultusministerium den „LehrplanPlus“, der ein neues Konzept für Grundschulen vorsieht (siehe unten). „In dem jetzigen Gebäude ist das neue Konzept für uns nicht umzusetzen“, sagt die Rektorin der Rückersdorfer Schule, Dorothea Scheller. Grund dafür seien die langen Wege, die veraltete Ausstattung und die fehlenden offenen Lernbereiche. 

Lernen auf „Marktplätzen“

Schulleitung und Elternbeirat ließen sich von der „LernLandSchaft Röckingen“ unter der Leitung von Karin Doberer beraten. Die Planfirma hat sich auf den modernen Schulbau spezialisiert und wird nach ihrem anfänglichen Kampf gegen konservative Windmühlen inzwischen von internationalen Auftraggebern überrannt.

Ihr „Cluster-Konzept“ plant mit großen Lernbereichen, sogenannten „Marktplätzen“, die verschieden nutzbar sind und so kurze Wege ermöglichen. Sie sind auf zwei Stockwerken in Themenbereiche wie das „Kreativ-Cluster“ mit Werkstatt und Materiallager gegliedert und  effizient eingerichtet. 

Der Außenbereich der neuen Waldschule ist nicht nur ein Pausenhof, sondern für diverse Zwecke angelegt. Hier sollen Unterricht, Erholung, Spielen und Handwerken möglich sein. Grafik: LernLandschaft Röckingen2020/04/Waldschule-Ruckersdorf-Neubau-Planung-Aussengelande-Raumbuch.-scaled.jpg

Möbel wie etwa Tische sind darauf ausgelegt, in mehreren Kombinationen nutzbar zu sein und möglichst wenig Platz zu verbrauchen. Die verschiedenen Lernformen, die der neue Lehrplan vorsieht, erfordern laut dem Raumfunktionsbuch „flexible Räume, die nicht nur einen Zweck erfüllen“.

Ein Kernpunkt des Konzepts ist die Nachhaltigkeit der Schule, zum Beispiel hinsichtlich der Energieversorgung, und die Naturnähe des Unterrichts. Der Name Waldschule ist Programm.

Flexibilität ist das A und O

In den Themenbereichen werden Schüler jeder Altersstufe allein oder in Gruppen lernen und experimentieren. Eine Bühne oder ein Versuch im „Grünen Klassenzimmer“ sind schnell aufgebaut und nicht nur Rechnen, sondern auch Kochen und Schauspielern werden Teil des Unterrichts. Die Klassenzimmer sind kleiner als jetzt, doch ihr Mobilar ist flexibel und sie sind an die großen Lernbereiche angeschlossen.

Teil dieser Räume sollen unter anderem eine Küche, eine Bibliothek, ein Bühnenbereich und ein Kinderrestaurant sein. Der Hortbereich ist in das Schulgebäude integriert und soll genug Platz bieten, da in Bayern ab 2025 ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler gilt. 

Das Konzept ist für die Architekten  eine Herausforderung. Es gilt, auf der durch Reichswald und Anfahrtsstraße  begrenzten Fläche, Klassenzimmer für acht Schulklassen mit insgesamt 174 Kindern, eine Aula, einen Hortbereich für mindestens 20 Kinder, den Bereich der Lehrer und den Außenbereich unterzubringen. Die jetzige Turnhalle wird weiter genutzt. Ende April wird sich zeigen, ob einer der Architektenentwürfe den Vorstellungen des Planungsteams in Rückersdorf entspricht.

Der Lehrplan Plus 2017

Die Leitgedanken des „LehrplanPlus“ für Grundschulen sind Selbstständigkeit und Sozialkompetenz. Die Kinder sollen voneinander lernen, je nach aktuellem Wissensstand und unabhängig der Altersstufe. Die bloße Erweiterung des Wissens soll gegenüber dem „Lernen zu lernen“ an Relevanz verlieren. Die Zeiten des Frontalunterrichts sind vorbei. Stattdessen wird der Lehrer zum Helfer der Kinder, der die Talente fördern soll. Der neue Lehrplan hat Ähnlichkeit mit der Pädagogik Maria Montessoris. 

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N-Land Andrea Beck
Andrea Beck