Elektrifizierung

Wann wird der Hersbrucker Bahnhof barrierefrei?

Für Rollstuhlfahrer oder eine Mutter mit Kinderwagen sind die Bahnsteige am Bahnhof rechts gar nicht oder nur sehr schwer zu erreichen. Barrierefreiheit bleibt hier für viele ein Traum – noch. | Foto: M. Scholz2021/03/DSC-7930.jpeg

HERSBRUCK – Der Bahnhof Hersbruck rechts der Pegnitz ist nicht barrierefrei. Für Menschen, die darauf angewiesen sind, ist das ein sehr großes Ärgernis. Doch noch brauchen sie Geduld.

Es ist und bleibt die „unendliche Geschichte“ in der Cittaslow – der Kampf für einen barrierefreien Ausbau des rechten Bahnhofs. In einem Brief an die Redaktion machte jüngst wieder einmal eine HZ-Leserin ihrem Unmut Luft: „Ist Ihnen bekannt, ob der Bahnhof rechts in das Programm Bahnhofkonzept Plus des Bundes aufgenommen ist? Der Ausbau wäre wirklich an der Zeit!“

Bürgermeister Robert Ilg kennt diesen Ärger und die Sorgen älterer Bürger, gehandicapter Menschen oder Eltern mit Kinderwagen nur zu gut, auch wenn er auf Nachfrage der HZ einräumt, von dem genannten Programm (noch) nichts gehört zu haben. Ob dieses an der vertrackten Lage etwas ändern würde, bezweifele er jedoch. Schließlich hätten er und Verwaltung bislang bei Bewerbungen für ein Förderprogramm in schöner Regelmäßigkeit die Auskunft erhalten: Hersbruck ist schon barrierefrei angebunden – über den linken Bahnhof.

Hersbruck mit dabei

Vor ziemlich genau einem Jahr machte schon der Hersbrucker CSU-Landtagsabgeordnete Norbert Dünkel etwas Mut, dass die unendliche Geschichte endlich ihr Happy-End bekommt. Damals hatte er nach intensiven Gesprächen mit Vertretern des Bundesverkehrsministeriums erreicht, dass der Bahnhof rechts in das neue Barrierefreiheitsprogramm des Bundes aufgenommen wurde, in dessen Rahmen Berlin knapp 150 Millionen Euro bereitstellt, um in den kommenden Jahren weitere Bahnhöfe in Deutschland barrierefrei auszubauen.

Die wiederholte Bewerbung für derartige Förderprogramme sei das eine, sagte Ilg der HZ, mehr Erfolg verspreche er sich allerdings auf einem anderen Gleis – mit leidenschaftlichem Einsatz für die Elektrifizierung der rechten Bahnstrecke, einer der Hauptlebensadern des Nürnberger Landes. „In diese Aufgabe stecke ich derzeit viel Zeit und Energie“, sagt Ilg.

Kommt die Bahnstrecke nicht unter Strom, droht die schnelle Anbindung des mittleren und oberen Pegnitztales (Stichwort: S-Bahnausbau bis Neuhaus) aufs Abstellgleis geschoben zu werden. Deshalb setzen sich Landrat Armin Kroder und die Bürgermeister der Anliegergemeinden gemeinsam mit ihren Kollegen entlang der sogenannten Franken-Sachsen-Magistrale von Nürnberg über Bayreuth bis Hof seit Jahren mit viel Herzblut dafür ein.

Spiele der Gedanken

Neben den historischen Brücken und Tunneln im oberen Pegnitztal bremst derzeit allerdings der Widerstand gegen die Bahnstromtrasse diese Bemühungen aus. Ilg hofft nun, das ein neues Gutachten von Professor Arnd Stephan von der TU Dresden gangbare Alternativen aufzeigt.

Für Hersbrucks Bürgermeister hätte die Elektrifizierung den positiven Nebeneffekt, dass die Bahn dann auch bauliche Veränderungen am Bahnhof rechts vornehmen müsste. In deren Zug wiederum kann der Bahnhaltepunkt auch barrierefrei gestaltet werden. Dieses Gedankenspiel deckt sich mit Aussagen des bayerischen Verkehrsministers Hans Reichart aus dem Jahr 2019.

Um dafür schon „in Vorleistung“ zu gehen, habe der Stadtrat beschlossen, die für den barrierefreien Ausbau nötigen Pläne erstellen zu lassen und sie zu bezahlen, sagte Ilg der HZ – unter der Voraussetzung, dass die Bahn diese Kosten begleicht, wenn der Umbau in die Tat umgesetzt wird.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren