Lernen in der Corona-Krise

Pauken in den eigenen vier Wänden

Wie lange die Schüler noch im Home-Office lernen müssen, bleibt ungewiss. Bei der bisherigen Frist, nämlich das Ende der Osterferien, sind viele Lehrer skeptisch | Foto: Shangarey - stock.adobe.com2020/04/AdobeStock-331951541-scaled.jpeg

HERSBRUCK / LAUF – Seit Mitte März sind Bayerns Schüler daheim. Doch verlängerte Osterferien werden das nicht, denn: Die Schulkinder bekommen jetzt via Internet Schulaufgaben zugeteilt, die sie erledigen müssen. Die HZ hat sich erkundigt, wie das funktioniert.

An der Grete-Schickedanz-Grundschule kommunizieren einige Lehrer über What’s-App oder E-Mail mit den Kindern und Eltern. Konrektorin Angela Gehring und Christina Ascher unterrichten beide die vierten Klassen der Grundschule. „Wir überlegen uns täglich, welche Inhalte wir den Kindern zukommen lassen. Viele Lehrer schicken Grußbotschaften mit Arbeitsplänen, so dass die Kinder die Stimme ihres Lehrers hören und sich auch aus der Ferne begleitet fühlen“, sagen sie.

Die Kommunikation via What’s-App mit den Kindern ist zwar ein Mittel, allerdings nur für die Dauer des Ausnahmezustandes durch Corona gestattet. So leiten die Pädagogen passend zu den HSU-Themen beispielsweise Internet-Tipps weiter. Einige Klassen nutzen dafür auch Apps.

Buchstaben zu Hause

Je nach Alter erhalten die Kinder Arbeitspläne, die den Stoff sinnvoll strukturieren. Der Unterricht wird nach Hause verlegt: Erstklässler suchen daheim beispielsweise Gegenstände, die den neuen Buchstaben „H“ enthalten. Sie schicken Fotos davon an die Lehrkraft weiter. Nach den Ferien sollen die Bilder dann ins Buchstabenheft eingeklebt werden.

Die Lösungen für die Matheaufgaben werden per Mail verschickt. Das schult die Selbstkontrolle der Kinder. Die Aufgaben dienen aktuell mehr zur Wiederholung. Fortgesetzt wird der Stoff erst nach den Osterferien – so der Plan. „Wir versuchen es zu vermeiden, dass sich Kinder Unterrichtsstoff selbst beibringen müssen. Hierfür sind die Grundschüler noch zu klein. Bei manchen Themen bietet es sich an, eine Alternative auszuprobieren. Manche Lehrer drehen zum Beispiel Lernvideos“, so Gehring.

Vielseitiges Lernen

Lernvideos, Mails, Handynachrichten oder Internetplattformen: Das Lernen in Zeiten von Corona ist vielseitig. Die Lernplattform „Mebis“ des Bayerischen Kultusministeriums war in vergangener Zeit vor allem deshalb in aller Munde, weil sie Opfer von Hackerangriffen wurde.

Thomas Zankl, Rektor der Johannes-Scharrer-Realschule, kennt die Tücken der Plattform: „Mebis ist einfach überlastet. Zu viele Schüler und Lehrer greifen gleichzeitig darauf zu. Das Programm stürzt immer wieder ab.“ Zwar wird die Plattform ständig verbessert, doch die Realschule bedient sich auch anderer Hilfsmittel. „Einige Klassen kommunizieren über E-Mails mit den Lehrern, andere über Clouds oder Onedrive (Microsoft Office-Programm).“

Die Nutzung der Kanäle ist aktuell zwar notwendig, deren Bedienung aber keine Selbstverständlichkeit: „Das Kollegium musste sich natürlich erst mit den neuen digitalen Vermittlungswegen auseinandersetzen – nicht jeder ist derart medienaffin.“ Doch das Interesse der Lehrerschaft sei groß gewesen, so Zankl.

Wiederholung statt neuer Inhalte

Die Lehrer der Realschule sind kreativ, was die Vermittlung des Stoffs angeht. Neben konventionellen Arbeits- und Buchaufträgen unterstützen Lern- und Erklärvideos die Inhalte, die in der letzten Schulwoche besprochen wurden. Auch hier steht weniger die Vermittlung neuer Inhalte, als die Wiederholung alter im Fokus.

Die Schüler der Montessori-Schule in Lauf arbeiten mit der Lern- und Kommunikationsplattform „Itslearning“. Das Gute daran: Sie gehört schon seit acht Jahren zum Schulalltag. Das heißt, Schüler und Eltern kennen das Medium bereits.

Die Plattform stellt unterschiedliche Lernmaterialien zur Verfügung: Arbeitsblätter, Filme oder Links. Zudem erlaubt sie die Kommunikation zwischen Lehrer und Schülern und die Interaktion in größeren Gruppen. „Itslearning“ nutzen vor allem die älteren Jahrgangsstufen, aber auch die Eltern der Grundschüler, um mit den Lehrern in Kontakt zu bleiben.

Trotz aller Digitalisierung: Das Telefon bleibt auch in Lauf ein wichtiges Kommunikationsmittel. Nicht nur für die Eltern spielt das eine Rolle, sondern auch für die Schüler: Oft ist es einfacher, nicht viele, komplexe Mails zu schreiben, sondern den Lehrer bei Fragen einfach schnell anzurufen.

Digitale Lösungen

Auch an der Grete-Schickedanz-Mittelschule lernen die Schüler mit einer schon bekannten Unterrichtssoftware namens „Schulmanager“. Die nutzen Lehrer, Schüler und Eltern schon seit Anfang des Jahres als Kommunikationsmittel, um den Briefverkehr zu reduzieren. „Es war ein echter Glücksfall für uns, dass wir vom ‚Schulmanager‘ schon Gebrauch gemacht haben, bevor das Coronavirus zu uns kam“, so Konrektor Stefan Schütz. Dadurch stand die Software schnell und unkompliziert zur Verfügung; auch die Bedienung musste nicht mehr erklärt werden.

Auf dem „Schulmanager“ stellen die Lehrer Materialien als pdf oder mit den entsprechenden Links zur Verfügung. Zusätzlich sind sie via Skype oder Mail erreichbar. Manche haben sogar eine Kernarbeitszeit mit den Schülern von neun bis zwölf vereinbart.

Die Situation am Paul-Pfinzing-Gymnasium unterscheidet sich nicht von der der anderen Hersbrucker Schulen: Schüler und Lehrer nutzen das begrenzt zur Verfügung stehende Mebis, Sharepoint (Angebot von Microsoft Office für Projektkoordination), Telefonsprechstunden mit den Lehrern und vieles mehr.

Virtuelle Arbeitsgruppen

Direktor Klaus Neunhoeffer freut sich besonders über die Initiative von Eltern und Lehrern, gemeinsam eine virtuelle Arbeitsgruppe zu gestalten. „Wir haben unter den Eltern den ein oder anderen IT-Profi. Die und einige Kollegen arbeiten aktuell an einem schulinternen Kommunikationsprogramm, das dann den Austausch zwischen Lehrer und Schüler vereinfacht.“

Auch das Gymnasium setzt auf Wiederholung und Vertiefung des aktuellen Stoffes. „Natürlich dient der Austausch zunächst der Wiederholung. Aber es gibt in dieser unsicheren Zeit auch eine gewisse Struktur, die schulischen Pflichten täglich zu erledigen. Und Struktur brauchen wir aktuell alle.“ Seinen besonderen Respekt zollt Klaus Neunhoeffer den Eltern, die nun neben Home-Office und Alltagsstress auch noch die Kinderbetreuung übernehmen.

Noch mehr Stress auf die Erziehungsberechtigten abzuwälzen, ist nicht gewollt: Die Eltern seien keine Hilfslehrer und das müssten sie auch nicht sein, betont Grundschullehrerin Ascher. Die Aufgaben an die Kinder seien so gestellt, dass sie diese in der Regel selbst bearbeiten könnten. Die Aufgabenformen kennen sie bereits aus der Schule und wissen, wie sie damit umgehen müssen.

Schwierige Betreuung

Die Betreuungspflicht der Eltern aber bleibt und besonders bei älteren Schülern kann es manchmal schwierig sein, sich durchzusetzen. Denn die drängt es bei schulfrei und Sonne vor allem nach draußen und zu den Freunden. Die Warnungen der Eltern und Experten ignorieren sie. Neunhoeffer appelliert deshalb nochmals an alle Schüler: „Bleibt zum Schutz der Älteren und Geschwächten bitte zu Hause!“

Der direkte Kontakt zwischen Lehrer und Schüler fehlt besonders. Das macht die Unterrichtsvorbereitung noch aufwendiger, so Ascher. „Die Aufträge müssen so gestellt werden, dass möglichst keine Nachfragen nötig sind und sie die Kinder auf ihrem Niveau begleiten. Der tägliche Kontakt, einfache Hilfestellungen oder nur ein aufmunternder Blick fallen weg.“ Zankl ergänzt: „Die Digitalisierung ist schon eine Erleichterung. Trotzdem erreichen wir oft nur 90 Prozent der Schüler – jetzt ist wichtig, auch die anderen 10 Prozent abzuholen.“

Das Beste daraus machen

Ersten Rückmeldungen zufolge funktioniere das Home-Office der Schüler aber ganz gut, so Neunhoeffer. Auch die Grundschule stellt ein positives Zeugnis aus: „Die bisherigen Rückmeldungen von Eltern und Kindern sind sehr wertschätzend und zeigen, dass wir in dieser herausfordernden Zeit alle das Beste aus der Situation machen“, so Gehring. Zankl ergänzt: „Die Eltern sind wohl besorgter als die Schüler, wenn der Zugang zum Portal nicht funktioniert oder sie den sogar verlieren. Aber dafür gibt es ja Lösungen.“

Mittlerweile sind alle Abschlussprüfungen in diesem Jahr nach hinten verschoben. Wie lange sich die Corona-Krise noch hinzieht, weiß derzeit niemand. Neunhoeffer versichert: „Weder Schüler kurz vor den Abschlussprüfungen noch mitten in der Schullaufbahn werden von den aktuellen Ereignissen einen Nachteil haben. Was wir jetzt wissen, sind nur Momentaufnahmen. Wie es dann nach Ostern tatsächlich weitergeht, bleibt offen.“

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren