Kritik an Vorgehensweise bei Planung des Schickedanz-Areals

„Mitgestalten sieht anders aus“

Investor Maisel will das leerstehende Schickedanz-Areal bebauen. Einige Bürger hätten gerne mehr mitgeredet.
Investor Maisel will das leerstehende Schickedanz-Areal bebauen. Einige Bürger hätten gerne mehr mitgeredet. | Foto: Michael Scholz2016/09/Schickedanz.jpeg

HERSBRUCK – Am morgigen Donnerstag präsentieren Stadtverwaltung und Eigentümer im Bauausschuss erstmals öffentlich den Bebauungsplan-Entwurf für das Schickedanz-Areal. Für das Projekt gibt es eine Opposition außerhalb des Stadtrates. Einige Bürger, die sich „Runder Tisch – Hersbrucks Zukunft mitgestalten“ nennen, kritisieren, eine öffentliche Diskussion im Vorfeld habe nicht stattgefunden. Das sei auch nicht üblich, entgegnet Bürgermeister Robert Ilg. Die Stadträte und Bürger seien erst noch gefragt.

Es gab durchaus Gespräche zwischen Mitgliedern des „Runden Tisches“ und Bürgermeister Robert Ilg. Einmal auch mit dem Investor. Viele Ideen seien dabei angesprochen worden und die hätten Stadtverwaltung und Eigentümer Walter Maisel auch aufgenommen. Dabei geht es um ausreichende Grünflächen, Parkplätze, Fahrradstellplätze und einen öffentlichen Durchgang. „Das haben wir berücksichtigt“, sagt Ilg. Der „Runde Tisch“ solle doch erst einmal abwarten, wie der Plan aussieht. Danach bestehe die Möglichkeit, sich im Rahmen der Bürgerbeteiligung zu äußern.

„Nicht nur eine Lösung“
Damit sind die Kritiker, zu denen unter anderem Klaus Thiemann, Dietrich Kappler und Ferdinand Rosenbauer zählen, nicht zufrieden. Sie wollen einen städtebaulichen Wettbewerb. „Das ist bei wichtigen Vorhaben dieser Größe durchaus üblich“, sagt Kappler. Es gebe immer mehrere Lösungen für eine Bebauung und die gehörten erst einmal gegenübergestellt, was offenbar nicht geschieht. In einem Gespräch mit der HZ, an dem neben den drei Architekten auch Claudia Mederer („Klimaclub“) und Geschäftsmann Bernd Schwarz teilnahmen, erläutert die Runde, warum ihnen das so wichtig ist:

„Es macht keinen Sinn, einfach irgendetwas zu machen“, sagt Kappler. Die Stadt müsse doch erst einmal klären, was sie mit diesem 6500 Quadratmeter großen Gelände überhaupt will. Sprich: den Bedarf Hersbrucks im Ganzen ermitteln und berücksichtigen. Jetzt dirigiere anscheinend der Investor die Nutzung und auch die Architektur.

Mederer und Thiemann sind sich einig. Egal, welche Idee für das Schickedanz-Areal gerade aktuell war, ob ein großer Supermarkt, ein Stuhl-Museum oder jetzt Wohnungen mit etwas Gewerbe — jedesmal werde zuerst ein Investor gesucht. Das erweckt den Anschein, als ob „um jeden Preis schnell bebaut werden soll“. Dabei müsse doch nichts überstürzt werden, ein leeres Grundstück sei doch kein „Schandfleck“. Die Stadt müsse doch auch einmal „selbst etwas entwickeln“.

Bürgermeister Ilg hält dem entgegen, dass sich die Stadt — „auch in den Jahrzehnten davor“ — bei Bauvorhaben nie anders verhalten habe. „Ich denke, das muss man akzeptieren, dass die Verwaltung mit dem Eigentümer zusammen etwas entwickelt und sie dann den Stadtrat entscheiden lässt“, sagt er. Er sei gegenüber dem „Runden Tisch“ aber immer gesprächsbereit gewesen.

Plötzlicher Termin
Allerdings sind Thiemann, Mederer, Kappler, Rosenbauer und Kollegen auch verstimmt, weil die Präsentation und erste Abstimmung im Ausschuss so plötzlich komme. Eigentlich hatten sie den Bürgermeister und Stadträte für eine Info-Veranstaltung am 26. September angefragt. Ilg antwortet, dies sei während seines Urlaubs geschehen. Er habe davon zu spät erfahren. Der Termin im Ausschuss sei wie üblich auf den Donnerstag direkt nach der Ausarbeitung der Pläne während der Ferien gelegt worden — und das sei der 22. September.

Die Mitglieder des „Runden Tischs“, allen voran die Architekten, befürchten, dass der Bauträger optisch zu wenig Rücksicht auf das historische Umfeld nimmt. Außerdem gibt es die Sorge, dass im Stadtzentrum zwar Wohnraum geschaffen wird, zugleich aber wichtige Versorger wie der Netto-Markt irgendwann wegziehen könnten. Deshalb wünscht sich die Gruppe gleich einen großen Wurf zum Beispiel mit Ladenflächen entlang der Poststraße, bevor schon erste Fakten geschaffen werden. Wie es mit den beiden Grundstücken im Norden des Schickedanz-Areals weitergeht, war bereits Thema im Stadtrat, steht aber noch nicht fest.

Es gehe ihnen schlicht um eine gelingende Innenstadtentwicklung, versichern die Vertreter des „Runden Tischs“. Dabei spielen auch ökologische Werte und alternative Ansätze eine Rolle. Aus dem früheren Plan, das Areal selbst zu kaufen und als Genossenschaft ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt aufzubauen, wurde nichts.

Unabhängig vom Ausschuss am Donnerstag lädt der „Runde Tisch“ am Montag, 26. September, 19 Uhr, die Bevölkerung zu einer Info-Veranstaltung am Schickedanz-Areal ein. Treffpunkt ist die Ecke Poststraße/Gustav-Schickedanz-Straße.

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