Frühjahrs-Synode des Dekanats Hersbrucks

Kirche will „Staub abschütteln“

Dieser Screenshot von Lydia Kossatz zeigt nur einen Teil der Teilnehmer der Frühjahrs-Synode. | Foto: L. Kossatz2021/05/Screenshot-DS-Teilnehmer1.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ eröffnete Dekan Tobias Schäfer die Frühjahrs-Synode des Dekanats Hersbrucks, die erneut per Zoom stattfand. Das Online-Format ermöglichte dabei die Teilnahme hochkarätiger Gäste. Andererseits wären bei diesem Thema physische Treffen wichtig.

In die Kacheln von insgesamt 77 Teilnehmern reihten sich Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern, Landrat Armin Kroder und Kirchenrat Johannes Grünwald, dessen Vater Karl Grünwald selbst von 1986 bis 1997 Dekan in Hersbruck war, ein. Beeindruckt zeigte sich die Regionalbischöfin von allen, die sich dem Digitalen auf der Synode stellten.

Mit ihrer Andacht gab sie das geistliche Motto der Synode vor: Die biblische Erzählung über die Aussendung der 72 Jünger beinhalte beides – Weherufe und Freude. Es seien die Weherufe der Kirche, die immer mehr Mitglieder verliere. „Doch wie wäre es, wenn wir den Staub des Mühsamen, der Traditionen abschütteln, um den jungen Leuten eine Stimme zu geben und eine lebendige Kirche zu gestalten?“

„Große Aufgaben“

Ein Gedanke, den Landrat Armin Kroder aufgriff. Als Christ interessiere er sich dafür, wie es „seiner“ Kirche gehe. Im Blick auf die Landesstellenplanung bat er die Synode, den Einfluss des Gremiums nicht zu unterschätzen sowie verantwortlich mit den „großen Aufgaben“, die anstünden, umzugehen.

Kirchenrat Johannes Grünwald, Mitglied des Organisationsausschusses Landesstellenplanung des Landeskirchenamts, informierte die Synodalen über die aktuellen Beschlüsse und die sich daraus ergebenden Herausforderungen für die Gemeinden und Dekanate. Im Kirchenkreis Nürnberg seien die Mitgliederzahlen seit 2009 um 13,93 Prozent gesunken, im Dekanat Hersbruck um 11,64 Prozent. Zum Vergleich: Bayernweit liegt das Minus bei 12,25 Prozent.

Immer mehr freie Pfarrstellen

Zugleich entschieden sich immer weniger junge Menschen für den Pfarrberuf, so dass in den nächsten Jahren mit immer mehr freien Pfarrstellen zu rechnen sei, führte Grünwald weiter aus. Deshalb stelle sich jetzt die Frage, wie Kirche auch in Zukunft lebendig bleibe.

Die Chance der Landesstellenplanung liege darin, dass jedes Dekanat eigene Schwerpunkte setzen und sein eigenes Profil entwickeln könne. Erfolgsfaktoren des Prozesses seien Kommunikation sowie die Konzentration zunächst auf inhaltliche Aufgaben und erst dann auf die Strukturen, so Grünwald. Dekan Schäfer ging weiter ins Detail und präsentierte den „Fahrplan zur Landesstellenplanung“ im Dekanat Hersbruck: Ambitioniert, aber nicht unmöglich, wenn man dranbleibe, meint er.

Erkundungsbogen der Gemeinden

Da die im vergangenen Jahr geplanten Ideen zur Begegnung mit den Kirchengemeinden in den Regionen von der Corona-Pandemie durchkreuzt worden waren, musste ein neues Vorgehen her: Mittlerweile haben alle Kirchengemeinden des Dekanats einen Erkundungsbogen ausgefüllt, der dem Dekanatsausschuss zum besseren Verständnis der örtlichen und regionalen Schwerpunkte dienen soll.

Im weiteren Verlauf der Konzeptentwicklung durch den Dekanatsausschuss stehen Regionaltreffen vor Ort an. Transparenz und Kommunikation seien in dem Prozess besonders wichtig, betont Schäfer. Auf der Herbst-Synode werde ein Erstentwurf zur Landesstellenplanung zur Diskussion gestellt, formulierte Schäfer das Ziel.

Kreativ und sorgfältig

Er dankte allen Verantwortlichen in den Gemeinden für den Mut zu den Entscheidungen in Sachen „kirchliches Leben“ und Gottesdienst vor Ort in der Corona-Pandemie. Schäfer lobte die Vielfalt und Kreativität im Bespielen neuer Medien sowie Sorgfalt und Besonnenheit, keine Möglichkeiten auszureizen.

Ein Resümee zur Corona-Krise zu ziehen sei zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch zu früh. Bedenkenswert sei allerdings, dass „in Bezug auf den eigenen Kirchturm eine gewisse Hemmschwelle“ zu beobachten sei, „sich zu einer Veranstaltung der Nachbargemeinde zu bewegen“. In Zeiten geringer werdender Ressourcen werde die räumliche Mobilität wohl mehr und mehr notwendig, so Schäfer.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren