Jahresbilanz von Fackelmann

Der Weg für weiteres Wachstum ist frei

Marketing-Chef Robert van Loosen (links) und Firmenchef Alexander Fackelmann zeigen die neuen Kunststoff-Backformen. Foto: A. Pitsch2013/02/5_2_1_2_20130215_FACKEL.jpg

HERSBRUCK – Wachstum, Wirtschaftlichkeit und Werte – beißt sich das in der harten Realität der Marktwirtschaft? Bei der Firma Fackelmann anscheinend nicht. Dank dieser Kopplung erwirtschaftete der geschäftsführende Gesellschafter Alexander Fackelmann mit Haushaltswaren und Badmöbeln 2012 ein erneutes Plus von drei Prozent. Das entspricht einem weltweiten Umsatz von 310 Millionen Euro, also neun Millionen mehr als im Vorjahr.

Diese wurden vor allem in den wachsenden Märkten in China, der Ukraine, Indonesien, Malaysia, Taiwan und Indien sowie aufgrund starker persönlicher Beziehungen zwischen Firma und Kunden in Italien generiert. Während der Umsatz steigt, bleiben die Zahlen von rund 3500 Mitarbeitern auf dem ganzen Globus, davon 750 in Deutschland bzw. 425 in Hersbruck, gleich. Auch der Umsatzanteil des Heimatlandes von 30 Prozent ist stabil.

In Deutschland legte die Möbel sparte um ein Prozent zu, Haushaltswaren wurden nicht mehr verkauft als 2011, und der Export ging vor allem aufgrund der Krisen in Süd- und Osteuropa um 2,5 Prozent zurück. Über ein „extrem schönes Wachstum“ von 50 Prozent freute sich Fackelmann bei „Lanzet“, der Badmöbel-Tochter für den Fachhandel, auch wenn diese nur einen Anteil von zehn Prozent am Badinventar insgesamt ausmacht. Für Fackelmann ist dieses Plus ein Ausdruck des Trends, dass die Menschen in Krisenzeiten in den Ausbau des Eigenheims investieren, denn der Möbelhandel verzeichnete 2012 leichte Zuwächse: „Die Leute setzen auf die Umwandlung von Papiergeld in Betongold.“

Dennoch ist der Umsatz im Einzelhandel über einen langen Zeitraum gesehen schwankender als im Lebensmitteleinzelhandel, denn „Essen braucht man immer“. Auch in diesem Bereich stellt Fackelmann eine Tendenz fest, die ihm und seiner Unternehmensphilosophie zupasskommt: Der Weg geht hin zu Regional- und Lokalisierung. Kein Wunder also, dass der Global Player 2012 in Brasilien und Russland die Partnerschaften mit anderen Firmen aufgelöst hat und dort sowie in Australien eigene Tochtergesellschaften gegründet hat.

Damit ist Fackelmann mit weit über 30 Produktions- und Vertriebsstandorten in Brasilien, den USA (Partnerfirma), Europa mit Russland, Australien und Asien fast auf jedem Kontinent vertreten. Als Ziel für die kommenden fünf bis zehn Jahre bleibt die „Eroberung“ Afrikas über Partnerschaften und dann eigene Firmen. Die Filialen in den BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien und China) versprechen Unabhängigkeit, von denen Indien und China neben Deutschland die einzigen Exportstaaten sind.

Außerdem wurde aus dem Investitionsvolumen von rund fünf Millionen der Ankauf „auf Reserve“ von 10.000 Quadratmetern des früheren Wolke-Geländes gleich neben Lanzet in der Ostbahnstraße geleistet. Der Anbieter von hochauflösenden Thermal Ink Jet Kennzeichnungssystemen war in den letzten Jahren verkauft und verkleinert worden. Die nun nicht mehr benötigten Firmenbereiche hat sich Fackelmann einverleibt, um die Firmenzentrale ganz im Sinne der Lokalisierung auszubauen und Platz für die Rückverlagerung der Produktion zu haben, denn die wird kommen.

Bereits seit einigen Jahren gleicht sich nämlich das Niveau der Arbeitsbedingungen (Löhne, Maschinen) in Asien an das Europäische an. Billiger ist also nicht mehr. „Aber das ist gut für unsere Arbeitsplätze hier“, sagt Fackelmann – und das Erfolgslabel „Made in Germany“. Dieses hat der Mittelständler um den Vertrieb von Dr. Oetker-Backformen und Stoha-Würzbehälter erweitert, die beide neue Kundenpotenziale im Fachhandel erschließen sollen. Die Marschrichtung geht Richtung Monopolisierung: Mit einem Sortiment vom kleinen Geldbeutel bis zum hochwertigen Edel-Versender soll der gesamte Markt in Sachen Haushaltswaren und Badmöbel erschlossen werden.

Das geht aber nur mit einem funktionierenden Team, das sich mit dem Unternehmen identifiziert. Wenn man Fackelmann bei der Jahrespressekonferenz ruhig, überlegt und geschickt für sich werbend über Werte, Nachhaltigkeit und Vertrauensbildung reden hört, könnte man es aufs erste Hören für Geschwafel halten. Aber er glaubt daran, und die nackten Zahlen geben dieser stringenten Linie von Wachstum, Stabilität und Heimatverbundenheit recht: 70 Prozent der Mitarbeiter sind seit mehr als zehn Jahren in der Firma.

Und einige von ihnen, nämlich vor allem die kreativen Köpfe in der Hersbrucker Marketingabteilung, sorgen für die 100 bis 200 Neuheiten im Jahr, die ab morgen auf der Frankfurter Messe „Ambiente“ vorgestellt werden. Ob Messerklingen mit buntem Dekor, eine Eier-Box to go mit integriertem Salzstreuer, hitzebeständige Kunststoffbackformen oder eine hochglänzend rote Wein-Accessoire-Serie – „extrem schick, praktisch oder hochwertig“ müssen die Produkte sein, denn „die Schubladen sind voll“, erklärt Alexander Fackelmann die innovativen Designs.

Derart ausgestattet geht das Unternehmen ins Jahr 2013. Fünf Prozent Wachstum ist als Ziel ausgegeben. Mit dem „Umsatztreiber“ Dr. Oetker soll das möglich sein und mit dem konsequenten Weiterverfolgen von Werten, Wirtschaftlichkeit und Regionalität auf dem Globus.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch