Albverein bietet Wanderung wie zu Zeiten Karls IV. an

Unterwegs auf der Goldenen Straße

Bei Steigungen zog sich die Gruppe auseinander. Foto: S. Schultz2016/05/7176220.jpg

HARTMANNSHOF / HERSBRUCK – Ob sich hier wohl zu Zeiten Karls IV. Fuhrleute, Händler und Reisende über Stock, Stein und Wurzeln quälten? Das fragten sich die Teilnehmer der Wanderung des Fränkischen Albvereins Hersbruck entlang der Goldenen Straße. Anlässlich des Karls-Jubiläums bietet der Wanderverein vier mit Historie durchwirkte Etappen mit der Markierung „Böhmischer Wappen-Löwe“ an – eine davon führte über rund 16 Kilometer von Hartmannshof nach Hersbruck. Und die HZ war dabei.

„Die sind nie im Tal gefahren, immer auf den Höhen“, erklärt Hans Treuheit während des Marsches nicht nur einmal. Der drahtige Mann ist Vorsitzender des Albvereins und hat sich zusammen mit den Wanderführern der einzelnen Abschnitte akribisch in die Geschichte der Goldenen Straße eingearbeitet. Die Damen und Herren haben merklich eine Leidenschaft für Wandern und Geschichte. „Das Tal war versumpft, voller Urwald“, weiß Treuheit.

Daher geht die Wanderung an diesem Tag über Hunas und den Steinbruch auf die Höhe zum Zankelstein, über die Flanke des Lichtensteins nach Hohenstadt und dort über die Bergflanke und die Prager Straße hinein nach Hersbruck. „Genau hier oben ist die Goldene Straße sicher nicht verlaufen“, gibt Treuheit zu, aber fest steht: Die Urlinien der Hohlwege lagen über dem Tal. Und daher muss sich die stattliche Zahl an Männern und Frauen mehrmals bergan quälen.

„Boah, 34 Leute!“, ruft Andrea Oehme, die Wanderführerin, aus, als sich die Gruppe pünktlich am Bahnhof Hartmannshof sammelt. Sie ist ein bisschen nervös, schließlich ist sie dafür verantwortlich, an den richtigen Stellen historische Infos einzustreuen. Es herrscht ein großes „Hallo“ am Treffpunkt, viele kennen sich von den ersten Etappen. Kein Wunder, dass die Männer und Frauen mit Rucksäcken, Stecken, Stiefeln, Getränken, Käppis und Karohemden ausgestattet sind. Unverkennbar Wanderer, jedoch mit unterschiedlichen Ambitionen.

Während die einen bei Sonnenschein die Teerstraße nach Hunas hinauf rasch nehmen, vergehen sich die anderen in Plaudereien oder schauen fasziniert das Zementwerk an. Die Gruppe zieht sich weit auseinander, auch als die Straße in einen Feldweg mündet. Zwischen blühenden Wiesen schnaufen die Teilnehmer hoch zum Steinbruch. Dort ordnet Oehme einen Stopp an – für Wissenswertes zur Örtlichkeit und zum Ausschnaufen: „Gibt’s da’nen Kasten Bier?“, scherzt einer.

Ist die Höhe erreicht, schlängelt sich der Weg im schattigen Wald über Steine und Wurzeln auf dem Plateau. „Wir wohnen so nahe, aber sind noch nie hier gewesen“, ist ein Pärchen ganz begeistert. Die Vögel zwitschern und die Gruppe antwortet mit einem beständigen Gebrabbel über Autos, Fußball, Hausarbeit oder Familie. Jeder kommt mit jedem leicht ins Gespräch. Und wer nicht reden will, tippt einfach auf dem Handy herum. Ein bisschen Schulwandertag bei Erwachsenen.

Und da wäre es beinah passiert: Vor lauter Ratschen und Voranstapfen verpasst die Spitzengruppe den Abzweig bei einer Wiese in Richtung Zankelstein. Ein lautes „Hallo“ und heftiges Gestikulieren fangen die Ausreißer wieder ein. Der Weg wird zu einem hübschen, steilen Waldpfad, auf dem sich der Lindwurm hinaufschiebt. Oben herrscht Andrang auf dem kleinen Gipfel. „Schubs mal ein paar runter“, witzelt ein Ungeduldiger.

Nicht alle trauen sich die kleine Klettereinlage auf die Felsen über dem Abgrund zu. Einige stürmen forsch voran, andere tasten sich nach oben, um den Ausblick zu genießen. „Schaut super aus, der Blick ins Tal“, schwärmt einer, der hoch droben thront. In einer Schlange stellen sich die Wartenden artig an, bis alle den Zankelstein erklommen haben.

Die Atmosphäre in der Truppe ist gut: Immer wieder wird auf Nachzügler gewartet. Wer etwas am Wegesrand entdeckt, wie Mehlbeere oder große Anemone, zeigt es gerne den anderen. Und: Den historischen Pausenfüllern wird aufmerksam gelauscht. Warum die Leute denn auf der Höhe gereist sind, überlegt einer laut. „Weil sie im Tal erst recht überfallen wurden“, antwortet Treuheit. Überhaupt kommen die vielen Gespräche immer wieder auf die Goldene Straße. Ein Beweis für die gelungene Mischung aus Wandern und Geschichtsstunde.

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