„Alte Musik“ lebendig serviert

Im Rahmen des „Fränkischen Sommers“ machte das „Concerto Würzburg“ mit einem ungewöhnlichen Programm in der Hersbrucker Stadtkirche Station. Foto R. Pflaumer2010/09/5_2_3_2_20100908_MUSIK.jpg

HERSBRUCK – Das Festival „Fränkischer Sommer“ verbindet musikalische mit räumlichen Erlebnissen, was zu (beabsichtigten) „Wanderbewegungen“ kunstinteressierter Hörer führt. So konnte Stadtrat Peter Uschalt auch viele Nicht-Hersbrucker in der Stadtkirche begrüßen, welche seine Hinweise auf die Sehenswürdigkeiten des Ortes mit regem Interesse in der Konzertpause quittierten.

Der Besuch eines Konzertes des „Fränkischen Sommers“ wird nicht nur mit schönem Klang und künstlerischen Leistungen in schönen Räumen belohnt, sondern auch mit manchem musikhistorischen Aha-Erlebnis. Die Profis der Szene „Alte Musik“ wählen ihre Konzertprogramme in der Regel mit wissenschaftlicher Sorgfalt aus, ergründen das Umfeld einer Komposition, folgen den Spuren stilistischer Entwicklungen und stellen durch den Einsatz historischer Instrumente eingefahrene Hörgewohnheiten zur Diskussion. Alles sehr ehrbar und oft auch spannend – doch liegt die wahre Kunst in der Fähigkeit, alles Wissen und Können in lebendige Musik umzusetzen. Und eben hier liegt das Verdienst des „Fränkischen Sommers“ und – an diesem Abend – des „Concerto Würzburg“. Mit seinem durchaus ungewöhnlichen Programm löste das Ensemble in der Hersbrucker Stadtkirche schlichtweg Begeisterung aus.

Die Mitglieder des „Concerto Würzburg“, im „normalen“ Leben Stimmführer im Philharmonischen Orchester ihrer Stadt, haben es sich zur Aufgabe gemacht, vergessene, in und um Würzburg entstandene Klassik wieder aufleben zu lassen. Bei der Suche nach Komponisten aus diesem Raum stießen sie unter anderem auf Georg Anton Kreusser und Franz Xaver Sterkel. Beide sind dort geboren, Sterkel verbrachte auch einen wesentlichen Teil seines beruflichen Lebens in Würzburg.

Von Kreusser, dessen berufliche Karriere in eine Kapellmeisterstelle in Frankfurt am Main mündete, erklang das Flötenquintett op. 10, Nr. 1 in D-Dur, von Sterkel das Klavierquartett in F-Dur. Beides sind Beispiele für die bürgerliche Musikkultur ihrer Zeit, wenig spektakulär, jedoch von individuellem Tonfall. Bei Kreusser schimmert noch der „Galante Stil“ durch, sind auch barocke Affekte auszumachen; bei Sterkel ist der angebliche Einfluss auf Beethoven durchaus nachvollziehbar. Beide Werke boten eine wunderbare Vorlage für den lustvollen musikalischen Zugriff, den das „Concerto Würzburg“ praktizierte: Verena Fischer mit weichem, doch stets leuchtendem Traversflötenklang, Geiger Franz Peter Fischer mit perkussiver Bogentechnik, Makoto Sudo mit elegant gespielter Viola, Dmitri Dichtiar mit kernigem Violoncello-Sound ein Fels in der Brandung. Florian Birsak erwies sich am Wiener Brodmann-Flügel von 1808 als buchstäblich „hintergründiger“ musikalischer Gestalter.

Anfang und Ende des Abends gehörten Wolfgang Amadeus Mozart. Konnte man die Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“ in der Fassung für Flötenquartett (gesetzt vom Wiener Oboisten Jan Nepomuk Wend) noch für einen witzigen Aufmacher halten, so schlug die berühmte g-Moll-Sinfonie KV 550 des Meisters in der Reduktion auf Klavier, Flöte, Violine und Violoncello wie eine Bombe ein. An das mehr von Farbe als von Lautstärke dominierte Klangbild von Pianoforte, Traversflöte und darmbespannten Streichinstrumenten hatte man sich inzwischen gewöhnt. Um so eindrucksvoller war das Erlebnis, welches die vom Mozart-Schüler Johann Nepomuk Hummel (dem die Trompetenwelt eines ihrer wichtigsten Solokonzerte verdankt) erstellte kammermusikalische Fassung vermittelte.

Das von einer Vielzahl sinfonischer Interpretationen verwöhnte (manchmal auch verstopfte) zeitgenössische Ohr konnte die Erfahrung machen, weder klanglich noch musikalisch irgendetwas zu vermissen. Dies ist nicht nur der genialen Bearbeitung Hummels zuzuschreiben, sondern eben auch der wissenden Interpretation von „Concerto Würzburg“. Für den ausführlichen Beifall bedankte sich das Ensemble mit einer weiteren Nummer aus „Figaros Hochzeit“.

Susanne Pflaumer

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