Schutz der Gemeinde

Happurg und ein Hochwasserszenario

Zusätzlich 1,45 Millionen Kubikmeter Wasser kann der Stausee fassen, wenn die Stauklappe an der Sperre aufgestellt wird. | Foto: M. Münster2021/10/redwebP1110516.1.jpg

HAPPURG – Was wäre wenn …? Diese Frage haben sich auch etliche Happurger Bürger angesichts der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gestellt. Immerhin befindet sich in ihrer unmittelbarer Nähe der Stausee. Die HZ hakte diesbezüglich bei der Gemeinde nach.

Die Gemeindeverwaltung holte zur Beantwortung dieser Frage das Wasserwirtschaftsamt mit ins Boot. Simon Preiß, der dort für den Landkreis Nürnberger Land zuständig ist, beruhigt. Für Happurg bestehe keine Gefahr bei anhaltendem Starkregen und Unwetter.

Das Happurger Unterbecken hat einen Nutzinhalt von 1,8 Millionen Kubikmeter. Gegenwärtig bewege sich der Wasserstand um 365 bis 366 Meter über dem Normalnullpunkt (müNN). Die Hochwasserentlastungsanlage des Sperrenbauwerks hat bei gelegter Stauklappe eine Überlaufhöhe von 366 müNN. Wird die Klappe aufgestellt, können zusätzlich 1,45 Millionen Kubikmeter aufgenommen werden. Der Höchststau liegt damit bei 368,5 müNN.

Klare Vorgaben

Eine Dienstanweisung aus dem Jahr 1988 regelt den Betrieb, auch im Hochwasserfall. Grundsätzlich soll danach das Wasser von Rohrbach und Kainsbach, das dem Stausee zuläuft, auch in den Happurger Bach abgegeben werden. Bevor der jedoch innerorts ausufert, werde die Stauklappe aufgestellt und so das Rückhaltevolumen vergrößert. Auch stärkere Hochwasserereignisse könnten damit zurückgehalten werden.

Im Hochwasserfall erfolge die Information der Bürger durch den amtlichen Katastrophenschutz. Zum direkten Austausch sitzen in der Führungsgruppe Katastrophenschutz dann auch Vertreter von Uniper und Wasserwirtschaftsamt.

Restrisiko bleibt

Die Möglichkeit, Hochwasser zurückzuhalten, sei aber nicht unerschöpflich. Ein Restrisiko für extreme Ereignisse bleibe also. Dann gilt: Was oben zufließt, muss über die Hochwasserentlastungsanlage auch abfließen. Droht ein derartiges Szenario, könne rechtzeitig mit einer Evakuierung begonnen werden, denn die Messeinrichtungen zur Überwachung der Talsperre ermöglichen eine frühzeitige Warnung der Bürger.

Weil aber nur eine funktionstüchtige Talsperre einen effektiven Beitrag zum Hochwasserschutz liefern kann, stieß Uniper bereits 2019 eine vertiefte Überprüfung der Stauanlage in Happurg an. Erst kürzlich wurde im Rahmen einer Teilmaßnahme zeitweise mehr Wasser als sonst in den Happurger Bach abgegeben, um die Grundablässe zu überprüfen. Das sorgte in der Bevölkerung auch für Verunsicherung. Auf Nachfrage versicherte Uniper jedoch, dass diese Prüfung turnusmäßig erfolgte, also völlig unabhängig von der Hochwasserkatastrophe in Deutschland.

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