Verkehrserziehung an der Mittelschule

Wann bleibt das Fahrzeug wirklich stehen?

Bei den Pylonen soll schlagartig eine Vollbremsung hingelegt werden. Wo kommen die Kinder tatsächlich zum Stehen? | Foto: Spandler2016/07/adac1.jpg

FEUCHT – Kinder wachsen heute in einer mobilen Welt auf, in der das Auto ein wesentlicher Bestandteil des Alltags ist. Dennoch können sie die Risiken, die damit verbunden sind, oft nur unzureichend abschätzen. Daher hat es sich der ADAC zur Aufgabe gemacht, Kinder im Straßenverkehr fit zu machen, und altersspezifische Unterrichtseinheiten entwickelt. Diese Module, die unter dem Begriff „Hallo Auto“ firmieren, werden so praxisnah wie möglich gestaltet. Die Klassen 5a und 5g der Mittelschule kamen in dieser Woche in den Genuss.

Sebastian Vieth, im richtigen Leben Student der sozialen Arbeit, hat eine Zusatzausbildung beim Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) gemacht, und das merkt man auch daran, wie er mit den Elf- bis Zwölfjährigen umgeht. Sie haben heute Unterricht auf der abgesperrten Straße und versuchen in verschiedenen Experimenten herauszufinden, wie lange es dauert, wenn man wegen eines Hindernisses auf der Straße plötzlich anhalten muss.

Zunächst erhalten die Jungs und Mädels von Klassenlehrerin Pia Pakaski und Praktikantin Stefanie Hauenstein Namensschilder, dann bilden sie Gruppen und treten zu kurzen Sprints an. Der Sinn ist aber nicht, der oder die Schnellste zu sein, sondern zwischen zwei Markierungen zu laufen, wobei an der zweiten schlagartig gebremst werden soll. Dort, wo die Schüler tatsächlich zum Stehen kommen, werden Kreidestriche gemacht. Schnell wird festgestellt, dass die Kinder noch zwei bis drei Schritte brauchen, bevor sie tatsächlich stehen. Das zweite Experiment verläuft ähnlich, nur wissen die Schüler hierbei nicht, wann Vieth mit der Fahne das Signal zum Bremsen geben wird. Ergebnis: Hier brauchen sie deutlich länger, bis sie sich nach dem Stopp-Kommando wirklich nicht mehr fortbewegen.

Im lockeren Frage- und Antwortspiel wird herausgearbeitet, woran das liegt. Mit vereinten Geisteskräften stellen die Jungen und Mädchen schließlich fest: Wenn man weiß, wo man halten muss, braucht man keine zusätzliche Zeit, um das Bremsen umzusetzen. Wenn das Vollbremsungssignal dagegen unerwartet kommt, dauert es länger, man muss die Reaktionszeit mit einberechnen, bevor die eigentliche Bremszeit beginnt.

Im nächsten Schritt übertragen die Teilnehmer der Verkehrserziehungsstunde die Erkenntnisse dann auf den Straßenverkehr und tragen Situationen zusammen, in denen man unvorhergesehen bremsen und die Formel „Reaktionsweg + Bremsweg = Anhalteweg“ anwenden muss. So erleben die Kinder einerseits praxisnah, wie man sich im Verkehr verhält, damit man gegebenenfalls mit dem Fahrrad noch rechtzeitig anhalten kann, wenn es nötig ist, andererseits aber auch, wann das Auto stehenbleibt, wenn sie selbst plötzlich auf die Straße laufen.

In weiteren Schritten des 90-minütigen Programms lernen sie an Beispielen, wie lange der Bremsweg eines Fahrzeugs ist, wenn es bei 50 km/h bremst, und letztendlich sehen sie das Ganze aus Sicht des Fahrers, wenn sie am Schluss auf dem Beifahrersitz eine plötzliche Vollbremsung bei 30 km/h erleben.
Seit 1997 führt der ADAC Nordbayern diesen unkonventionellen Verkehrsunterricht durch und hat seit dieser Zeit mehr als 235.000 Schüler der fünften und sechsten Jahrgangsstufen durch „Hallo Auto“ fortgebildet. Stolz ist man bei der Organisation darauf, dass die Verkehrssicherheitsprogramme für die Schulen kostenlos sind.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren