Geschichtlich-musikalischer Rückblick auf 700 Jahre

Karl IV. liebte das Frankenland

Nicht staubtrocken, sondern lebendig und interessant - Dr. Birgit Friedel (von links), die zusammen mit Pavel Sandorf, Alice Graf und Günter Schmidt-Klör (nicht auf dem Foto) im Feuchter Zeidlerschloss auf „700 Jahre Kaiser Karl IV“ und seine Nachfolger zurückblickte. | Foto: Krätzer2016/11/kaiser-Karl-Vortrag.jpg

FEUCHT – Pest und Judenpogrome, Kälteeinbrüche mit Hungersnöten, Glaubenskriege, Handwerker- und Bauernaufstände, Giftmorde, Kinderehen, Türkenkriege – das sind nur einige Begriffe, die die Zeit des Mittelalters und die nachfolgenden Jahrhunderte beschreiben. Als oberste Herrscher lenkten die Könige und Kaiser die Geschicke der Länder Europas. Einer der bekanntesten und facettenreichsten war Karl IV. von Luxemburg, König von Böhmen, Italien und Burgund, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Wie kein Fürst vor ihm verband er Böhmen mit Bayern – allein Nürnberg besuchte er insgesamt 72-mal. Vor 700 Jahren kam er, getauft auf den Namen Wenzel, in Prag zur Welt. Ein Jubiläum, das der Freistaat Bayern und die Tschechische Republik gemeinsam mit diversen Veranstaltungen feiern.

Mit einer musikalisch begleiteten Zeitreise in die Vergangenheit beteiligte sich jetzt Feucht an diesem länderübergreifenden Projekt. Zu einem Abend mit „Kaiser Karl IV. und seinen Nachkommen“ hatten der Kulturkreis des Marktes Feucht und der Musikbund Feucht eingeladen und Bürgermeister Konrad Rupprecht konnte sich über ein volles Zeidlerschloss freuen. Als Spezialistin für die Geschichte der Nürnberger Burg führte die Mittelalterarchäologin Dr. Birgit Friedel durch die Geschichte Karls IV. und der Potentaten, die nach ihm Zepter und Reichsapfel in Händen hielten. Mit ausgesuchter Musik von Instrumentalstück bis Volksweise begleiteten sie Pianistin Alice Graf, Pavel Sandorf (Klarinette, Gitarre und Gesang) sowie der Maler und Bildhauer Günter Schmidt-Klör (Gesang und Gitarre).

Von Karl IV. bis zu Maria Theresia und ihrem Sohn Franz Josef I. – der Ehemann von Kaiserin Elisabeth „Sissi“ – schlug Friedel den Bogen, verpackte dabei geschickt ungemein viel an Informationen mit interessanten Details. Schon mit sieben Jahren wurde Karl nach Frankreich an den Hof geschickt und gleich verheiratet. Das sei damals gängige Praxis gewesen, sagte die Geschichtsforscherin. Dass diese Ehen meist keine Liebesbeziehungen waren, versteht sich. Doch Karl (1316 – 1378) hatte das Glück, mit seiner ersten Frau Blanca von Valois eine Liebesbeziehung zu haben. Details wie diese, oder dass Karl IV. mehrere Sprachen fließend sprach, die Kunst förderte und selbst seine Biografie schrieb, ließen ihn und seine Zeit lebendig werden.

Intrigen, Machtkämpfe, Kriege, Heiratspolitik – jeder Kaiser hatte seine Konfliktfelder. Karls Sohn Sigismund (1368 – 1437) beispielsweise musste sich unter anderem mit den Aufständischen um den Theologen, Prediger und Reformator Jan Hus auseinandersetzen. „Erzschlafmütze“ lautete der Spitznamen von Kaiser Friedrich III. (1415 – 1493) – er habe am längsten regiert und den Mittelpunkt des Reiches von Böhmen nach Österreich verlagert, so Friedel. Seine angebliche Untätigkeit habe ihm diesen Namen eingebracht, unberechtigterweise, denn er habe an die 50.000 Urkunden hinterlassen.

Duett vom „Feinsliebchen“

Wunderbar passend und auflockernd dazu die Musik, wie das Lied vom „Feinsliebchen“ – Duett Sandorf und Schmidt-Klör – bei dem ein gut situierter junger Mann um ein Dienstmädchen wirbt, oder das Spottlied des adligen Liedermachers aus Südtirol, Oswald von Wolkenstein. Besonderen Eindruck hinterließ das Hussitenlied („Die, die Gottes Kämpfer sind“) mit seinem düsteren Männergesang, eine Aufnahme, die Sandorf kurz einspielte.

Fakten und geschichtliche Zusammenhänge so unterhaltsam und abwechslungsreich wie von Friedel und ihren Begleitern präsentiert zu bekommen, lässt die Großen der Geschichte wieder lebendig werden – nicht als staubtrockene Mumien, sondern als Menschen mit Fähigkeiten und Verantwortungen, eingebunden in ihre Familien und ihre Machtpolitik. So war diese Reise in die Vergangenheit ein Vergnügen, für das sich die Gäste im Zeidlerschloss mit lang anhaltendem Applaus bedankten.

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