Der Staatsschutz ermittelt

Drohbrief an die Röthenbacher Moschee

Dieses Foto veröffentlichte die Türkisch-Islamische Gemeinde. Es soll den Drohbrief zeigen. | Foto: Ditib Röthenbach2020/03/nnn.png

RÖTHENBACH — Die Türkisch-Islamische Gemeinde Röthenbach hat am Donnerstag einen mit einer scharfen Patrone versehenen Drohbrief erhalten. Der Schock sitzt tief, doch inzwischen häufen sich auch die Solidaritätsbekundungen.

„Ihr werdet niemals sicher sein!“: Das ist der Wortlaut des Schreibens, das Ditib Röthenbach auf seiner Facebook-Seite dokumentiert. Es habe sich am Donnerstag im Briefkasten der Moschee am Bahnhofsplatz befunden. Fotos zeigen einen blauen Umschlag, eine Karte mit einem Schweinemotiv darauf und die darin befindliche Patrone.

Die Polizei sei informiert, so die Türkisch-Islamische Gemeinde weiter. „Wir erwarten von den zuständigen Behörden, dass solche Fälle aufgeklärt und die Verdächtigen gefasst und bestraft werden“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Gemeindemitglieder rufe man zu erhöhter Aufmerksamkeit auf.

Angst vor Gewalttaten hat Recep Calik, der Vorstandsvorsitzende, aber nicht: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Unser Freitagsgebet wird weiter stattfinden wie gewohnt.“ Dennoch will die Gemeinde Kontakt zum Bayerischen Innenministerium aufnehmen. Calik zur Pegnitz-Zeitung: „Wir werden um Schutz bitten, mindestens,  bis der Täter gefasst ist. Wir wollen unsere Mitglieder schützen und auch beruhigen.“

Der Staatsschutz ermittelt

Inzwischen ermittelt das Kommissariat für Staatsschutz der Schwabacher Kriminalpolizei. „Im Fall des Drohbriefs ist ein politischer Hintergrund möglich, er ist also staatsschutzrechtlich relevant“, sagt Michael Konrad, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken. Seit dem Anschlag in Hanau sei die Polizei noch sensibler, was Drohungen gegenüber religiösen Einrichtungen angehe. 

„Jetzt läuft das komplette Programm an. Der Brief wird auf DNA-Spuren und Fingerabdrücke untersucht, ebenso wie die Patrone. Fragen wie ‚Woher kommt die Munition?‘ und ‚Wer ist im Besitz so einer Patrone?‘ werden untersucht“, so Konrad. Ob der Brief bis zu seinem Sender zurückverfolgt werden kann, ist offen. „Ermittelt werden kann zunächst das passende Verteilzentrum der Post“, sagt der Polizeisprecher. 

Welle der Solidarität

In den sozialen Medien rief die Nachricht von dem Drohbrief eine Welle der Solidarität hervor. Norbert Dünkel, CSU-Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Nürnberger Land, äußerte sich wie folgt: „Wir sind ein demokratischer Rechtsstaat. Wir werden mit allen Mitteln auf solche Aktionen reagieren.“

Auf „Hass, Hetze, Diffamierungen“ folge jetzt der nächste Schritt, so Klaus Hacker, der Röthenbacher Bürgermeister, „die Grenze ist schon lange überschritten“. Er sei stolz darauf, dass Röthenbach „bunt, offen, transparent, demokratisch“ sei. „Jetzt gilt mehr als bisher: für ein friedliches Miteinander in einer offenen Gesellschaft“, so der FW-Politiker in einer Erklärung am Freitagmorgen.

Zum Freitagsgebet kommen Muslime aus der ganzen Umgebung in die Moschee am Röthenbacher Bahnhofsplatz. | Foto: Andrea Beck2020/03/derewrwerewr-scaled.jpg

Die Stadt hat inzwischen eine Kundgebung für Mittwoch, 11. März, angekündigt. Hacker erwartet ein breites Bündnis, das sich um 16.30 Uhr vor der Moschee versammeln und gegen 17 Uhr gemeinsam zum Röthenbacher Rathaus ziehen soll. Eine ähnliche Demonstration gab es nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo.

Ein gemeinsames Statement veröffentlichten die evangelische und die katholische Kirchengemeinde. Darin wird die „gute Nachbarschaft“ zur Moschee betont. „Wir sind zutiefst betroffen angesichts dieses beleidigenden und menschenverachtenden Schreibens“, so Pfarrer Alexander Mielke und Pastoralreferent Otmar Herzing.

Es gab bereits Drohungen

Anfeindungen gegen die Türkisch-Islamische Gemeinde gab es bereits in der Vergangenheit. 2011, als die Bauarbeiten für die neue Moschee am Bahnhofsplatz begannen, griff eine rechte Internetseite das Vorhaben auf. Daraufhin hagelte es wütende E-Mails aus der ganzen Bundesrepublik. Die Röthenbacher Stadtverwaltung berichtete von teils aggressiven Beschimpfungen.

Im April 2017 schließlich zeigte ein polizeibekannter und offensichtlich verwirrter 35-Jähriger vor der Moschee den Hitlergruß. Auch er stieß Drohungen aus.

In Röthenbach leben viele Muslime

Die Türkisch-Islamische Gemeinde hat nach eigenen Angaben rund 430 Mitglieder. Insgesamt leben in der Pegnitzstadt rund 1300 Muslime. Das sind etwa zehn Prozent der Einwohner.

Erst vor ein paar Tagen fand in der Moschee eine Gedenkfeier für die zehn Opfer des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau statt.

Update: Wie die Polizei am Freitagnachmittag bekanntgegeben hat, ist der Drohbrief an die Röthenbacher Moschee wohl Teil einer Serie. Seit Dezember seien mehrere ähnliche Schreiben verschickt worden.

as, abe, amh

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