Susanne G.

Tief im rechten Sumpf gefangen

Während eines Aufmarschs der Partei "III. Weg" in Bamberg im März 2020 war Susanne G. als Ordnerin tätig. | Foto: Miller2021/01/sssgg.jpg

DIEPERSDORF/KARLSRUHE — Sie nahm regelmäßig an rechtsextremen Aufmärschen teil, begleitete als Ordnerin neonazistische Demonstrationen in Städten wie Nürnberg, Bamberg, Wunsiedel oder Chemnitz und plante wohl Brandanschläge. Die Heilpraktikerin Susanne G., die vom Generalbundesanwalt wegen der Vorbereitung einer „schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ angeklagt wurde, steckte tief im Sumpf der rechtsradikalen Keinstpartei „III. Weg“.

Wie der Spiegel berichtet, soll die 55-Jährige enge Verbindungen zur Spitze der Partei um den Bundesvorsitzenden Klaus Armstroff gehabt haben. Außerdem habe sie rechtsextreme Gesinnungsgenossen im Gefängnis betreut. Zu diesen zählten laut Spiegel auch zwei Helfer der Terrorzelle NSU, als diese in Haft saßen: Ralf Wohlleben und André E.

Dass Susanne G. gute Kontakte zur Parteispitze hatte, ist laut BR-Reporter Jonas Miller durch die Größe und die Struktur der Partei zu erklären, die in Deutschland rund 500 Mitglieder hat. „Da kennt jeder jeden. Die Mitglieder des III. Wegs sind nicht klar hierarchisch strukturiert, sondern fühlen sich als Kameradschaft“, sagt Miller.

Die Stimmung dort sei äußerst radikal. „Susanne G. war eine tickende Zeitbombe“, so Miller. Ihre Verhaftung hat ihn nicht überrascht.

Auswirkungen auf die NSU-Ermittlungen?

Die Kommunikation der 55-Jährigen mit Helfern des Terrornetzwerks NSU wird nun im Zug der Ermittlungen analysiert. „Falls sich neue Erkenntnisse ergeben, könnten diese auch in die NSU-Ermittlungen einfließen“, sagt Markus Schmitt, Pressesprecher der Bundesanwaltschaft.


Angesichts der Verstrickung von Susanne G. mit der rechtsradikalen Szene mehrt sich Kritik an ihrer Bezeichnung als „Einzeltäterin“. Doch dieser Begriff ist vor allem ein juristischer. „Es ist keine Straftat, ein bestimmtes Klima in einer Partei zu erzeugen“, sagt Schmitt.

Um anzuklagen, brauche die Staatsanwaltschaft Beweise für die Mithilfe oder die Anstiftung von Susanne G. durch weitere Personen. Bisher hat die Polizei noch keine Erkenntnisse über die Beteiligung von Dritten. Auch im näheren Umfeld der 55-Jährigen ist aktuell niemand verdächtig.

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