Forstverwaltung: Jetzt die Bestände kontrollieren – Verheerende Trockenheit

Borkenkäfer gefährdet Fichten

Harald Gebhardt zeigt die Rinde einer vom Buchdrucker „erlegten“ Fichte: Die Strukturen des Schädlings an der Rindenschuppe lassen an eine aufgeklapptes Buch denken. Wo der Käfer so gründliche zugeschlagen hat, ist der Baum nicht mehr zu retten. Foto: Spandler2014/08/borkenkaefer.jpg

OBERFERRIEDEN/HERSBRUCK – „Der Regen im Juli kam zu spät“, ist Forstdirektor Harald Gebhardt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth überzeugt. Nachdem der Natur bis einschließlich Juni 50 Prozent Niederschläge in diesem Jahr fehlen, ist es nach den jüngsten Regengüssen zwar nicht zu spät für den Wald an sich, aber zu spät, um das hohe Maß an Gefährdung der Fichtenwälder durch den Borkenkäfer zu ignorieren. „Noch steht die Ampel auf Gelb“, drückt er es der Forstmann aus, doch wenn die Waldbesitzer sich nicht kümmern und die Schädlinge, die von der über einjährigen Trockenheit im Wald profitieren, sich ungehemmt weiter vermehren, kann dies für viele der verbreiteten Nadelbäume den Tod bedeuten.

Bereits der Juli des vergangenen Jahres war extrem trocken, und die Forstleute haben die Entwicklung der Borkenkäfer daraufhin mit Sorge beobachtet. So konnte man schon im vergangenen September und Oktober deutlichen Käferbefall feststellen, erklärt der Fachmann. Durch die Dürre haben viele Fichten bereits im vergangenen Jahr Schaden genommen, und nachdem auch der Winter keine ergiebigen Niederschläge erbrachte, wurde im Frühjahr eine intensive Aktivität der Käfer festgestellt.

Dennoch ließ sich aus Sicht der Waldbesitzer und Forstleute noch feststellen: Es ist ruhig an der Käferfront. Die Insekten sind zwar geschwärmt, aber man hatte mit mehr gerechnet, wie die Stationen für das Borkenkäfer-Monitoring zur Überwachung der Populationen ergaben. Den Grund dafür verrät Gebhardt auch und weist dabei auf einen weit verbreiteten Irrtum hin: Allgemein besteht die Ansicht, dass strenger Frost den Tieren schadet, so dass nur wenige Käferlarven einen kalten Winter überstünden. Von einem milden Winter glaubt man dagegen, dass er das Überleben der Insekten begünstige. Dies ist nicht richtig. Gerade in milden und feuchten Wintermonaten verbreiten sich schädliche Pilze und Viren, die den Tieren zusetzen und ihre Vermehrung einschränken. „Nur so können Populationen geschwächt werden“, weiß Gebhardt.

Im Mai ist daher eine ganz normale Käfergeneration geflogen und hat ihre Bruten ausgelegt, die sich wie üblich in fünf bis acht Wochen entwickelten. Vor etwa zwei Wochen war es dann so weit: Die erste Jungkäferwelle hat sich aufgemacht, und nun kommt wieder die Trockenheit ins Spiel: Die kleinen Tierchen bohren sich mit Vorliebe in Fichtenstämme, die mit wenig Wasser versorgt sind.

Wenn die Fichten besser beieinander sind, das heißt, noch über Feuchtigkeitsreserven verfügen, „dann wehrt sich der Baum mit der Produktion von Harz“, veranschaulicht der Forstdirektor die Mechanismen. Der kleine Kupferstecher und der große Buchdrucker werden dann förmlich im Harz ertränkt.

Sind die Bäume aber zu trocken, dann reicht es nicht zur Herstellung von flüssigem Harz und die Borkenkäfer machen es sich in der trockenen Rinde gemütlich. Dabei werden weitere Bruten angelegt, die man Geschwisterbruten nennt. Auch hier wird die erste Generation in den nächsten Tagen fliegen. Wie explosionsartig sich diese zerstörerischen Käfergenerationen auf die geschwächten Bäume auswirken können, lässt sich vorstellen, wenn man weiß, dass ein Käferweibchen 100.000 Käferlarven hervorbringen kann.

Um hier noch einigermaßen regulierend eingreifen zu können, zählen die Forstleute auf die Waldbesitzer. Sie werden nun dringend gebeten, in ihre Fichtenwälder zu gehen und nach Merkmalen von Borkenkäferbefall zu suchen. Typisch ist das Bohrmehl, so Gebhardt, das in kleinen Mengen als braune Krümel in den Rindenschuppen oder am Stammfuß zu finden ist, vorzugsweise auf der wettergeschützten, also der Ost-Seite. Verdächtig ist auch, wenn die Fichten wie Tropfkerzen aussehen, weil sie ihre Harzproduktion ankurbeln, um den Käfern zuzusetzen. Doch in diesem Jahr haben die Bäume dazu einfach nicht genügend Feuchtigkeit. Selbstverständlich berät das Forstamt auch gern, aber ohne die Mithilfe und gegenseitige Information der Waldbesitzer und eine mehrfache Kontrolle lässt sich das Problem kaum in den Griff bekommen.

Im Auge behalten sollte man vor allem die Südränder oder Waldstellen, an denen es im Jahr zuvor zu Bruch kam. Und wenn man bei der Untersuchung der Bäume tatsächlich fündig wird, dann hilft nur noch eins: fällen. Der Holzmarkt ist derzeit aufnahmefähig, versichert Gebhardt, doch muss der Verkäufer mit Einbußen rechnen. Im Großen und Ganzen seien die Privatleute, die Wälder besitzen, sensibel gegenüber dem Thema Borkenkäfer, speziell seit dem heißen Sommer 2003, als ganze Fichtenbestände gerodet werden mussten, weil sich der Schädling dort in Massen niedergelassen hatte.

„Es gibt wenige, die glauben, das Problem aussitzen zu können, aber die Forstverwaltung verfügt durchaus über Mittel und Wege, sie zum Handeln zu zwingen“, informiert der Spezialist aus Roth. Auch wenn sich die Saison noch nicht als eine käferproblematische erwiesen hat, so ist es doch genau jetzt an der Zeit, die Wälder und trockenen Fichten zu kontrollieren und schnell einzugreifen, denn „die Saison ist noch nicht zu Ende“, versichert Harald Gebhardt, und das enorme Vermehrungspotenzial der kleinen Tierchen sollte den Waldbesitzern Dampf machen.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler