Beim Treffen des Bündnisses für Familie ging es um die „Work-Life-Balance“

Angestellte wollen Zeit für ihre Kinder

Annette Zimmermann, Leiterin des Bündnisses für Familie, begrüßt die Gäste des Jahrestreffen im Karl–Heller–Stift. | Foto: Andrea Beck2019/10/Bundnis-fur-Familie-Rede-Zimmermann-2019-Foto-Beck.jpg

NÜRNBERGER LAND — Es ist ein Thema, das in den letzten zehn Jahren auf dem Arbeitsmarkt immens an Bedeutung gewonnen hat: die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens. Das „Bündnis für Familie im Nürnberger Land“ hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Landkreis zu fördern. Des Weiteren unterstützt das Bündnis, das 2003 auf Initiative des Landratsamtes Nürnberger Land gegründet wurde, Familien in schwierigen Lagen und bietet Beratung für Eltern sowie Unternehmen.

Auf der Jahresversammlung des Bündnisses im Röthenbacher Karl-Heller-Stift stellt die Leiterin des Bündnisses, Annette Zimmermann, aktuelle Projekte vor, die den Landkreis zu einem attraktiven Standort für Familien machen sollen. Das Bündnis bietet zum Beispiel Beratung für Firmen zur betrieblichen Kinderbetreuung und „Elterngeld Plus“.

Fachkräftemangel macht freundlich

Während noch vor 20 Jahren die Aufgaben klar verteilt waren und arbeitende Mütter in Teilzeit oder Väter als Kinderbetreuer unbedeutende Themen für Arbeitgeber waren, gilt die Offenheit gegenüber Angestellten mit Familie heute als ein Muss, um überhaupt Bewerber zu finden. 

Doch ist die Einrichtung flexibler Arbeitszeiten und die Möglichkeit des Home-Office nicht eher ein Luxus, den sich nur gut gestellte Unternehmen leisten können? „Ich würde es umgekehrt formulieren“, sagt Landrat Armin Kroder. „Die Firmen im Landkreis spüren den aktuellen Fachkräftemangel. Sie können es sich überhaupt nicht mehr leisten, den jungen Bewerbern, die heute sehr viel Wert auf die Familienfreundlichkeit legen, nicht entgegenzukommen“, sagt Kroder.

Sicherheit trotz Schwangerschaft

Offen gegenüber Angestellten mit Kindern oder hilfsbedürftigen Angehörigen zu sein, bedeutet für Personalreferentin Anja Seuß, die auf dem Bündnistreffen den Elektrotechnik–Hersteller ETA aus Altdorf vertrat, vor allem das Angebot flexibler Arbeitszeitverträge. Außerdem sei ein Verständnis für kurzfristige Ausfälle, zum Beispiel wenn das Kind krank wird, und die Sicherheit für Frauen, trotz Schwangerschaft und zweijähriger Pause weiter Teil der Firma zu bleiben, wichtig. 

Seuß ist selbst Mutter und hat auch negative Erfahrungen gemacht. „Zuvor habe ich für einen Großkonzern gearbeitet, in dem eine Schwangerschaft die Kündigung bedeutet hat. Aber ich habe schließlich nicht umsonst studiert. Die Arbeit würde mir fehlen“, sagt Seuß. 

Unternehmen und Organisationen, die im Landkreis Teil des Bündnisses werden wollen, unterzeichnen die „Charta für Familienfreundlichkeit“ und dürfen sich danach mit einer Urkunde schmücken. Die Mitgliedschaft ist mit keinen festen Verpflichtungen verbunden. Die Unternehmen und Gemeinden sprechen sich mit der Unterzeichnung öffentlich für die Förderung der Familienfreundlichkeit in Firma und Verwaltung aus und erkennen die gestiegene Bedeutung des Themas an.

Die Bündnisvertreter zusammen mit den fünf neuen Unterzeichnern der „Charta für Familienfreundlichkeit“(v.l.): Markus Deyhle, BRK Nürnberger Land; Annette Zimmermann, Bündnis für Familie; Gerald Vogt, Vogt GmbH; Angela Werbik, ZSI technology GmbH; Mechthild Gahbler, Blindeninsitut Rückersdorf; Matthias Ewelt, Stadtmission Nürnberg und Landrat Armin Kroder. | Foto: Andrea Beck2019/10/Bundnis-fur-Familie-2019-Unterzeichner-der-Charta-Foto-Beck.jpg

Zufriedenheit ist gut für die Firma

Auch diesmal unterzeichnen die Charta auf dem Jahrestreffen des Bündnisses fünf Vertreter von Firmen und Organisationen und stellen deren Maßnahmen für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor. Für den Keramikbauteile-Hersteller Vogt aus Henfenfeld ist das Thema laut Personalchefin Silke Fabinger von großer Wichtigkeit. 

„Trotz der industriellen Fertigung haben wir keine Schichtarbeit und ermöglichen flexible Arbeitszeiten. Wir bezuschussen die Kinderbetreuung und bieten einen Firmenkredit für Arbeitnehmer in Schwierigkeiten. Denn zufriedene Angestellte sind wiederum gut für die Qualität unserer Produkte“, sagt Fabinger. 

Für Mechthild Gahbler, Leiterin des Blindeninstituts Rückersdorf, ist die Familienfreundlichkeit sozialer Organisationen eine Selbstverständlichkeit. „Vor rund 20 Jahren sagte mein damaliger Chef ,Bei mir bekommen Frauen im gebärfähigen Alter keine Stelle in leitender Funktion‘. Ich bin froh, dass wir heute fortschrittlicher denken“, sagt Gahbler.

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck