Premiere der Opernkomödie „Mord in der Primadonnenloge“ im DHT

Vier Diven gehen auf Verbrecherjagd

Wer hat den Souffleur umgebracht? Helen Traubel (Gesche Geier), Inspector Cullen (Annette Kroll) und Mrs. Bing (Antje Cornelissen) ermitteln. Foto: Krieger2013/04/61669_mordinderprimadonnenloge-ik0002_New_1366387869.jpg

Aufmarsch der Diven im Dehnberger Hof Theater: Mit der luftig leichten Opernkomödie „Mord in der Primadonnenloge“ feierte am Donnerstag die zweite Eigenproduktion dieses Jahres Premiere.

Man nehme: eine Prise schwarzen Humor, eine Handvoll alter Agatha-Christie-Romane, zwei Packungen der schönsten Arien der letzten drei Jahrhunderte, garniere dieses mit einem stimmungsvollen Bühnenbild á la Film Noir und lasse das Ganze von vier talentierten Damen kräftig umrühren. Fertig ist das Krimisüppchen, das nach liebgewonnenen Klischees duftet und garantiert nicht auf den Magen schlägt. So oder so ähnlich lässt sich die neueste DHT-Produktion beschreiben. Ein Krimispaß, mit allem, was das Herz begehrt.

Die Story ist schnell erzählt: In der Metropolitan Opera in New York ist ein Mord geschehen. Der Souffleur musste das Zeitliche segnen. Blausäure ließ ihn dahinscheiden. Helen Traubel nimmt die Ermittlungen auf, unterstützt von der ebenso neugierigen wie resoluten Putzfrau Mrs. Bing, die in bester Miss-Marple-Manier ihren Putzlappen überall da schwingt, wo er nicht hingehört und unter dem Staub der Garderoben eine Intrige nach der Anderen ans Tageslicht befördert. Denn natürlich standen fast alle der Mitwirkenden in irgendeiner Beziehung zum Souffleur, Liebesaffären eingeschlossen. Spätestens da ist klar – hier wird genüsslich mit Versatzstücken gespielt, bis der Vorhang fällt. Die Story ist ein Mix aus allem, was das Krimiarchiv hergibt.

Für eine reine Krimikomödie wäre das zu abgedroschen, doch „Mord in der Primadonnenloge“ lebt von vier unglaublich guten Protagonistinnen, die das Stück mit ihrem musikalischen und schauspielerischen Können steil nach oben katapultieren. Hilde Pohl am Klavier in der Rolle des unscheinbaren und dubiosen Pianisten Karl Ecker ist allein schon den Abend wert. Wenn sie in die Tasten greift, ersetzt das ein ganzes Orchester.

Antje Cornelissen als Mrs. Bing ist ein fränkisch resoluter Putzdrachen mit vielen Lebensweisheiten, der den Verbrauch von Klopapierrollen notfalls mit dem Besen eindimmt und sich selbst auf der großen Bühne der „Met“ nicht dazu bringen lässt, ihre Rolle zu verlassen: „Ich sing garantiert ned“, schmettert sie im Kittel.

Das tun Gott sei Dank dafür Annette Kroll vom Staatstheater Nürnberg und Sopranistin Gesche Geier aus Regensburg, die musikalischen Perlen dieses Abends. Kroll in gleich drei Rollen, nämlich als Inspector Cullen sowie als junge ehrgeizige Soubretten „Sue Brett“ und Hilda Sempel, die sich bemühen, endlich einen Sprung auf der Karriereleiter zu machen.

Gesche Geier als Chefermittlerin Helen Traubel und als launische und exaltierte Operndiva Elsa Vaughan, die im Laufe des Abends zur zentralen Figur wird. In ihren Roben ist sie eine Augenweide, in ihren Solos erfüllt ihr voller Sopran den ganzen Raum: Augen schließen, und schon wähnt man sich tatsächlich in der Oper, wo gerade die Tosca gegeben wird.

Wettbewerb der Diven

Dass die Traumrolle jeder Sopranistin auch im Stück den Wettbewerb der Diven entfacht, ist nur logisch und so mühen sich Hilda Sempel und Sue Brett verzweifelt ab, ein bisschen Glanz neben der Diva zu erhaschen. Krolls dunklerer noch jugendlicherer Sopran ist für diese Partien bestens geeignet, zieht er im Duett mit der großen Diva doch eindeutig den Kürzeren. Das kostet diese natürlich aus: Sie könne nie mit, sondern wenn überhaupt einmal neben ihr singen, lässt sie die Nachwuchshoffnung gnadenlos wissen.

All das macht Spaß, weil Regisseur Ulrich Proschka, der am Staatstheater Nürnberg das Musiktheater verantwortet, und Autorin Katharina Wingen schöne Arien wie Mozarts „Wo sind die schönen Momente“ (Don Giovanni) und „Ich lebte von der Kunst“ aus Puccinis Tosca ausgewählt haben, die die Stimmen der Sängerinnen zur vollen Entfaltung bringen. Die Story selbst hingegen bietet kaum Überraschungen, von ein bisschen Wortwitz und Slapstick mal abgesehen. Alles in allem ein nettes Stück, das von der Musik getragen wird.

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