Kommenden Mittwoch soll die Entscheidung fallen

Kultur auf der Kippe

Romantischer Abend in der Altdorfer Innenstadt: Ein Luftbild der MIA-Ersatzveranstaltung AltdorfKulTour im vergangenen August. Ob das Festival in diesem Jahr stattfinden kann, soll sich spätestens kommenden Mittwoch entscheiden. | Foto: Bernd Bayerlein2021/07/Altdorf-KulTour-MIA-2020-Soulbuddies-scaled.jpg

ALTDORF – Das MIA Festival in Altdorf ist vom 23. bis 25. Juli geplant. Bislang wurden allerdings nur 14 Prozent des Kartenkontingents verkauft – die Veranstaltung droht deshalb auszufallen.

Die Stimmung ist so trüb wie der Himmel an diesem Freitagmorgen. Was als Pressegespräch der Veranstalter und Sponsoren des diesjährigen MIA Festivals geplant ist, entwickelt sich kurzfristig zu einer Krisensitzung. „Das Damoklesschwert hängt über unserem Festival“, eröffnet Günther Kraußer vom Altdorfer Kulturverein SoulBuddies. Das Problem sind die Vorverkaufszahlen für die Festivaltickets. „Stand heute sind 172 Tickets verkauft, also nur 14 Prozent des gesamten Kontingents“, erklärt er weiter.

Die gesamten Kapazitäten belaufen sich auf 1200 Eintrittskarten, in den letzten zwei Wochen kam der Vorverkauf gehörig ins Stocken.
Einerseits könne diese prekäre Situation, seiner Meinung nach, Corona-bedingt sein. „Nicht, weil die Corona-Regeln zu eng wären, sondern weil für viele der Ausblick wieder schlechter wurde“, sagt er. Zusätzlich stellt er sich die Frage, ob die Menschen nach allen Pandemie-bedingten Einschränkungen für eine größere Veranstaltung schon bereit wären. Außerdem sei das Wetter vielen möglicherweise zu unsicher.

„Wollt ihr MIA in diesem Jahr?“

Wenn wir bis Mitte nächster Woche nicht deutlich mehr Tickets verkauft haben, müssen wir das Festival schweren Herzens absagen“, stellt Kraußer klar. Grund dafür seien die hohen Ausgaben für Gagen für die Künstler und die Technik. Er habe auch schon mit anderen Musikern, Agenten und Veranstaltern gesprochen. „Viele rechnen mit ähnlichen Ausfällen.“ Dabei gehe es den SoulBuddies nur um das Miteinander bei guter Musik. „Wir wollen endlich wieder ein Gemeinschaftserlebnis für alle auf die Beine stellen, und natürlich müssen wir dabei finanziell halbwegs auf Null herauskommen“, sagt er.

Diese Hiobsbotschaft kommt unerwartet. Denn eigentlich sollte das Jahr 2021 ein Neustart für die Kulturszene sein. „Wir haben dieses Jahr viel Einzigartiges geplant, um allen Besuchern etwas bieten zu können“, sagt Kraußer. Neben dem musikalischen Programm, das deutsche Jazz-Größen und Newcomer präsentiert (wir berichteten), habe das Veranstalterteam auch Kultur aus anderen Sparten eingeplant. „Eine Lichtkunst-Präsentation soll sich über den gesamten Marktplatz bis hin zur Kirche erstrecken“, führt er aus. Außerdem wollen die SoulBuddies eine LED-Wand in der Stadt aufstellen. „Auf dieser werden Videos von Kunstschaffenden aus und um Altdorf gezeigt“, schildert er.

Diese Filme behandeln Themen wie Musik, Tanz und Video und sind während der Pandemie entstanden. „Es wäre sehr schade, weil dieses Projekt unglaublich viel Arbeit gekostet hat und sehr schön geworden ist.“  All diese Pläne unterstreichen, dass beim Festival das Gemeinschaftsgefühl und die Stadt im Mittelpunkt stehen sollen. Daher stellt Kraußer den Altdorfern und den Kulturinteressierten aus der Region eine wichtige Frage: „Wollt ihr MIA in diesem Jahr?

Sponsoren sind sich einig

Für Altdorfs Bürgermeister und diesjährigen Schirmherrn des Festivals, Martin Tabor, kommt diese Ansage überraschend. „Die Menschen befreien sich langsam und treffen sich privat, das Festival-Gefühl ist aber vielleicht noch nicht ganz da“, beobachtet er. Außerdem könne das Fehlen einer Abendkasse einer der Gründe sein. „Es gibt bei Festivals immer viele Kurzentschlossene“, erklärt er. Tabor habe selbst früher in der Veranstaltungsbranche gearbeitet und dabei seine Erfahrungen gemacht. Er wünscht sich das Festival und betont die qualitative Hochwertigkeit des diesjährigen Programms. „Das Produkt stimmt, die Zeit ist aber verrückt!

Verwunderung bei Armin Kroder

Die mehr als mäßigen Vorverkaufszahlen verwundern auch Landrat Armin Kroder, der sich in den vergangenen Jahren immer für das Festival eingesetzt hat. „Wir müssen jetzt gemeinsam überlegen, was jeder beitragen kann“, wirft er in die Runde. An der Planung und Werbung liege es seiner Meinung nach nicht, der Markt sei zurzeit jedoch schwierig.
Gegen den Ausfall des Festivals spricht sich Andreas Kasperowitsch aus, der die Veranstaltung schon seit Jahren tatkräftig und finanziell unterstützt. „Es fällt so viel aus, da wünscht man sich doch ein Event wie MIA“, sagt er. Es wäre schade, weil die Stadt Altdorf nicht nur wunderschön sei, sondern auch qualitativ etwas zu bieten habe. All diese Punkte bestätigen die restlichen Anwesenden. Darunter sind neben Stefan Eisele von den Soulbuddies auch Sponsoren vom Audi Zentrum Ingolstadt, der Sparkasse Nürnberg und Altdorf sowie Vertreter der Stadt Altdorf.

Man ist sich einig, es gebe keine Zeit für lange Entscheidungen. Daher ist die Deadline für die Ticketverkäufe der kommende Mittwoch, an dem auch das entscheidende Treffen der Veranstalter und Sponsoren geplant ist.
An den Preisen sollte es jedenfalls nicht scheitern. „Vor allem für junge Leute ist der Eintrittspreis attraktiv“, betont Susanne Voss von der Altdorfer Stadtverwaltung. Für Jugendliche bis 16 Jahren ist das Festival ohnehin kostenlos, 16- bis 21-jährige Personen sowie Studenten und Menschen mit Behinderung zahlen für ein Ticket für Freitag und Samstag jeweils zwölf Euro. Der Normalpreis für ein Tagestticket liegt bei 25 Euro.Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, bei Ausfall die erworbenen Tickets zurückzugeben“, ergänzt Voss.

Info:
Näheres zum MIA Festival, zum Programm sowie zum Ticketvorverkauf gibt es im Internet unter: https://www.soulbuddies.de/.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren