DHT zeigt komische Oper „La Serva Padrona“

Heiterer Geschlechterkampf

Uberto (rechts) verzweifelt an seinem Personal: Magd Serpina ist aufmüpfig, Diener Vespone faul. Das heitere Singstück soll viele Zuschauer jenseits des klassischen Opernpublikums ins Dehnberger Hof Theater locken. Foto: Kirchmayer2015/02/la_serva_padrona_dht_oper.jpg

DEHNBERG — Eine amerikanische Serie als Hintergrund für eine Oper, kann das funktionieren? Es kann. Das beweist das Dehnberger Hof Theater, das ab 1. März die komische Oper „La Serva Padrona“ von Giovanni Battista Pergolesi zeigt. Die Inszenierung unter der Regie Ulrich Proschkas lehnt sich an die US-Serie „Die Nanny“ an. Für den passenden Klang hat Norbert Nagel die Oper für drei Saxophone umgearbeitet.

„La Serva Padrona“, zu Deutsch „Die Magd als Herrin“, das war ursprünglich nur ein Intermezzo, ein fröhliches Zwischenspiel in den Pausen von Giovanni Battista Pergolesis tragischer Oper „Il prigioner superbo“. Doch das nicht einmal einstündige Singstück aus dem Jahr 1733 entwickelte sich in Italien und in Paris zu einem eigenständigen Werk. Und wurde wegweisend für die Entwicklung der „opera buffa“, der komischen Oper.

Für das Dehnberger Hof Theater hat Regisseur Ulrich Proschka das fast 300 Jahre alte Werk nun an die bekannte US-Fernsehserie „Die Nanny“ aus den 1990er Jahren angelehnt. Was kaum zu glauben ist: Inhaltlich passen Oper und TV-Comedy gut zusammen. In der Serie entspricht die Dienerin aus der Oper dem Kindermädchen, das einen reichen New Yorker Witwer um den Finger wickelt und schließlich heiratet.

Und darum geht es: Hausherr Uberto hat seine liebe Mühe mit dem Personal. Diener Vespone ist faul und ein Schlappschwanz, Magd Serpina aufmüpfig, launisch und durchtrieben. „Ich habe sie verzogen“, stöhnt der alte Junggeselle. Und beschließt, sich eine Frau zu suchen, die im Haus für Ordnung sorgen soll. Doch er hat die Rechnung ohne die Wirtin gemacht. Denn für Serpina ist klar: Wenn Uberto schon heiratet, dann keine andere als sie.

Die Adaption der Oper als Comedy-Format wird in der DHT-Inszenierung unterstrichen durch vier „Werbeblöcke“: Vier junge Balletttänzer interpretieren zur Handlung passende Werbespots. „Wir wollten eine Spieldauer von rund einer Stunde und haben überlegt: Was passt zur Handlung?“, sagt Regisseur Proschka.

Dabei zeigen die Macher auch keine Scheu vor ungewöhnlichen Stilmitteln: Die Ballettszenen dienen als „Product Placement“ für die Comedyfolge, die Musik für die Werbeblöcke wiederum ist von Jean-Philippe Rameau, einem Zeitgenossen von Pergolesi, und kommt vom Band.

Die Opernmusik selbst ist natürlich live. Die musikalische Leitung hat mit Norbert Nagel ein in Dehnberg bekanntes Gesicht übernommen. Die Instrumentierung hat er für die Produktion eigens umgeschrieben. Ursprünglich begleiten zwei Violinen und ein Generalbass die Arien und Duette, aber Norbert Nagel hat das Stück für drei Saxophone arrangiert. „Dadurch kommt eine moderne Komponente rein“, sagt der Musiker. Mit Pergolesi hatte er bislang wenig am Hut. „Mein Hero ist Bach“, sagt Nagel, „aber ich habe den Tiefgang der Musik während der Arrangierung gespürt“.

Freche Umsetzung

Es ist die erste Zusammenarbeit von Proschka und Nagel. Der Regisseur ist „total begeistert“ von der „frechen“ musikalischen Umsetzung und auch DHT-Gründer Wolfgang Riedelbauch ist beeindruckt: „Ich bewundere Norbert Nagel“.

Riedelbauch freut sich sichtlich, dass im DHT wieder eine Oper aufgeführt wird. „Dafür hab‘ ich das Haus gebaut“, sagt der gelernte Opernkapellmeister. Wie häufig man Singspiele im Dehnberger Hof Theater aufführen könne, sei auch eine Frage des Geldes, sagt Riedelbauch. Das Theater bekomme keine extra Förderung für solche Produktionen.

Für Riedelbauch steht die Handlung des Stücks im Vordergrund. „Heute denken wir, die Musik ist das wichtigste. Das war früher nicht so“. Damals seien die Musiknummern im Grunde nur „Zutaten, hübsche Schlager“ gewesen.

Die Oper „La Serva Padrona“ kommt mit lediglich drei Figuren aus: Der Junggeselle Uberto (Bass), die Magd Serpina (Sopran) sowie Diener Vespone, eine stumme Rolle, gespielt von Schauspieler Hannes Hoffmann. Für die Opernrollen wurden Markus Simon, ein gern gesehener Gast des DHT, und Diana Fischer engagiert. Für sie ist es die erste Produktion in Lauf. „Sie hat Pfiff, Ausstrahlung und eine wunderschöne Stimme“, sagt der Regisseur.

Nicht nur für Opernfans

Dass diese Inszenierung von „La Serva Padrona“ viele Menschen auch jenseits des klassischen Opernpublikums ansprechen wird, davon ist Regisseur Proschka überzeugt. „Das ist musikalisch so eingängig, so einprägsam, daran kann jeder seinen Spaß haben.“

Am Ende ist es in der TV-Serie wie in der Oper: Die Dienerin hat Erfolg und erobert tatsächlich ihren bisherigen Vorgesetzten. Der „Kampf zwischen den Geschlechtern, zwischen Alt und Jung, Herr und Dienerin“, wie Regisseur Ulrich Proschka das Stück umschreibt, führt – wie sollte es anders sein – am Ende natürlich zum Heiratsantrag.

Das Dehnberger Hof Theater zeigt die Oper „La Serva Padrona“ ab 1. März. Wie viele Termine insgesamt gespielt werden, ist derzeit noch nicht bekannt.

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