DHT ist in der Region verwurzelt

Die Zeiten ändern sich

Ralf Weiß ist Intendant und Kopf des Dehnberger Hof Theaters, das in diesem Jahr 40 Jahre alt wird. | Foto: Krieger2016/10/Ralf-Weiss.jpg

Das Dehnberger Hof Theater wird 40 Jahre alt. Die lauschige Bühne im Laufer Ortsteil gehört längst zu den festen Größen der kleinen Theater in Bayern und kann sich noch immer regelmäßig über ein ausverkauftes Haus freuen. 25 000 Besucher kamen bereits in 2016. Eine kleine Kunst in Zeiten sinkender öffentlicher Zuschüsse und wachsenden kulturellen Angebotes. Dass das so ist, liegt an den engagierten Machern, die das Vermächtnis von Gründer Wolfgang Riedelbauch behutsam an die neuen Zeiten angepasst haben.

Fragt man Intendant Ralf Weiß, wo das Dehnberger Hof Theater an seinem 50. Geburtstag, also in zehn Jahren stehen wird, so hat der DHT-Chef ein klares Ziel vor Augen. „Wir wollen Landkreistheater sein“, sagt Weiß, der dem Theater seit 1988 eng verbunden ist. Nur wenige Jahre weilte der studierte Theaterwissenschaftler zwischenzeitlich mal in Stuttgart, um nach dem Rückzug von Wolfgang Riedelbauch mit fliegenden Fahnen zurückzukommen und die Leitung des Theaters zu übernehmen. Weiß lebt das Dehnberger Hof Theater, seit einiger Zeit wohnt er auch im Ort und wer am Nachmittag vorbeischaut, wenn der Innenhof und die Bühne noch leer sind, trifft den Chef auch mal höchstpersönlich bei Gartenarbeiten.

Teamarbeit, immer wieder neue Ideen für Produktionen entwickeln, persönliche Kontakte zum Publikum und den zum Teil seit vielen Jahren verbundenen Künstlern pflegen, neue Verbindungen herstellen und vor allem beständig und immer wieder die Werbetrommel rühren— Theatermacher brauchen Leidenschaft und müssen leiden können.

Wenn trotz Werbung die Hälfte der Sitze leer bleibt, wenn ein schlechter Sommer die Kulissen der aufwändig inszenierten Eigenproduktion im Hof im Dauerregen untergehen lässt, wenn der Bezirk, wie heuer geschehen, 20 000 Euro an Zuschüssen einfach streicht, dann sind das kleine Katastrophen, die Weiß nicht nur kurzfristig umtreiben. Sie sind nur zu siebt im DHT, neben Ralf Weiß ist noch Brigitte Schürmann als feste Dramaturgin beschäftigt, daneben fünf weitere Mitarbeiter in Teilzeit für Kartenverkauf, Technik und Öffentlichkeitsarbeit. Ein kleines Team. Zur Not packt jeder mal mit an.

Vor fünf Jahren befand sich das DHT am Scheideweg, sagt Ralf Weiß. Um noch öffentliche Zuschüsse zu bekommen, musste das Theater die Zahl seiner Eigenproduktionen und Aufführungen in den Bereichen Theater, Oper und Musiktheater erhöhen. Kein leichtes Unterfangen. Aber das Theater stellte sich, baute sich ein festes Team aus Schauspielern und Regisseuren auf, mit dem es seither kontinuierlich arbeitet. Sie sind fest unter Vertrag, spielen in großen Eigenproduktionen wie „Don Camillo und Peppone“ ebenso wie in Kinderstücken wie „Kata Leochi“.

Allein heuer stemmte das Theater 130 Veranstaltungen aus seinen verschiedenen Eigenproduktionen. Dafür gab es nur noch 70 Gastspiele. Vor einigen Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt. Der Weg dahin war aufwändig und ist es noch immer, aber er habe sich auch gelohnt, sagt Ralf Weiß. Die meisten der Eigenproduktionen tragen sich selbst, die Zuschauer goutieren den neuen Schwung.

„Wir erreichen ein anderes Publikum als früher“, sagt Weiß. Was übrig bleibt, wird wieder in neue Produktionen investiert. Bei einem Etat von 380 000 Euro im Jahr und einer Auslastung von 70 Prozent muss dennoch gut gewirtschaftet werden. Weiß, mittlerweile 58, will das Haus einmal so übergeben, „dass es in allen Bereichen auf vernünftigen Beinen steht“.

Auch die Gastspielschiene soll deshalb in den nächsten Jahren auf etwas andere Füße. Hochwertiges Kabarett mit bekannten Künstlern soll natürlich bleiben, es ist, neben dem Musiktheater, längst eines der Markenzeichen des Dehnberger Hof Theaters. Wenn die Sitze im Saal wie neulich bei Rolf Miller dreimal verkauft werden hätten können und der BR den Auftritt live aufzeichnet, ist das nicht nur für das Publikum eine tolle Sache. Doch auch jungen Nachwuchskünstlern will das DHT in Zukunft öfter eine Chance geben. Im Herbst kommt Constanze Lindner nach Dehnberg. Weiß hat sie auf der noch eher unbekannten Kabarett-Bühne „Schwabinger Vereinsheim“ entdeckt. Nicht nur sie. „Es gibt da richtig gute Talente“.

Die Zukunft des Dehnberger Hof Theaters hängt aber nicht nur von der Finanzierbarkeit des eigenen Anspruchs ab, sondern auch davon ab, ob die Besucher auch in ein paar Jahren noch kommen. Den Nachwuchs fürs Theater zu begeistern, ist deshalb ein großes Thema. Seit vier Jahren verstärkt das Theater die Theaterpädagogik, bietet Workshops, Seminare und Theaterstücke für Schulen an. Heuer gab es dafür auch eine Förderung durch den Bildungsfonds des Landratsamtes. 40 Klassen aus Schulen im gesamten Landkreis sahen das Klassenzimmer-Theaterstück „Jugendjahre eines Kaisers“ über Kaiser Karl IV. „Theaterbesuche sollten genauso selbstverständlich werden, wie die Teilnahme an anderen kulturellen Veranstaltungen“, wünscht sich Weiß. Seit drei Jahren lädt das Theater alle Erstklässler aus Lauf in eine Theater-Veranstaltung ein. Mit dem Kulturrucksack, der Theater-Gutscheine vergibt und aktuell vom Lions-Club mitgesponsert wird, soll ein weiterer Anreiz gesetzt werden, Theater neu zu erleben.

Für 2017 ist bereits ein neues Kinder- und Jugendstück in Planung: „Anders!Sein!“ heißt es und ist mehr ein Theaterprojekt. Die Schüler sollen in einem zweistündigen Workshop unter theaterpädagogischer Anleitung dazu angeregt werden, selbst mögliche Handlungsstränge für den Fortgang der Geschichte zu entwickeln, die sie zuvor live im Klassenzimmer mitverfolgen konnten. Humanitäre und soziale Fragen sollen dabei thematisiert werden, „die Schüler sollen sich Gedanken machen über das Leben“.

Auch ein neuer „Blockbuster“ steht 2017 auf dem Programm: Nach dem „Glöckner von Notre Dame“ soll das „Das Wirtshaus im Spessart“ im Sommer dem Theater zahlreiche Zuschauer in den Innenhof bringen. Agatha Christies „Das Geheimnis des blauen Schlosses“ ist als „Seifenoper mit Hörspielcharakter“ (Weiß) im Stil von Radio Days in Planung und in Zusammenarbeit mit dem Ballettförderzentrum Nürnberg wird „Cinderella“ über die Bühne des DHT tanzen.

Neues Programm

Die Herbstsaison im DHT beginnt offiziell an diesem Wochenende: Mit der Eigenproduktion „Charleys Tante“ am heutigen Samstag um 20 Uhr und am Sonntag, 2. Oktober und Montag, 3. Oktober, jeweils um 17 Uhr. Ein Stück, von dem Ralf Weiß gerne schwärmt, weil es für ihn alles verkörpert, was ein gutes Theaterstück ausmacht: Charme, gute Dialoge und eine zeitlose Geschichte.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren