Kulturausschuss Hersbruck

Corona machte viele Veranstaltungen zunichte

Robert Vogel (rechts) bewahrt die Hirtenrufe, die bis in die 1960er Jahre im Nürnberger Land auf der Hut erklungen sind, mit seinem Horn vor dem Vergessen. | Foto: J. Ruppert2020/10/Kult-Heb.jpg

HERSBRUCK – Mit einem Hirtenruf hat Museumsleiterin Ingrid Pflaum für einen musikalischen Farbtupfer im Kultur- und Tourismusausschuss des Stadtrates gesorgt. Es war die Erkennungsmelodie der Hersbrucker Viehhüter. Im Hirtenmuseum sollen solch verschwundene Töne wieder erklingen. Ansonsten beherrschte Corona die Rückblicke mit Berichten von Gitarrenfestival über Kirwa bis zur Bücherei.

„Wir brauchen Kunst und Kultur neben Einkaufen und Arbeiten als Ausgleich. Allerdings scheinen diese Dinge in Zeiten steigender Infektionszahlen nicht zusammenzupassen“, sagte Bürgermeister Robert Ilg mit Blick auf die aktuelle Lage. Denn selbst wenn Hygienekonzepte für lieb gewonnene Veranstaltungen vorlägen, würden die von den Werten der zweiten Coronawelle überrollt. Großes Lob zollte der Rathauschef den Gastronomen, die sich an die Regeln halten, obwohl auch sie die „rote Phase“ erneut trifft.

Robert Ilg ging auf den Hersbrucker Kirchweihsonntag mit wenigen Schaustellern und offenen Geschäften ein. Die Stadtverwaltung hat am Freitag davor erst kurz vor Mitternacht neue Vorgaben erhalten, die dann noch zweimal geändert wurden. Der Bürgermeister warb um Verständnis, dass die Verantwortlichen darauf nicht so rasch reagieren konnten, gab aber zugleich offen zu: „Ich habe mich dabei nicht wohl gefühlt.“

Beliebtes Programm

In den Sommerferien ist das Ferienprogramm der Stadt für die jungen Mitbürger gut angenommen worden, berichtete Robert Ilg. Von 56 Kursen konnten über 40 mit mehr als 230 Teilnehmern stattfinden. Unter dem Strich blieben knapp 4000 Euro an Kosten und damit weniger als veranschlagt.

„Der Hirtentag im Januar 2020 war echt ein Kracher“, sagte Ingrid Pflaum über das Jahr des Hirtenmuseums. Nur einmal kamen mehr Besucher als heuer (1660) zum „Obersten“, dem Feiertag der Viehhüter an Dreikönig. Es folgte der Satz, der wohl in keiner Rückschau fehlen wird: „Und dann kam Corona.“ Alle traditionellen Feste wie der Handwerkermarkt oder der Sardische Abend wurden abgesagt. Auch das beliebte Adventssingen der Sängervereinigung Hersbruck muss ausfallen.

Die Wiedereröffnung nach dem Lockdown zeigte aber, dass das Hirtenmuseum für Deutschland-Urlauber und Tagesaktivitäten interessant ist, was zu einer recht hohen Gästezahl an „normalen“ Öffnungstagen ohne Veranstaltungen führte. Ingrid Pflaum freute sich, dass das Kleinod im Herzen Hersbrucks in das neue Buch „Glücksorte in Mittelfranken“ aufgenommen wurde.

Hirtentag in anderer Form

Die Museumsleiterin erwähnte auch die Hochzeiten, das Reparaturcafé, das Espan, die Bewerbung um Anerkennung zum immateriellen Weltkulturerbe, die Schrift „Bock auf Ziegen“, museumspädagogische Angebote in der Coronazeit für Familien statt für Schulklassen und die Umgestaltung des Eingangsbereichs, die sich vermutlich aufgrund baulicher Tücken noch bis Januar hinzieht.

Der Lockdown hat auch ein anderes Projekt verzögert. Zusammen mit Robert Vogel sollen verschwundene typischen Hirtenrufe aus dem Nürnberger Land bewahrt werden. „Tönendes Hirtenhorn“ heißt das geförderte Vorhaben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Hirtentag 2021 nicht stattfindet“, sagte Ingrid Pflaum.


Das traditionelle Format muss allerdings stark geändert werden. „Wir wissen, was wir an dem Museum haben und sollten unter Corona-Regeln etwas anbieten“, pflichtete Götz Reichel bei. Robert Ilg brachte eine kleinere Variante für eine begrenzte Besucherzahl ins Spiel. Denkbar sind Vorträge und Konzerte mit Kartenvorverkauf. Martin Schaffer wünschte mehr Aktivität im Bereich online. „Ihr seid immer kreativ“, dankte Norbert Winkler dem Museumsteam.

Vorgeschmack Anfang Mai

Max Weller von der Stadtverwaltung sagte, dass viel von dem 2020 ausgefallenen Programm des Gitarrenfestival 2021 präsentiert wird, inklusive eines „Appetizers“ am ersten Maiwochenende. „Wir hoffen alle auf eine Durchführung“, brachte Wolfgang Wein die Meinung aller im Kulturausschuss auf den Punkt. Er schlug notfalls ein Streaming-Konzert mit wenig Live-Publikum vor, was Götz Reichel („das hat was“) unterstützte. Einem Gitarren-Open-Air, wie von Martin Schaffer vorgeschlagen, gab Robert Ilg unter Hinweis auf die empfindlichen Instrumente wenig Chancen.

Auch die Stadtbücherei litt unter Corona. Leiterin Susanne Schaefer hatte aber mit Buchpreisbindung für e-books, die baldige Neuanschaffung von „Tonies“ (Hörfiguren), dem Lesezeichen und einem beantragten und bezuschussten Rückgabekasten – was Dr. Ulrike Eyrich lobte – auch Themen abseits der Pandemie. Zweiter Bürgermeister Peter Uschalt erkundigte sich nach dem Bewerben der e-Medien. Martin Schaffer strich den großen Wert der Bibliothek heraus und kritisierte den (vom Stadtrat festgelegten) Zugang von 20 Euro als zu hoch.

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