Laufer Stadtrat steht hinter Umzugsplänen

Klare Mehrheit für Pläne von ABL

Gegner und Befürworter (ABL-MItarbeiter) der Firmenumsiedlung demonstrierten vor der Bertleinschule, in der die Laufer Stadtratssitzung stattfand. | Foto: Beck2021/08/abl-bannwald-demo-vor-laufer-stadtrat-sitzung-foto-beck.jpg

Lauf – Mit großer Mehrheit haben sich die Mitglieder des Laufer Stadtrats quer durch alle Fraktionen dafür ausgesprochen, die Auslagerung des Unternehmens ABL und die Neuansiedlung im sogenannten Lettenwäldchen weiter voranzubringen. Acht Hektar dieses Bannwaldes zwischen der Autobahn und der Straße nach Diepersdorf müssten dafür gerodet werden, was für Proteste vor Ort und am Donnerstag auch vor der Stadtratssitzung in der Bertleinturnhalle sorgte. Allerdings war dieses Mal auch die Gegenseite vertreten: Etwa 100 ABL-Mitarbeiter demonstrierten für die Erweiterungspläne des Laufer Traditionsunternehmens und den Erhalt ihrer Arbeitsplätze in Lauf.


23 zu 6 lautete am Ende einer über zweistündigen Diskussion das Abstimmungsergebnis, mit dem der Rat die für eine Verlagerung positive Einschätzung des Planungsbüros Team 4 teilte, die Ergebnisse billigte und sie zur Grundlage für weitere Planungen machte. Überraschend bei der Abstimmung: vier grüne Stadträte setzten sich für die ABL-Pläne ein, zwei Räte der CSU, Manfred Weber und Günther Felßner, lehnten sie ab, weil ihrer Meinung nach die fachliche Beurteilung Mängel aufweise, wie Bauernpräsident Felßner sagte.

Stadt will Arbeitsplätze sichern


Bevor Landschaftsarchitekt Guido Bauernschmitt erläuterte, warum sein Büro zu der Einschätzung kam, dass die Auslagerung ins Lettenwäldchen die beste Lösung sei, hatte Bürgermeister Thomas Lang in einem fast flammenden Plädoyer für diese Umsiedlung geworben. „Wir können als Stadt nicht zuschauen, dass Unternehmen und damit Arbeitsplätze aus Lauf verschwinden.“ Und dies schon gleich gar nicht, wenn es sich wie bei ABL um Zukunftstechnologien handle.

Deutlich verwahrte sich Lang auch gegen Vorwürfe von Hinterzimmerpolitik oder mangelnder Transparenz. Das Gegenteil sei der Fall, wie die Öffentlichmachung aller Unterlagen zeige. Und den Schuh, dass Lauf maßlos bei Flächenausweisungen sei, wolle er sich nicht anziehen.


Planer Bauernschmitt erläuterte dann die drei Schritte seine Untersuchung, wie bereits in einer Pressekonferenz der Stadt zum gleichen Thema vor einem Monat: Blick auf eine Erweiterung am alten Stadtort, Blick auf bestehende und die Suche nach neuen Gewerbeflächen im gesamten Stadtgebiet und schließlich die genaue Betrachtung des Lettenwäldchens.

Anderswo zu wenig Platz


Eine Weiterentwicklung am alten Standort scheitere unter anderem am Platzbedarf und habe den großen Nachteil der schlechten Verkehrsanbindung. Bei der Suche nach neuen Standorten gebe es auf ausgewiesenen Flächen wie Süd II (Oskar-Sembach-Ring) einfach zu wenig Platz.


Auf der weiteren Suche nach neuen Standorten wurden sieben Flächen untersucht. Unter anderem auch ein Gebiet gegenüber der ABL zur Pegnitz, östlich des früheren EWS-Markes im Pegnitztal, die Waldfläche zwischen Heuchlinger Berg und Autobahn A9 oder im Spitalwald. In allen Fällen würden massive Gründe gegen ein Gewerbe sprechen, angefangen von geschlossenen Waldgebieten, über Erholungsfunktionen bis zum Wasserschutzgebiet.

Planer spricht von objektiv bester Fläche


Ganz anders im Lettenwäldchen, so der Gutachter, auch wenn es hier natürlich einen Eingriff (Rodung) in die Natur gebe, sei dies die objektiv beste Fläche. Hier könne und müsse die Rodung wegen des Bannwaldgesetzes durch Neupflanzungen ausgeglichen werden. Was ideal sei, anders als beispielsweise in der Oberpfalz, wo dies gar nicht nötig wäre.

Dann sei die Fläche verkehrstechnisch perfekt und ohne weitere Eingriffe in die Natur zu erschließen. Das Gebiet sei weit von jeder Wohnbebauung entfernt und das Wäldchen sei definitiv kein Erholungsgebiet. Durch die Abtrennung durch die Straße habe die Fläche keine Funktion im Biotopverbund und beherberge keine bedrohten Arten. In Sachen Klimaschutz habe der Lettenwald zwar eine allgemeine, aber eben keine spezielle Schutzfunktion, weil die Fläche ja ausgeglichen und verbessert werde.

Eichen sollen stehen bleiben

Allerdings machte der Gutachter auch deutlich, dass die Waldränder mit Eichenbeständen Richtung Letten und in Richtung Lauf sehr wertvolle Ökoflächen seien, die auf jeden Fall erhalten bleiben müssen. Und weil durch eine mögliche Auslagerung von ABL am alten Standort ideales Wohnbauland entstehe, was er für sinnvoll halte, sieht der Gutachter „langfristig erhebliche positive Effekte durch die Verlagerung“.


Die Kritiker der Pläne im Stadtrat, hier die Redner der Grünen, Erika Vogel und Ahmet Eryazici, sahen dies ganz anders. Wer Söders Aussage für den Klimaschutz ernst nehme, der dürfe den Wald nicht roden, so Vogel. ABL müsse unterstützt werden, aber es gebe Alternativen auf dem alten Gelände, glaubt sie. Auch lasse sie den Satz „alles bei uns“ nicht gelten und deshalb sollte ABL auch nach Röthenbach blicken.

„Dem Wald eine Stimme geben“

Eryazici wollte dem „Wald eine Stimme geben“. Waldschutz habe einfach Vorrang, „wir leben in einer Zeitenwende und haben deshalb die Pflicht, sämtliches klimaschädliche Tun zu unterlassen.“


Seit Jahren versuche die Stadt, weitere Gewerbeflächen zu finden, und ständig würden auch interessierte Unternehmen abgewiesen, erinnerte Stadtrat Norbert Maschler von der CSU. „Und da waren wir sehr verantwortungsvoll, indem wir nicht auf Biegen und Brechen Flächen ausgewiesen haben.“

Maschler teilt gegen Ex-Bürgermeister aus

Ganz anders im Fall von ABL. „Wir wollten etwas für ein Laufer Unternehmen in der Schublade haben und an diesem Punkt sind wir.“ Außerdem sei unter dem grünen Bürgermeister Benedikt Bisping mehr Wald gerodet worden als je zuvor, so Maschler an die Adresse der Grünen.


Stadtrat Felix Locke von den Freien Wählern kritisierte, dass die Grünen Werbung für Röthenbach machen, dabei seien sie doch von den Laufern gewählt worden. Außerdem sei ABL mit seinen Produkten kein Klimasünder.

Felßner (CSU) lehnt Konzept ab


Überraschend kam für viele Zuhörer die Einlassung von CSU-Stadtrat Günther Felßner: Er lehne das Konzept ab, weil die Eingriffe in die Natur mit Blick auf nachfolgende Generationen zu erheblich seien. Vergessen werde nämlich unter anderem, dass bei der Aufforstung von Wald Ackerland für die Nahrungsmittelproduktion verloren gehen.


Für die SPD stimmten die Stadträte Warth und Schweikert der Auslagerung zu, „weil es keine bessere Alternative gibt“ und man gegen den Klimawandel mehr als acht Hektar Bannwald brauche. Schweikert kritisierte Mitglieder der BI, dass sie heute gegen ihre eigenen Vorschläge einer Verlagerung stimmten.


Eine flammende Rede für die ABL-Auslagerung hielt der Stadtrat der Linken, Werner Schäfer. ABL sei eine Firma, die man dringend für den Klimawandel brauche, „und die wollen wir doch in Lauf behalten“.

Grüne sind gespalten


Und schließlich die Grüne Stadträtin Eva Kneißl. Sie sprach für „drei weitere grüne Räte, die sich bei der Abwägung aller Alternativen „für die Waldrodung aussprechen“. Es gehe hier um eine Zukunftsfirma, und die wolle man keinesfalls ziehen lassen.

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