Geplanter neuer Firmensitz für ABL

Lauf hält Bannwald an der A9 für verzichtbar

Der rot eingefärbte Bereich müsste nach den Plänen der Stadt gerodet werden. Das Gebiet darunter mit 100 Jahre alten Eichen soll erhalten bleiben. | Foto: Planungsbüro Team 42021/07/bauflache.jpg

Lauf – Die Nachricht, dass sich das Laufer Unternehmen ABL vergrößern will und dafür nahe der Autobahnausfahrt Lauf-Süd acht Hektar Bannwald erst eingemeindet und dann gefällt werden sollen, schlug Mitte Mai hohe Wellen. Gegen die Pläne wurde mehrfach demonstriert, die Pegnitz-Zeitung erreichten unzählige Leserbriefe zum Thema. Nun hat die Stadt in Rahmen einer Pressekonferenz Einblicke in den Entscheidungsprozess gegeben.


Guido Bauernschmitt vom Planungsbüro Team 4 legte detailliert dar, wieso die Kommune den Standort als alternativlos betrachtet. Die alteingesessene Laufer Firma ABL (das Akronym steht für den Unternehmensgründer Albert Büttner und den Standort Lauf) will massiv expandieren, die Rede ist von acht bis zehn Hektar Fläche (wir berichteten ausführlich).


Das Büro Team 4 hat im Auftrag der Stadt zunächst geprüft, ob es am Standort in der Albert-Büttner-Straße Erweiterungsmöglichkeiten gibt. Südwestlich des jetzigen Firmensitzes ist ein Sportpark mit Tennishalle längerfristig verpachtet, südöstlich schließt sich Wohnbebauung an. Die nördlich gelegene Pegnitzaue sei keine Option, so Bauernschmitt. Es handle sich um eine ökologisch „sehr, sehr wertvolle“ Fläche und sei zudem Überschwemmungsgebiet. Dort könne nicht gebaut werden.


Auch eine mehrgeschossige Bauweise sei intensiv geprüft worden, ehe sie verworfen wurde. Gegen einen kompletten Umbau spricht auch, dass die Produktion dann „über Jahre erheblich eingeschränkt“ werden müsste, so der Stadtplaner. „Eine Erweiterungsmöglichkeit am bestehenden Produktionsstandort können wir ausschließen“, so Bauernschmitt. Dagegen spreche auch der zunehmende LKW-Verkehr, der eine Beeinträchtigung des benachbarten Wohngebiets darstellt.


Andere Flächen wurden geprüft


Daraufhin habe das Büro im Auftrag der Stadt bestehende Gewerbeflächen in Lauf geprüft. Ins Auge fiel dabei auch die Brachfläche mitten im Oskar-Sembach-Ring, die im Eigentum der Firma Sembach ist und daher nicht zur Verfügung steht.


Südwestlich des dortigen Gewerbegebiets liegt ein etwa sechs Hektar großes Areal, das aus Wald und Kleingärten besteht. „Wir sind nicht überzeugt, dass das ein guter Erweiterungsstandort ist“, sagte Bauern­schmitt. Das Gebiet habe einen hohen Erholungswert. „Wir haben keine Alternativen im Bereich von bestehenden Gewerbeflächen“, bilanzierte der Stadtplaner.

Wald bei Heuchling gilt als wichtiger


Anschließend wurden mögliche neue Gewerbeflächen überprüft. Insgesamt habe sein Büro sieben Standorte ins Blickfeld genommen, so Bauernschmitt. Eines davon war die bereits zuvor genannte Pegnitz­aue nördlich des bestehenden ABL-Standorts. Der Standort wurde ebenso wie ein Areal nordöstlich des Edeka-Markts an der Hersbrucker Straße ausgeschlossen, weil es sich um Überschwemmungsgebiet handelt. Ein Areal an der Ausfahrt Lauf-Nord bei Heuchling wurde aufgrund der Schutzfunktion des dortigen Waldes für den Ortsteil verworfen. Die Kulturlandschaft sei dort hochwertig.


In Bereich der Ausfahrt Lauf-Süd seien mehrere Flächen außen vor, weil sie im Wasserschutzgebiet liegen. „Ein Großteil des Laufer Trinkwassers wird hier gewonnen“, so Bauernschmitt. Nach diesem Ausschlussverfahren sei nur das Areal zwischen A9 und der Staatsstraße 2240 in Richtung Diepersdorf übrig geblieben. Zwar handle es sich dabei um Bannwald, „wir halten diese Fläche aber trotzdem für am Besten geeignet“, so Bauernschmitt.


Eine Begründung: Das Gebiet liegt zwischen zwei Straßen in „isolierter Lage“, aufgrund des Verkehrslärms und der Schadstoffe ist der dortige Wald sowieso schon beeinträchtigt.

Keine Wanderwege


Die Abstände zu Wohnbebauung seien emissionsschutzrechtlich in Ordnung. Es gibt dort keine Wanderwege. Der Lärmpegel durch die Autobahn liegt bei 60 bis 70 Dezibel. „Ich stelle sehr infrage, ob man bei einer derartigen Beeinträchtigung von Erholung sprechen kann“, so Bauernschmitt.


Die Stadt Lauf habe eine Studie durchführen lassen, ob dort seltene oder besonders gefährdete Arten vorkommen. Diese seien nicht gefunden worden, so der Stadtplaner. Die dort lebenden Vögel und Fledermäuse sollen durch Nistkästen in angrenzende Waldgebiete gelockt werden.
Das Waldstück bestehe größtenteils aus Nadelbäumen, im Süden verläuft der Nüssengraben, dort gebe es auch einen „wertvollen Eichenbestand“. Zusammenfassend gebe es in dem Areal „wertvolle und weniger wertvolle Teilbereiche“, so Bauernschmitt.

Wald hat in letzten Jahrzehnten zugenommen


Der Wald habe eine Ausgleichsfunktion für das Klima vor Ort, das gelte für alle Waldbestände im Verdichtungsraum. Allerdings sei der Landkreis eine extrem waldreiche Region, wie der Landschaftsarchitekt und Ingenieur betonte. Im Umland gebe es 47 Hektar Wald. Im gesamten Landkreis seien in den vergangenen 30 Jahren 800 Hektar Wald dazugekommen.
Das besagte Waldstück an der A9 habe keine spezielle Schutzfunktion, anders als etwa das Areal bei Heuchling. Die Kiefern und Fichten seien zudem „kein Zukunftsbaumbestand“.

Eine Aufforstung soll in einer „landschaftlich wertvolleren Lage“ passieren, so Bauernschmitt. Dort könnte ein junger Wald entstehen, der in wenigen Jahrzehnten sehr viel Kohlenstoffdioxid binden kann. Wo das konkret der Fall sein wird, dazu hält sich die Stadt noch bedeckt.


Bauernschmitt appellierte an die Politik, den „wertvollen Baumbestand“ mit rund 100 Jahre alten Eichen im südlichen Areal zu erhalten. Die Pegnitz-Zeitung hat Bürgermeister Thomas Lang gefragt, ob er garantieren kann, dass die Bäume südlich des Nüssengrabens im Blickfeld des Letten stehen bleiben. Lang hat das klar bejaht.

Bis zu 500 Wohneinheiten


Aus städtebaulicher Sicht sei es sinnvoll, aus dem aktuellen ABL-Firmenareal ein Wohngebiet zu machen, so Bauernschmitt. Es würde sich um einen attraktiven Standort handeln, nahe der S-Bahn und der Pegnitzaue. Er sieht ein „riesiges Potenzial für die Stadt“. Geplant sind dort 300 bis 500 Wohneinheiten, wie Bauamtsleiterin Annette Nürnberger hinzufügte. „Wir wünschen uns einen hohen Anteil an Sozialwohnungen.“ Die Firma ABL ist im Besitz der Fläche, es gibt keine Pläne, sie zu verkaufen. Dass dort Wohnbebauung entsteht, werde aber vertraglich fixiert, so Nürnberger.

Auf dem aktuellen Areal von ABL an der Albert-Büttner-Straße sollen bis zu 500 Wohneinheiten entstehen. So ähnlich wie auf dieser Skizze könnte das neue Wohngebiet später aussehen. | Foto: Planungsbüro Team 42021/07/Stadtebau-entwurf-scaled.jpg


„Die Karten liegen auf dem Tisch, wer einen besseren Vorschlag hat, möge sich melden“, so Bauern­schmitt.


Bürgermeister Thomas Lang sagte im Anschluss, die Stadtverwaltung habe „in den letzten Wochen die notwendigen Hausaufgaben erledigt“. Man sei sich der Verantwortung für Umwelt und Klima bewusst. „Wir brauchen zukunftsträchtige Indus­triebetriebe wie ABL“, so Lang, es gelte, den Standort Lauf zu stärken. Die Mitarbeiter von ABL kämen zu einem extrem hohen Anteil aus Lauf und Umgebung. Durch die Expansion sollen hunderte neue Arbeitsplätze entstehen und zeitgleich die Gewerbesteuereinnahmen steigen.


Noch nicht im Stadtgebiet


Noch liegt das besagte Waldstück in gemeindefreiem Gebiet. Die Regierung von Mittelfranken muss nun entscheiden, ob die Stadt Lauf es eingemeinden darf. Anschließend würden ein Flächennutzungsplanverfahren und ein Bebauungsplanverfahren folgen, jeweils mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Am 29. Juli geht es in der Sitzung des Laufer Stadtrats um das Thema. Dann sollen sich die Fraktionen für das Vorhaben aussprechen.


An der Pressekonferenz nahm kein Vertreter der Firma ABL teil. Entsprechend war es auch kein Thema, ob ein Umzug in eine andere Landkreisgemeinde je ernsthaft in Erwägung gezogen wurde. Im Mai hatte Geschäftsführer Stefan Schlutius angekündigt, dass das Unternehmen aus dem Landkreis wegziehen müsse, wenn eine Expansion vor Ort nicht möglich sei.

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