Laden schließt

Hersbrucker Sparkassenumbau hat Folgen

Der Laden von Ruth Loos muss dem Sparkassen-Umbau weichen. Sie hört im März auf. | Foto: A. Pitsch2020/01/IMG-7446.jpg

HERSBRUCK – „Das ist ein Wahnsinns-Einschnitt für mich“, sagt Ruth Loos betrübt. Mit Herzblut hat sie ihren Laden „ComTec Loos“ aufgebaut. Im März schließt sie das Geschäft im Eck des Sparkassen-Gebäudes am Oberen Markt.

Leicht hat es sich Ruth Loos mit der Entscheidung nicht gemacht, sagt sie. Aber am Ende waren es zu viele kleine Faktoren, die ihr Bauchgefühl zum Weitermachen störten, um das an anderer Stelle fortzusetzen, was im Juni 2009 begonnen hatte. „Damals sind wir hier eingezogen, nachdem wir uns unter drei Bewerbern durchgesetzt hatten“, erzählt Loos.

Die Vorgaben der Sparkasse seien streng gewesen: keine Fenster verhängen, kein Essen verkaufen. „Aber unser Konzept hat gepasst.“ Dabei habe sie mit einem Laden eigentlich keine Erfahrung gehabt. In Teilzeit hat Loos damals die Büroarbeit für den Installateursbetrieb ihres Mannes gemacht. „In den Räumen im Michael-Roiger-Weg standen auch Staubsauger und so, die sich Kunden ansehen konnten und die ich verkauft habe.“

Mit diesen Erfahrungen legte die Kleedorferin am Oberen Markt los. Rasch merkte sie, dass sie auf Kleingeräte umsteigen sollte. Das brachte den Erfolg.
„Ich habe dieses, mein Baby aufgepäppelt“, sagt sie auch im Hinblick auf den zufriedenstellenden Umsatz. Den habe sie vielen Stammkunden zu verdanken. „Da gibt es welche, die sagen: ich kaufe nur bei dir.“

Keinen Hehl macht sie daraus, dass sich einige auch immer wieder nur beraten lassen – um dann woanders zu kaufen. Doch das Internet habe auch Vorteile: „Ich habe Kunden, die haben davon die Schnauze voll, weil sie nur Scherereien hatten, und die kommen jetzt zu mir.“

Intensiver Pluspunkt

Was aber mittlerweile einen aufreibenden Großteil der Arbeit ausmache, sei der Service: „Das ist unser Pluspunkt, aber der wurde immer intensiver.“ Garantie-Abwicklungen und Reparaturen wurden immer mühsamer, so Loos, weil einige Hersteller ihren Service zurückgefahren haben. Die zuständigen Werkstätten seien zudem penibler geworden. „Wenn ich das bei Amazon bestelle und zurückgebe, werfen die das weg – und ich hab‘ hier so ein Gschiss.“

Da steht schon der nächste Kunde im Laden; der Rasierer hat ein Teil verloren. Loos schickt es ein. Kaum ist der Mann weg, geht die Tür wieder. Mal geht es um einen Lüfter, mal darum, wie man das Handy mit Geld auflädt. Loos nimmt sich für jeden Kunden Zeit, hört zu, plaudert. Niemandem gibt sie das Gefühl, es müsse schnell gehen oder jede Sekunde koste extra.

Ungewisse Jahre

Obwohl ihr seit 2014/15 bewusst ist, dass sie irgendwann aus den Räumen raus muss. „Nach dem Einbruch damals und auch bei Reparaturen machte die Sparkasse deutlich, dass sie nicht mehr viel Geld in den Bau stecken will, weil nicht klar war, was mit dem Gebäude passiert.“ Eine Zeit der Ungewissheit begann. „Hier war nur gut für uns, dass bei Behörden und Banken die Mühlen langsamer mahlen.“

Trotzdem war der Anruf der Sparkasse kurz vor der Veröffentlichung der Umbaupläne zum Hotel im Herbst ein Schlag: Bankfiliale und Juwelier sollen bleiben, für unter anderem „ComTec Loos“ ist im neuen Konzept kein Platz mehr. „Das kann doch nicht sein.“

Voller Motivation schaute sich Loos einige leerstehende Geschäfte in Hersbruck an. „Alles neu einrichten, um Werbung kümmern, mich für zehn Jahre zu verpflichten als Mieter, das konnte ich mir nicht vorstellen.“ Zumal Loos weiterhin die Büroarbeit für ihren Mann erledigt und Zeit für den Enkel wäre auch schön, führt sie aus. So viele Gedanken schwirrten ihr im Herbst im Kopf herum – kurz vor dem Weihnachtsgeschäft. „Ich musste dann erst einmal für mich innehalten und das Jahr zu Ende gehen lassen.“ Langsam reifte der Entschluss, im März aufzuhören.

„So muss ich beispielsweise keine neue Ware mehr bestellen.“ Hätte sie den „normalen gewerblichen Vertrag“, bei dessen Kündigung „alles regelkonform abgelaufen“ sei, betont Loos, bis Juni erfüllt, hätte sie das tun müssen. Auch wenn es ihr schwerfällt, eigentlich sei sie froh, dass es nun erst einmal endgültig ist: „Wer weiß, was in zwei Jahren ist, vielleicht packe ich es noch einmal an.“

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