Laufer Märchentage

Zauberhafte Stunden im Industriemuseum

Doris Gerner-Bönisch erzählt im Wasserbau das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“. | Foto: Braun2018/09/marchentage-industriemuseum-wolf-und-7-geislein-tib2.jpg

LAUF — Früher, lang bevor Thriller, Fantasy- und Horrorgeschichten für Spannung sorgten, taten dies Märchen. Gut erzählt faszinieren sie noch heute Kinder und Erwachsene. Die lange Tradition dieser Erzählkunst hatten der Verein „DornRosen“ in und um Lauf 25 Jahre lang weitergetragen. Bis 2016 sein letztes Stündchen geschlagen hatte. Nun haben sich neun Frauen und ein Mann aufgemacht, diese Erzählkunst wieder zum Leben zu erwecken. Mit den Märchentagen im Laufer Industriemuseum.

Dieser erste Tag des meteorologischen Herbstes ist grau und wolkenverhangen, bestens geeignet, um mit der einsetzenden Dämmerung in der Riedner Mühle im Industriemuseum Lauf einzukehren und Märchen für Erwachsene und Kinder ab zehn Jahren zu lauschen. Der Raum füllt sich zusehends, ja, es müssen gar weitere Stühle herangeschafft werden, um allen Märchenbegeisterten eine Sitzgelegenheit zu bieten.

Der Raum strahlt eine ehrwürdige, gelassene Ruhe aus, die sparsame Dekoration besteht aus silbrig und golden glänzenden Stoffbahnen sowie einem brokatverhüllten Tischchen mit einem grünen Zweig im Glas. Und einer Kerze, die später, von der ersten Erzählerin, zu flackerndem Leben erweckt wird.

Dann wird das Licht gedimmt und aus dem Ungewissen erschallt der geheimnisvolle Ton einer Flöte. Die Erzählerinnen und der Erzähler des heutigen Abends treten hervor, folgen den Tönen wie einst die Kinder dem Rattenfänger von Hameln. Es wird still, mucksmäuschenstill.

Der Zweite Bürgermeister der Stadt Lauf, Norbert Maschler, freut sich, dass die Tradition der Märchen in Lauf nun weiterleben soll. Und er erzählt, dass in diesem Raum auch Trauungen zelebriert werden. Auch dabei würden hoffentlich Märchen wahr, sagt er und schlägt den Bogen zum heutigen Abend. Dann beginnt der Märchenzauber.

Wunderbare Geschichten

Es sind durchweg Märchen mit einem guten Ende, und keines beginnt mit „Es war einmal …“ und endet mit „… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Die Geschichten handeln von einem Wundervogel, der die Märchen in die Welt bringt, einem fliegenden Kästchen und von den süßesten Broten der Welt. Die Märchen berichten vom verzauberten Löwen und dem Frosch, von den Schätzen im Grab eines Heidenkönigs, vom sprechenden Pferd, vom verhexten Ross­zwifl (oberpfälzisch für Mistkäfer) und vom wundersamen Töpfchen.

Die Erzählerinnen kommen aus dem Nürnberger Land, aus Bayern, aus Sachsen, und eine ist sogar aus Hamburg angereist. Sie wurden alle bei den DornRosen ausgebildet und zögerten nicht lang, als ihr einstiger Klassenkamerad Dieter Wank sie rief, um in Lauf die Märchentage wiederzubeleben. Wank, der die Veranstaltung wesentlich mit initiiert hat, verbindet die Geschichten als Moderator mit kleinen inhaltlichen Betrachtungen.

Die Erzählerinnen weben zauberhafte Geschichten, erwecken Fantasiegestalten zum Leben, geben Dingen wundersame Fähigkeiten, jagen Schauder über den Rücken oder verführen zum Schmunzeln. Sie erzählen Geschichten, die oft in trüber Stimmung beginnen und befreiend positiv enden. Sie stammen aus unterschiedlichen Kulturen – aus dem Orient, aus Griechenland, aus der Oberpfalz. Grimms Märchen sind ebenso dabei wie die weniger bekannten von Franz Xaver Schönwerth.

Und als die Märchenstunden vorbei sind, gibt es trotz bedauerndem Gemurmels – das hätte heute noch lange so weitergehen können – reichlich Beifall für diese gelungene Premiere. Und für jede Erzählerin gibt es eine rote Rose von Susanne Raile, die einst die DornRosen gegründet hatte.

Jede Menge Spaß für Kinder

Doch was wären Märchen, würden sie nicht auch die kleineren Kinder erreichen? Nach dem Erzählabend für Erwachsene und ältere Kinder am Samstagabend, kommen am Sonntag beim Familien-Märchentag im Museum auch die Kleinen voll auf ihre Kosten.

Zu jeder halben Stunde können sie sich ein anderes Märchen anhören. Dafür wurden drei Stationen im Museum aufgebaut: im Tante Emma-Laden, in der Riedner Mühle und im Wasserbau. Die Atmosphäre des Museums trägt viel dazu bei, dass die Zaubermärchen auch wirklich verzaubern. Gebannt lauschen die Kinder den Erzählungen von Rumpelstilzchen, dem Kartoffelkönig, von Daumesdick, Frau Holle, der Zottelhaube oder dem Wolf und den sieben Geißlein. Und wer danach Lust bekommen hat, selbst kreativ zu werden, findet an einer Bastelstation genug Gelegenheit dafür.

Eines hat Dieter Wank bereits versprochen: Noch zwei weitere Jahre sollen die Märchentage im Laufer Museum stattfinden. Danach werde man sehen, wie gut sie angenommen werden. Und wer weiß, vielleicht wird ja eine Dauerveranstaltung daraus. Na das wäre doch märchenhaft.

Vinzenz Dorn/Tina Braun

N-Land Pegnitz-Zeitung
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